ArchivDeutsches ÄrzteblattSonderausgabe Arztgesundheit/2019Depression: Betroffene Ärzte machen sechsmal häufiger Medikationsfehler

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Depression: Betroffene Ärzte machen sechsmal häufiger Medikationsfehler

Dtsch Arztebl 2019; 116 (Sonderausgabe Arztgesundheit): [29]

Meyer, Rüdiger

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Burn-out und Depressionen gefährden die Professionalität von Ärzten. Eine Folge sind Medikationsfehler, die vor allem Ärzten in der Facharztausbildung unterlaufen. Drei US-Kinderkliniken (Boston, Stanford und Washington) haben alle 6 078 Rezepte von 123 angehenden Pädiatern über einen Zeitraum von anderthalb Monaten durch speziell geschulte Ärzte und Pflegekräfte überprüfen lassen. Die Ärzte füllten zudem Fragebögen zum Screening auf Depressionen (Harvard National Depression Screening Day
Scale) und Burn-out-Syndrom (Mas-lach-Burn-out Inventory) aus.

Es stellte sich heraus, dass 20 Prozent der angehenden Ärzte Symptome einer Depression hatten und bei 75 Prozent Kriterien für ein Burn-out-Syndrom erfüllt waren. Lange Arbeitszeiten und fehlender Schlaf gelten als mögliche Ursachen.

Medikationsfehler waren insgesamt selten. Die Überprüfung ergab, dass die Pädiater bei 45 Rezepten (0,7 Prozent) nicht an die möglichen negativen Folgen für den Patienten gedacht hatten. Zu Schaden kam kein Patient, aber in 28 Fällen hätte es zu vermeidbaren Nebenwirkungen kommen können (die jedoch nicht rechtzeitig erkannt wurden oder bei den Patienten nicht auftraten).

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Wie Amy Fahrenkopf vom Children’s Hospital in Boston und Mitarbeiter herausfanden, unterliefen Ärzten mit depressiven Symptomen sechsmal häufiger Medikationsfehler als mental gesunde Ärzte. Für Ärzte mit Burn-out-Syndrom war dagegen keine erhöhte Fehlerrate nachweisbar. Auch wenn die Fehler in der Studie keine schwerwiegenden Folgen für die Patienten hatten, lässt sich dies nach Einschätzung von Fahrenkopf generell nicht ausschließen. Laut einem Bericht des Institute of Medicine kommt es in den USA jährlich zu 44 000 bis 98 000 Todesfällen durch Medikationsfehler (1). Wie viele davon durch mentale Störungen der Ärzte verursacht werden, ist unklar.

Auffallend war auch, dass die Rate von depressiven Symptomen bei den angehenden Kinderärzten doppelt so hoch war wie in der amerikanischen Allgemeinbevölkerung. Nur die Hälfte der Ärzte war sich bewusst oder mochte es zugeben, dass sie sich in einer schweren emotionalen Krise befanden. Unklar ist, warum ein Burn-out die Fehlerrate nicht erhöhte, wie dies laut Fahrenkopf die Ergebnisse anderer Studien vermuten lassen. Rüdiger Meyer

  1. Fahrenkopf AM, Sectish TC et al.: Rates of medication errors among depressed and burnt out residents: prospective cohort study. BMJ 2008 Mar 1; 336 (7642): 488–91.

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