ArchivDeutsches ÄrzteblattSonderausgabe Arztgesundheit/2019Therapie des Burn-out: Organisatorische Veränderungen wirksamer als Psychotherapie

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Therapie des Burn-out: Organisatorische Veränderungen wirksamer als Psychotherapie

Dtsch Arztebl 2019; 116 (Sonderausgabe Arztgesundheit): [28]

Meyer, Rüdiger

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Die Zunahme der Burn-out-Symptomatik bei Ärzten wird auf die zunehmende Belastung im klinischen Alltag zurückgeführt. Organisatorische Veränderungen könnten nach einer Meta-Analyse in JAMA Internal Medicine (1) eher erfolgreich sein als Versuche, die betroffenen Ärzte individuell zu schulen.

US-Studien zufolge gerät jeder zweite Arzt im Verlauf seiner beruflichen Laufbahn wenigstens einmal in eine persönliche Krise, die von emotionaler Erschöpfung, Depersonalisierung und der Frustration über ständige Misserfolge gekennzeichnet ist. Eine wichtige Frage lautet, ob die Ursache dieses Burn-out-Syndroms eher im „System“, den Rahmenbedingungen der klinischen Tätigkeit, zu suchen ist oder in der Persönlichkeit des Mediziners.

Auf der einen Seite könnten die Ärzte durch organisatorische Maßnahmen von Stressoren befreit werden, etwa indem die Arbeitszeiten verkürzt werden. Oder es könnte versucht werden, die Betroffenen durch Schulungen fit zu machen für den stressigen Klinikalltag.

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Von den 19 randomisierten Studien, die die Forscher auswerteten, waren sieben auf organisatorische Maßnahmen gerichtet. In der Regel wurde versucht, die Ärzte durch eine verkürzte Arbeitszeit zu entlasten. Andere Maßnahmen betrafen die Stärkung von Teamgeist und Führung sowie Interventionen zur Verbesserung der Kommunikationsfähigkeiten oder der „Mindfulness“.

Hier überschnitten sich die Interventionen mit den primär an den Arzt gerichteten Angeboten, die die „Resilienz“ der Mediziner stärken sollen. Die Angebote reichten von einem Stressmanagement und Kommunikationstraining oder auch Sportangeboten bis hin zur Vermittlung von Techniken einer kognitiven Verhaltenstherapie.

Die organisatorischen Maßnahmen erzielten laut Panagioti die tendenziell bessere Wirkung. Die Effektstärke betrug 0,45 (gemessen im Rückgang der standardisierten Mittelwertdifferenz). Die individuell an die Ärzte gerichteten Maßnahmen erzielten eine Effektstärke von 0,18. Insgesamt betrug die Effektstärke 0,29. Dies entspricht laut Panagioti einer Verbesserung der emotionalen Erschöpfung um drei Punkte. Der Nutzen für den betroffenen Arzt wäre insgesamt begrenzt. Am besten wäre es nach Einschätzung der Forscher, wenn beide Maßnahmen kombiniert würden. Für die Burn-out-Problematik scheint es keine einfache Lösung zu geben. Rüdiger Meyer

  1. Panagioti M, et al.: Controlled interventions to reduce burnout in physicians: a systematic review and meta-analysis. JAMA Intern Med 2017; 177: 195–205.

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