ArchivDeutsches ÄrzteblattSonderausgabe Arztgesundheit/2019Lebenserwartung: Ärzte leben länger, begehen aber häufiger Selbstmord

STUDIEN

Lebenserwartung: Ärzte leben länger, begehen aber häufiger Selbstmord

Dtsch Arztebl 2019; 116 (Sonderausgabe Arztgesundheit): [28]

Meyer, Rüdiger

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: Hyejin Kang7stock.adobe.com
Foto: Hyejin Kang7stock.adobe.com

Ärzte haben die Chance, länger zu leben als andere Menschen. Schließlich kennen sie die Risikofaktoren für Krankheiten, sie können sich meist finanziell einen gesunden Lebensstil leisten und haben im Krankheitsfall leichter Zugriff auf effektive Therapien. Untersuchungen aus Skandinavien zeigen, dass die Sterblichkeit von Medizinern tatsächlich geringer ist als in anderen Berufen.

Dies war nicht immer so. Wie Olaf Aasland von der Norwegischen Ärztekammer in BMC Public
Health
recherchiert hat, lag die Gesamtsterblichkeit der Ärzte in den 1960er-Jahren nur unwesentlich unter dem Bevölkerungsdurchschnitt (1). In den folgenden Jahrzehnten kam es dann zu einer stetigen Verbesserung. In den 1990er-Jahren hatten die Mediziner eine um 31 Prozent geringere Sterblichkeit als andere Berufstätige. Sie liegt inzwischen auf der Stufe anderer akademischer Berufe, einschließlich der Theologen, die in der Vergangenheit die höchste Lebenserwartung hatten.

Anzeige

Ärzte sterben heute seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen oder an Krebs als Angehörige anderer Berufe. Die einzige Ausnahme sind Suizide. Männliche Ärzte in Norwegen scheiden zu 77 Prozent häufiger freiwillig aus dem Leben als andere Menschen. Bei Frauen war der Anteil sogar fast dreimal so hoch wie in der Allgemeinbevölkerung.

Die häufigste Suizidmethode sind Vergiftungen. Ärzte kennen die Toxizitäten von Medikamenten und sie wissen diese zu nutzen, wenn sie ihrem Leben ein Ende bereiten wollen.

Der dänische Epidemiologe Knud Juel, Kopenhagen, kommt im International Journal of Epidemiology für sein Land zu ähnlichen Ergebnissen (2). Die Ärzte haben auch in Dänemark eine höhere Lebenserwartung als der Durchschnitt der Bevölkerung, doch die Zahl der Todesfälle durch Suizide ist bei Ärzten um 60 Prozent und bei Ärztinnen um 70 Prozent höher. Vergiftungen sind die häufigste Methode. Die Sterblichkeit ist 4,4-fach höher als beim Rest der Bevölkerung. Rüdiger Meyer

  1. Aasland OG: Mortality among norwegian doctors 1960–2000. BMC Public Health 2011 Mar 22; 11: 173.
  2. Juel K, Mosbech J, Hansen ES: Mortality and causes of death among danish medical doctors 1973–1992. Int J Epidemiol 1999 Jun; 28 (3): 456–60.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #539999
klausenwächter
am Mittwoch, 29. Mai 2019, 07:05

Blick aufs eigne Land

Wie ist es denn nun in Deutschland. Hamburger Studien zitieren, statt auf Dänemark schauen. Eigene Forschung wird verkannt.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema