ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2019Versorgungsmangel: Flatrate-Anspruch
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... Ich vermisse offiziell den Hinweis an die bestens und niederschwellig versorgte Bevölkerung, dass sie nicht nur Opfer im Trauerspiel, sondern auch aktiv beteiligt ist durch unangemessene Einforderungen von ärztlichen und pflegerischen Diensten: ich will alles und das jetzt!

Vor zehn Jahren war das Ausspruch der Jugendszene, also unerfahrener Menschen, heute ist die Gesellschaft durchdrungen davon, da man Beiträge zahlt und eine Gegenleistung sehen will. So, wie man im Netz 24 Stunden einkaufen kann, wünscht man sich die schließlich schon bezahlte Gesundheitsdienstleistung.

Ich tue mich schwer, eine Verbesserung in den vielen neuen kleinteiligen Regelungen zu erkennen. Ich sehe klar im Ganzen eine lähmende Überregulierung des Systems. Wie kann sich ein Ge­sund­heits­mi­nis­ter der Erstattung der Liposuktion persönlich annehmen? Da fasse ich mir an meinen Kopf.

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Lasst uns die Zahl der Mediziner, Pfleger, Logistiker und mit Qualitätsmaßnahmen den Druck auf diese erhöhen – dann muss es doch klappen. Doch wir machen die Rechnung ohne die erschöpften Älteren und die selbstachtsamen Jüngeren.

Die Probleme (permanenter Flatrate-Anspruch, juristische Absicherung, Misstrauenskultur) sind nicht allein auf ärztlicher Seite zu lösen, es sind gesellschaftliche Probleme, die nur die Gesellschaft lösen kann und irgendwann einmal lösen muss. Dies kostet Verzicht und Schmerzen, da die unbezahlbare Komfortzone verlassen werden muss. Darauf sind unsere Mitmenschen nicht vorbereitet. Gut erläutert könnten viele das verstehen. Wir müssen uns trauen, es ihnen zu sagen, ehrlich und sehr klar.

Dr. med. Eva Hommerding, 52531 Übach-Palenberg

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