ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2019Internationale Klassifikation der Krankheiten: Zwanghaftes Sexualverhalten und Onlinespielsucht neu

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Internationale Klassifikation der Krankheiten: Zwanghaftes Sexualverhalten und Onlinespielsucht neu

PP 18, Ausgabe Juni 2019, Seite 246

dpa; Gießelmann, Kathrin

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Auch übermäßiger Pornokonsum zählt zu den neuen Diagnosen. Foto: motortion/stock.adobe.com
Auch übermäßiger Pornokonsum zählt zu den neuen Diagnosen. Foto: motortion/stock.adobe.com

Zwanghaftes Sexualverhalten und Onlinespielsucht werden künftig als Diagnosen in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-11) aufgeführt. Diese verabschieden die Mitglieder der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) auf ihrer Jahresversammlung in Genf. Der erstmals seit 30 Jahren neu gefasste Katalog listet rund 55 000 Krankheiten, Symptome und Verletzungsursachen auf. Ärzte und Psychotherapeuten registrieren ihre Diagnosen künftig mit den neuen Codes. Für krankhaftes Video- oder Onlinespielen ist es „6C51“, für zwanghaftes Sexualverhalten „6C72“. Damit können präzisere Statistiken erstellt und Gesundheitstrends besser dokumentiert werden, sagt Robert Jakob, Gruppenleiter Klassifikationen bei der WHO.

Dass zwanghaftes Sexualverhalten und Video- oder Onlinespielsucht neu in den Katalog aufgenommen wird, ist umstritten, weil die Diagnosen schwierig sind. Was genau darunter zu verstehen ist, wird in einem Zusatzhandbuch erklärt. Unter zwanghaftem Sexualverhalten könne unter anderem übermäßiger Pornokonsum oder Telefonsex zählen, sagte Jakob. Die Diagnose ist nach Definition von Fachleuten dann angebracht, wenn Betroffene intensive, wiederkehrende Sexualimpulse über längere Zeiträume nicht kontrollieren können und dies ihr Familien- oder Arbeitsleben oder das Sozialverhalten beeinflusst. Gegen die Aufnahme von Video- und Onlinespielsucht hatte vor allem die Gaming-Industrie protestiert. Sie fürchtet, dass Menschen, die viel spielen, plötzlich als therapiebedürftig eingestuft werden.

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Die Problematik beginnt für die WHO, wenn ein Mensch über mehr als zwölf Monate alle anderen Aspekte des Lebens dem Spielen unterordnet, wenn er seine Freunde verliert oder seine Körperhygiene vernachlässigt. dpa, gie

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