ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2019Sebnem Fincanci: Menschenrechtlerin droht Haftstrafe

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Sebnem Fincanci: Menschenrechtlerin droht Haftstrafe

Dtsch Arztebl 2019; 116(22): A-1123 / B-923 / C-911

Korzilius, Heike

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Sebnem Fincanci, Foto: dpa
Sebnem Fincanci, Foto: dpa

Der türkischen Gerichtsmedizinerin Prof. Dr. Sebnem Fincanci (60) drohen in der Türkei zwei Jahre und sechs Monate Haft. Ihr wird „Terrorpropaganda“ vorgeworfen, weil sie 2016 zusammen mit mehr als 1 000 Akademikern eine Friedenspetition unterzeichnet hatte.

Fincancı setzt sich seit Jahren dafür ein, dass Folter und Menschenrechtsverletzungen in der Türkei dokumentiert und die Opfer rehabilitiert werden. Dafür wurde sie im November 2018 mit dem Hessischen Friedenspreis ausgezeichnet. Der Hessische Landtag solidarisierte sich nach dem Urteil mit der Ärztin. Derzeit bestehe noch die Hoffnung, dass ein Berufungsgericht die Haftstrafe aufhebe, heißt es auf der Webseite der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung. Auch die Delegiertenversammlung der Hessischen Lan­des­ärz­te­kam­mer zeigte sich betroffen über das Urteil gegen „eine korrekte und unbestechliche Kollegin“. Die Delegierten forderten mit Blick auf den aktuellen Fall den Deutschen Ärztetag im Mai in Münster auf, sich mit der politischen Verfolgung von Ärztinnen und Ärzten zu befassen. 2017 war Fincancı Gast des Deutschen Ärzte-tages in Freiburg gewesen und hatte ein Grußwort an die Delegierten gerichtet. Die Gerichtsmedizinerin ist seit 2009 Vorsitzende der Türkischen Menschenrechtsstiftung. Zuletzt lehrte sie als Professorin für Forensik an der Universität Istanbul. Sie ist eine der Hauptautorinnen des „Istanbul Protokols“, das international als Leitlinie für die Diagnostik und Therapie von Folterüberlebenden gilt. Heike Korzilius

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