ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2019Traumatherapie: Neugier auf tiefere Zugänge

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Traumatherapie: Neugier auf tiefere Zugänge

PP 18, Ausgabe Juni 2019, Seite 275

Moser, Tilmann

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Es gibt viele Bücher zu diesem Thema. Doch Posttraumatische Belastungsstörungen wurden zu lange in einen dafür sterilen erweiterten Neurosebegriff gequetscht und mit deren Methodenkanon noch lange als schwer oder unbehandelbar bezeichnet. Nun hat Brigitte Hüllemann den langsam überquellenden Reichtum kundig gesichtet und kommentiert, ohne allerdings, obwohl in vielen Techniken bewandert, das Wort Psychoanalyse je in den Mund zu nehmen.

Das Buch ist eine gelungene Einführung in Traumatherapie und das, was auf Anfänger zukommt, wenn sie sich mit den betroffenen Patienten einzulassen trauen. Sie können sich anhand von sauber aufgereihten Kategorien prüfen, ob sie an Einfühlung, Geduld, Warmherzigkeit, Flexibilität, Belastbarkeit und Hoffnung auf Resilienz genug mitbringen, um sich ans schwierige Werk zu machen. Der Körper wird abgesucht nach Stellen, die einer sanften und beruhigenden Berührung entgegenhoffen, am besten mit etwas therapeutischer Selbsterfahrung und gewappnet gegen den dabei drohenden Missbrauch aus emotionalem Eigenbedarf. Da die Autorin die Hilfe von Psychoanalyse nicht in Anspruch nehmen will, fehlen auch Kategorien wie Übertragungen, Gegenübertragung und eine Theorie der Regression, die den durch das Trauma mit beschädigten Körper auch in der Tiefe erreichbar machen.

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Zum Glück erreicht sie auf den knapp 110 Textseiten den weltweit anerkannten P. A. Levine, dem Körpertherapie samt der tiefenpsychologischen Dimension gut vertraut ist, und den Nestor und analytisch bewanderten Pionier der Traumatherapie B. A. van der Kolk, um die sehr übersichtlich diskutierte Diagnoseforschung zu komplettieren. Denn der Körper ist tief mitbetroffen, ja in seinen Funktionen beschädigt durch den Überfall eines plötzlichen oder kumulativen Einbruchs auch in seinen Bereich, der Erstarrung, Lähmung und Wehrlosigkeit hinterlässt und nur mühsam und aus der Sprachlosigkeit wieder verknüpft werden muss mit dem Bereich der gar nicht erfolgten Symbolisierung der seelischen Vorgänge.

Trotzdem ist das Büchlein zu empfehlen für einen ersten Einstieg. Es hinterlässt Neugier auf tiefere Zugänge und die Selbstprüfung auf die eigene Eignung. Tilmann Moser

Brigitte Hüllemann: Einführung in die Traumatherapie. Carl-Auer Verlag, Heidelberg 2019, 128 Seiten, kartoniert, 14,95 Euro

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