ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenOnkologie 1/2019Nichtkleinzelliges Lungenkarzinom: Wirkung der Immuntherapie bei Älteren weiter ungeklärt

Supplement: Perspektiven der Onkologie

Nichtkleinzelliges Lungenkarzinom: Wirkung der Immuntherapie bei Älteren weiter ungeklärt

Dtsch Arztebl 2019; 116(23-24): [15]; DOI: 10.3238/PersOnko.2019.06.10.03

Eckert, Nadine

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Bei Lungenkrebs haben sich Immuncheckpoint-Inhibitoren als hochwirksam erwiesen. Fraglich ist aber, ob dies auch für ältere Patienten gilt. Mit dem Alter lässt die Leistungsfähigkeit des Immunsystems nach und in klinischen Studien waren Senioren unterrepräsentiert.

Beim European Lung Cancer Congress 2019 in Genf wurden 2 Arbeiten präsentiert, die klären sollten, ob das Alter Einfluss auf die Therapie des fortgeschrittenen, nichtkleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) mit Immuncheckpoint-Inhibitoren hat. Doch sie kommen zu widersprüchlichen Ergebnissen. Während eine gepoolte Analyse klinischer Studien hinsichtlich Wirksamkeit und Sicherheit keinen Unterschied zwischen älteren und jüngeren Patienten findet, lässt eine Real-World-Studie die Alarmglocken schrillen. Sie deutet nämlich auf eine geringere Wirksamkeit bei älteren Patienten hin – und dies bei gleichem Nebenwirkungsrisiko.

Die gepoolten Daten stammen aus 3 randomisierten Studien (KEYNOTE-010, -024 und -042). Sie zeigen für Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC, die mit Pembrolizumab behandelt wurden, ein besseres Gesamtüberleben als für Patienten, die eine Chemotherapie erhielten – gleichermaßen bei älteren wie auch bei jüngeren Patienten. Verglichen wurden 264 Patienten über 75 Jahre mit 2 292 Patienten unter 75 Jahren. Alle Studienteilnehmer hatten einen Tumor Proportion Score (PD-L1 TPS) von ≥ 1 %, das heißt, mindestens 1 % der Tumorzellen exprimierte PD-L1. Die Hälfte der älteren Patienten hatte einen PD-L1 TPS ≥ 50 %, sprich eine hohe PD-L1-Expression im Tumor und damit eine höhere Wahrscheinlichkeit für ein Ansprechen auf Immuncheckpoint-Inhibitoren.

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Patienten mit PD-L1-TPS > 1 %, die mit Pembrolizumab behandelt wurden, hatten ein signifikant besseres Gesamtüberleben als diejenigen, die eine Chemotherapie erhielten (Hazard Ratio [HR] 0,76, 95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] 0,56–1,02). Und bei Patienten mit einem PD-L1-TPS > 50 % war die Verbesserung des Gesamtüberlebens sogar noch ausgeprägter, wenn sie anstatt mit einer Chemotherapie mit dem Immuncheckpoint-Inhibitor behandelt wurden (HR 0,41, 95-%-KI 0,23–0,73). Dabei waren die 1-Jahres-Überlebensraten von älteren und jüngeren mit Pembrolizumab behandelten Patienten vergleichbar (53,7 vs. 54,9 % bei PD-L1 TPS > 1 % und 61,7 vs. 61,7 % bei PD-L1 TPS > 50 %).

Therapiebedingte Nebenwirkungen traten bei den älteren Patienten unter Pembrolizumab seltener auf als bei den jüngeren Patienten (68 vs. 94 %). Und therapiebedingte Nebenwirkungen vom Grad 3–5 waren bei den älteren Patienten unter Pembrolizumab seltener als unter Chemotherapie. Immunvermittelte Nebenwirkungen und Infusionsreaktionen waren bei älteren Patienten unter Pembrolizumab häufiger als unter Chemotherapie (25 vs 7 %), es gab dahingehend aber keinen Unterschied im Vergleich zu mit Pembrolizumab behandelten jüngeren Patienten (25 %).

Retrospektive Real-World-Studie kommt zu anderen Ergebnissen

Analysiert wurden alle Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC, die von 2014 bis 2018 am Universitätsklinikum Ramon y Cajal in Madrid eine Immuntherapie (52 % Nivolumab) erhalten hatten. Etwas mehr als ein Viertel (27,5 %) der 98 behandelten Patienten waren über 70 Jahre alt. Der PD-L1-Status war bei 50 % der Patienten bekannt. Das Gesamtüberleben der älteren Patienten war signifikant kürzer als das der jüngeren Patienten (median 5,5 vs. 13 Monate; HR 3,86, 95-%-KI 2,073–7,214, p < 0,0001). Gleiches galt für das progressionsfreie Überleben (median 1,8 vs. 3,6 Monate, HR 2,1, 95-%-KI 1,181–3,744, p = 0,012). Hinsichtlich des Auftretens immunvermittelter Nebenwirkungen der Therapie war kein signifikanter Unterschied zwischen älteren und jüngeren Patienten feststellbar (p = 0,535).

Während die Autoren der gepoolten Analyse zu dem Schluss kommen, dass ihre Daten für eine Monotherapie mit Pembrolizumab bei Patienten ab 75 Jahren mit PD-L1-exprimierendem fortgeschrittenen NSCLC sprächen, warnen die Autoren der Real-World-Studie vor einem schlechteren Überleben bei gleichen Nebenwirkungen. Einig sind sich die Wissenschaftler, dass nur größere prospektive Studien oder größere Real-World-Studien die Frage nach der Wirksamkeit und Sicherheit von Immuncheckpoint-Inhibitoren bei älteren Patienten werden beantworten können.

DOI:10.3238/PersOnko.2019.06.10.03

Nadine Eckert

Quelle: European Lung Cancer Congress 2019, Genf, Schweiz, 11. April 2019

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