ArchivDeutsches ÄrzteblattSonderausgabe Arztgesundheit/2019Psychische Erkrankungen: Behandlung von Depressionen und „Stress“ bei Ärzten kann erfolgreich sein

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Psychische Erkrankungen: Behandlung von Depressionen und „Stress“ bei Ärzten kann erfolgreich sein

Dtsch Arztebl 2019; 116 (Sonderausgabe Arztgesundheit): [29]

Meyer, Rüdiger

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Foto: Yue/iStock
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Nur wenige Ärzte mit psychischen Erkrankungen begeben sich in medizinische Behandlungen. Einige befürchten berufliche Nachteile, wenn die Erkrankungen in ihren Personalakten notiert werden, andere scheuen vielleicht den Zeitaufwand, der mit einer Behandlung verbunden ist. Dabei kann eine Behandlung wirksam sein, wie eine systematische Übersicht und Meta-Analyse von vergleichenden Studien in Lancet Psychiatry (1) zeigt.

Die häufigsten Behandlungsansätze waren eine kognitive Verhaltenstherapie oder die Vermittlung von Mindfulness-Techniken. Die Behandlungen wurden den Ärzten als Psychoedukation, Management- oder Stresstraining angeboten – vermutlich um die Hürden für eine Beteiligung niedrig zu halten. Die Psychotherapien fanden in Gruppen- oder Einzelsitzungen statt, die sich in den Zeitplan der Ärzte gut einbinden ließen. In einer neueren Studie war die Behandlung webbasiert, in einer älteren erhielten die Ärzte lediglich schriftliche Informationen zugeschickt.

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In allen acht Studien (fünf aus den USA, drei aus Australien und eine aus Spanien) mit 1 023 Teilnehmern wurde eine Minderung von Angststörungen, Depressionen oder allgemeinem psychischen Stress erzielt, auch wenn die Effektstärke mäßig war (0,53 bis 0,71), wie Katherine Petrie und Mitarbeiter vom Black Dog Institute in Sydney berichten, das sich auf die Erforschung affektiver Störungen spezialisiert hat. Immerhin: In einer Studie wurde die Suizidalität der Ärzte um 60 Prozent vermindert.

Der kognitive Verhaltenstherapie wird eine anhaltende Wirkung zugeschrieben. Ohne eine Änderung des beruflichen Umfeldes ist nach Ansicht von Petrie jedoch keine nachhaltige Wirkung zu erwarten. Die Forscherin fordert dringend Studien zu den Auswirkungen, die sich aus organisatorischen Veränderungen wie der Verkürzung der Arbeitszeiten oder der Arbeitsbelastung ergeben könnten. Wichtig bei den Behandlungen sei, dass die Behandlung vertraulich bleibt und ein Stigma der Ärzte am Arbeitsplatz vermieden werde. Rüdiger Meyer

  1. Petrie K, Crawford J, Baker STE, et al.: Interventions to reduce symptoms of common mental
    disorders and suicidal ideation in physicians:
    a systematic review and meta-analysis. Lancet Psychiatry 2019 Mar; 6 (3): 225–34.

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