ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2019Prostatakarzinom: Mikrosatelliten-Instabilität und Mismatch-Repair-Defizienz sind klinisch relevant

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Prostatakarzinom: Mikrosatelliten-Instabilität und Mismatch-Repair-Defizienz sind klinisch relevant

Siegmund-Schultze, Nicola

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: Sebastian Kaulitzki/stock.adobe.com
Foto: Sebastian Kaulitzki/stock.adobe.com

Immuntherapien sind zu einer wichtigen Säule bei der Behandlung von Malignomen geworden. Eine hohe Mikrosatelliten-Instabilität (MSI-H) oder Mismatch-Repair zienz (dMMR) können zur Expression von Neoantigenen führen, die den Tumor für das Immunsystem als entartet erkennbar und angreifbar machen. Die Ansprechraten auf Immuntherapien wie Checkpoint-Inhibitoren sind bei MSI-H-Tumoren erhöht. Auf dieser Basis ist zum Beispiel der PD-1-Inhibitor Pembrolizumab in den USA für die Therapie bei Malignomen mit MSI-H zugelassen worden, unabhängig von der Tumorentität.

Eine Studiengruppe am Memo-rial Sloan Kettering Cancer Center in New York hat bioptisches Material metastasierter Prostatakarzinome seriell auf MSI-H und dMMR untersucht: auf spontane somatische Mutationen und einen Teil auch auf Keimbahnveränderungen.

1 551 Tumoren wurden gescreent. Methoden waren verschiedene Varianten des Next Generation Sequencing und immunhistochemische Verfahren. Von 1 033 Patienten, bei denen die molekularbiologischen Untersuchungen eine ausreichend hohe Qualität hatten, wurde bei 3,1 % (n = 32) ein MSI-H- oder ein dMMR-Status im Tumor festgestellt. 7 der 32 Patienten
(22 %) hatten Keimbahnveränderungen in einem mit dem Lynch-Syndrom assoziierten Gen. 11 vorbehandelte Patienten mit kastrationsresistenten MSI-H/dMMR-Tumoren erhielten einen Checkpoint-Inhibitor. Bei 6 Patienten (54,5 %) fiel daraufhin der PSA-Wert anhaltend um > 50 % ab, bei 4 Patienten verminderte sich die Tumormasse auch radiologisch. 5 der 11 Patienten (45 %) sprachen zum Zeitpunkt der Studienanalyse noch auf die Immuntherapie an (≥ 89 Wochen).

Fazit: Der molekulare Phänotyp MSI-H/dMMR ist beim Prostatakarzinom zwar selten, er ist aber klinisch relevant, da circa die Hälfte der Patienten auf eine Checkpoint-Inhibiton ansprechen, so die Autoren. Sie empfehlen daher, bei der Diagnose Prostatakarzinom auf MSI-H und dMMR zu screenen.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Abida W, Cheng ML, et al.: Analysis of the prevalence of microsatellite instability in prostate cancer and response to immune checkpoint block-ade. JAMA Oncol 2019; 5: 471–8.

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote