ArchivDeutsches ÄrzteblattArztgesundheit/2019Arbeitszeitgesetz: Neue Dienstmodelle sorgen für mehr Transparenz

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Arbeitszeitgesetz: Neue Dienstmodelle sorgen für mehr Transparenz

Dtsch Arztebl 2019; 116 (Arztgesundheit): [14]

Gießelmann, Kathrin

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Das Arbeitszeitgesetz (ArbZTG) legt eine maximale tägliche Arbeitszeit von zehn Stunden fest (10h-TAZ). Im Klinikalltag sind diese Zeitlimits häufig schwer umsetzbar, was das ärztliche Wohlbefinden gefährdet. Dem entgegenwirken sollen neue Dienstplanmodelle mit einer elektronischen Zeiterfassung, wie sie etwa am Universitätsklinikum Tübingen (UKT) seit 2007 eingeführt wurden. Dabei wurden auch Schichtmodelle umstrukturiert. Alle sechs Monate erhalten die Mitarbeiter eine Auswertung, die die maximalen Arbeitszeiten berücksichtigt. Einmal im Jahr findet ein Gespräch über notwendige Anpassungen in der Dienstplanung statt. Seit 2015 arbeiten alle Kliniken und klinischen Institute des UKT mit adaptierten Dienstmodellen. Laut einer Studie führt das neue Modell zu mehr Transparenz der Dienstplanung (1). Die psychosoziale Belastung änderte sich ein Jahr nach der Einführung an zwei Abteilungen der Kinderklinik aber nicht, wie die Auswertung des Teams um Dr. med. Jens Maschmann zeigt, der damals beim UKT tätig war. Demnach konnten 2011 bis 2015 circa 70 Prozent der etwa 60 Ärzte der Kinderklinik die wöchentliche Arbeitszeit einhalten. Die Einhaltungsrate aller bis dahin umgestellten Kliniken des UKT lag bei 85,2 Prozent (n = 791/928). Opt-Out-Zustimmungen lagen von 16 bis 24 Prozent vor. Die gut 20 Ärzte, die den Fragebogen beantwortet hatten, gaben aber auch an, dass das neue Modell die Wahrnehmung der Arbeitsbedingungen nicht verändert habe. Eine besondere Herausforderung stellten Teilzeitkräfte dar. Trotz verkürzter Bereitschaftsdienstanteile fand ein nennenswerter Stundenaufbau statt, vor allem am Wochenende. Eine weitere Studie des UKT ergab, dass Ärzte im Einschichtsystem mit 38 Prozent häufiger von 10-h-TAZ-Überschreitungen betroffen waren, als Kollegen in Zwei- oder Dreischichtsystemen (15 bzw. 12 Prozent) (2).

Einen wesentlichen Erfolgsfaktor des neuen Dienstmodells sieht Maschmann in den regelmäßigen Rückmeldungen über die Einhaltung der Vorgaben des ArbZTG. Dabei gehe es auch um Verhaltensbeeinflussung einzelner Ärzte, die etwa regelmäßig gegen die Höchstarbeitszeit verstoßen würden. Um die psychosoziale Belastung zu verbessern, erscheinen weitere Anpassungen notwendig, schlussfolgern die Autoren. Kathrin Gießelmann

  1. Maschmann J, et al.: Dienstmodellanpassung für Ärzte in einer Universitätskinderklinik. Monatsschrift Kinderheilkunde 2018.
  2. Maschmann J, et al.: Umsetzung von tarifrechtlich- und Arbeitszeitgesetz-konformen Dienstmodellen. Gesundh ökon Qual manag 2012; 17 (3): 151–8.
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