ArchivDeutsches Ärzteblatt23-24/2019Medizinstudium: Lehre soll digitaler werden

DEUTSCHER ÄRZTETAG

Medizinstudium: Lehre soll digitaler werden

Dtsch Arztebl 2019; 116(23-24): A-1161 / B-959 / C-947

Beerheide, Rebecca

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Inhalte des Medizinstudiums sollen an den digitalen Fortschritt angepasst werden. Dabei geht es nicht nur um Inhalte, sondern auch um die Formen des Wissenserwerbs. Wichtig ist den Studierenden und den Delegierten auch die Vergütung im Praktischen Jahr.

Peter Jan Chabiera wirbt vor den Delegierten des 122. Deutschen Ärztetages für mehr Dialog mit anderen medizinischen Berufen.
Peter Jan Chabiera wirbt vor den Delegierten des 122. Deutschen Ärztetages für mehr Dialog mit anderen medizinischen Berufen.

Mehr digitale Lehre und bessere Bedingungen im Praktischen Jahr (PJ): Mit diesen Kernforderungen betonten die Delegierten des 122. Deutschen Ärztetages erneut die drängendsten Probleme beim Medizinstudium. Sie forderten in mehreren Anträgen, zügig die Digitalisierung der Lehre an Hochschulen zu fördern und damit auch Lehrinhalte zu verändern. Dabei werden die „verantwortlichen Institutionen aufgefordert, durch eine curriculare Verankerung die Medizinstudierenden auf die künftigen digitalen Herausforderungen der Medizin vorzubereiten“. In einem weiteren Antrag wird darauf verwiesen, dass der Prozess der Digitalisierung der Wissensvermittlung auch weitere Freiräume bieten könnte, „die praktische Einübung der im Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Medizin beschriebenen ärztlichen Rollen und Kompetenzen zu schaffen“.

Anzeige

Die Fakultäten werden aufgerufen, bereits jetzt digitalbasierte Angebote im Sinne des Masterplans 2020 zu entwickeln. Im Zuge dessen solle festgelegt werden, welche Inhalte des Studiums künftig ausschließlich digital angeboten werden. In Abgrenzung dazu soll festgelegt werden, für welche praktischen Kompetenzen „Präsenzveranstaltungen unerlässlich“ sind.

Die Delegierten erneuerten die Forderung, dass Studierende im PJ ausreichend bezahlt werden. So wird das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium aufgefordert, die ärztliche Approbationsordnung zu ändern, sodass es eine „bundesweit einheitlich und angemessene Aufwandsentschädigung“ gibt. Es soll damit ein Rechtsanspruch auf eine Geldleistung gelten, Sachleistungen sollen nicht mehr zulässig sein. Die Aufwandsentschädigung soll auch nicht auf Leistungen des BAföG angerechnet werden.

Peter Jan Chabiera, Präsident der Bundesvertretung der Medizinstudierenden (bvmd) aus Freiburg, forderte vor den Delegierten, dass die Krankheitstage während des PJ nicht mit den Urlaubstagen verrechnet werden dürfen. „Angehende Ärztinnen und Ärzte sollten nicht krank zur Arbeit gehen.“

Chabiera bedankte sich beim früheren BÄK-Präsidenten Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery für seine Unterstützung bei der Forderung nach einer PJ-Aufwandsentschädigung. „Diese ist Mittel zum Zweck, damit wir neben dem PJ nicht auch anderen Jobs nachgehen müssen.“ Der bvmd-Präsident forderte mehr Dialog zwischen den medizinischen Berufsgruppen und sieht die Dialogbereitschaft des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ters Jens Spahn als Vorbild. „Spahn lässt zu, dass nach Lösungen für die drängenden Fragen der Gesundheitsversorgung gesucht wird.“ Er forderte die Ärzteschaft auf, den Dialog zur Neuverteilung der Aufgaben zu führen. „Es muss sich vieles ändern, damit alles so bleibt, wie es ist“, so Chabiera.

Außerdem wiederholten die Delegierten ihre Forderung, die Studienplätze zu erhöhen. Auf eine konkrete Zahl wurde in diesem Jahr verzichtet. Außerdem soll die Umsetzung des Masterplanes 2020 nicht zu einer weiteren „Verschärfung und Arbeitsverdichtung für Ärztinnen und Ärzte an Universitätskliniken“ führen. Rebecca Beerheide

Fazit

TOP Ib – Ausbildung / Medizinstudium

  • Bund und Länder werden aufgefordert, die Zahl der Medizinstudienplätze weiter deutlich zu erhöhen.
  • Die verantwortlichen Institutionen sollen die Digitalisierung der Lehre stärker fördern. Auch soll festgelegt werden, welche Inhalte digital gelehrt und welche ausschließlich in Präsenzveranstaltungen vermittelt werden.
  • Die Approbationsordnung soll klarstellen, dass bundesweit „einheitliche und angemessene“ Aufwandsentschädigungen gezahlt werden. Sachleistungen sowie Anrechnung auf das BAföG sollen nicht zulässig sein.

Die Entschließungen zu TOP Ib im Internet: www.aerzteblatt.de/2019top1b
Das gesamte Beschlussprotokoll im Internet: http://daebl.de/KN85

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.