ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2019KBV-Sicherstellungskongress: Die Zahl der Hausärzte steigt

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KBV-Sicherstellungskongress: Die Zahl der Hausärzte steigt

Dtsch Arztebl 2019; 116(22): A-1096 / B-903 / C-891

Korzilius, Heike

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Seit knapp zehn Jahren nimmt die Zahl der Facharztanerkennungen in der Allgemeinmedizin langsam, aber stetig zu. Dazu beigetragen hat nicht zuletzt eine strukturiertere Weiterbildung.

Gute Weiterbildung kann dabei helfen, junge Ärztinnen und Ärzte für ein Fach zu begeistern. Foto: picture alliance
Gute Weiterbildung kann dabei helfen, junge Ärztinnen und Ärzte für ein Fach zu begeistern. Foto: picture alliance

Das Fach Allgemeinmedizin hat an Attraktivität gewonnen. Mehr als 40 Prozent der Medizinstudierenden können sich inzwischen eine Niederlassung als Hausärztin oder Hausarzt vorstellen. Das geht aus dem aktuellen „Berufsmonitoring Medizinstudierende“ hervor, für den im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) rund 13 000 Nachwuchsmediziner befragt wurden. 2010, bei der ersten Befragung dieser Art, konnten sich lediglich 30 Prozent der Studierenden für die Allgemeinmedizin erwärmen.

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Dieser positive Trend lässt sich auch an der Zahl der Facharztanerkennungen im Fach Allgemeinmedizin ablesen. Sie stieg stetig von 1 085 im Jahr 2010 auf 1 567 im vergangenen Jahr, wie die Statistik der Bundes­ärzte­kammer ausweist. Dazu haben neben der finanziellen Förderung von Weiterbildungsstellen in Praxen und Krankenhäusern auch bessere Weiterbildungsstrukturen beigetragen. Dieses Fazit zogen Experten beim Sicherstellungskongress der KBV am 20. Mai in Berlin.

Zur neuen Weiterbildungskultur gehören Weiterbildungsverbünde, die Rotationen erleichtern, Kompetenzzentren, die Seminare für Weiterbilder und Weiterzubildende anbieten oder Mentoren vermitteln, Koordinierungsstellen mit Beratungsangeboten, aber auch Qualitätszirkel zur Fortbildung. Die Vernetzung helfe dabei, die Weiterbildung zu strukturieren und zu gestalten, sagte Dr. med. Antje Koch, Leiterin der Koordinierungsstelle Allgemeinmedizin bei der Ärztekammer Berlin. Die Mitarbeiter dort dienten sowohl Ärzten in der Weiterbildung als auch Weiterbildungsbefugten als Ansprechpartner. So berate die Koordinierungsstelle beispielsweise über Fragen der finanziellen Förderung von Weiterbildungsstellen, aber auch wenn bei einem geplanten Umzug Probleme drohten, weil in den Ärztekammern unterschiedliche Weiter­bildungs­ordnungen gelten.

Gemeinden stellen sich vor

In Baden-Württemberg seien 28 Prozent der Hausärzte älter als 60 Jahre, sagte Lisa Rüttiger, Personalentwicklerin im Klinikum Mittelbaden. Das Bundesland gehörte zu den ersten, die angesichts des drohenden Hausärztemangels die Weiterbildung im Verbund förderten. Im Weiterbildungsverbund Mittelbaden haben sich Rüttiger zufolge zwei kommunale Krankenhäuser und 20 Hausarztpraxen aus der Region zur Kooperation verpflichtet. So stellten beispielsweise die Praxen auf der Homepage des Verbundes ihr Profil sowie offene Stellen ein. Um junge Ärzte in die Region zu locken, veranstalte man seit 2017 zudem sehr erfolgreich den „Landtag Allgemeinmedizin“, bei dem sich Städte und Gemeinden dem Nachwuchs präsentierten. Für ihre Klinik sei der Weiterbildungsverbund Teil des Personalmarketings, betonte Rüttiger.

Kompetenzzentren Weiterbildung (KW) gibt es nach Auskunft von Dr. phil. Monika Sennekamp vom KW Hessen inzwischen bundesweit. In ihrem Bundesland sei das Zentrum an den Universitäten Frankfurt und Marburg jeweils an den Lehrstühlen für Allgemeinmedizin angesiedelt. „Wir versuchen damit, einen möglichst nahtlosen Übergang von der Aus- in die Weiterbildung zu schaffen“, erklärte Sennekamp. Fortbildungsseminare für die Ärzte in Weiterbildung, Train-the-Trainer-Seminare für die Befugten und Mentoringangebote würden in Hessen gut angenommen. „Wir verzeichnen seit Jahren eine kontinuierliche Steigerung der Zahl der Teilnehmer“, sagte Sennekamp. Die Maßnahmen tragen offenbar dazu bei, dass, dem bundesweiten Trend folgend, auch in Hessen die Zahl der Facharztanerkennungen in der Allgemeinmedizin steigt, von 78 im Jahr 2013 auf 132 im vergangenen Jahr. Das habe dazu geführt, dass man das Angebot der KW auch für angehende Kinderärzte geöffnet habe, auf deren ausdrücklichen Wunsch hin.

Für attraktive Weiterbildungsbedingungen angehender Hausärzte sorgt Dr. med. Peter Deinlein in einem Qualitätszirkel, der sich speziell an Weiterbildungsassistenten richtet. Dort würden überwiegend Themen aus der Versorgungsrealität besprochen, praxisnah und pharmafrei, sagte der Hausarzt aus Kemnath in der Oberpfalz. Heike Korzilius

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