ArchivDeutsches Ärzteblatt23-24/2019Neurologie: Neue Leitlinie zur idiopathischen intrakraniellen Hypertension

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Neurologie: Neue Leitlinie zur idiopathischen intrakraniellen Hypertension

Hillienhof, Arne

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Bei idiopathischer intrakranieller Hypertension empfiehlt die Leitliniengruppe eine individualisierte Therapie. Foto: peterschreiber.media/stock.adobe.com
Bei idiopathischer intrakranieller Hypertension empfiehlt die Leitliniengruppe eine individualisierte Therapie. Foto: peterschreiber.media/stock.adobe.com

Eine vollständige überarbeitete Leitlinie zur idiopathischen intrakraniellen Hypertension hat die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) vorgestellt. Sie richtet sich an Ärztinnen und Ärzte der Neurologie, Neurochirurgie, Augenheilkunde, Kinder- und Jugendmedizin sowie Neuroradiologie, die Patientinnen und Patienten mit idiopathischer und sekundärer intrakranieller Hypertension behandeln.

Die idiopathische intrakranielle Hypertension bezeichnet eine Liquordrucksteigerung im Kopf ohne Nachweis einer intrakraniellen Raumforderung oder einer akuten Thrombose der venösen Blutleiter. Die Leitlinie stellt diagnostische und therapeutische Maßnahmen dar und gibt Empfehlungen zur Akut- und Langzeittherapie.

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Eine Vielzahl von Medikamenten können zu Liquordrucksteigerungen führen, zum Beispiel Tetrazykline. Auch Anlagevarianten der Hirnsinus und klinisch inapparent abgelaufene Sinusthrombosen können den Liquordruck steigern.

„Etwa zehn Prozent der Patienten mit therapierefraktären chronischen, täglichen Kopfschmerzen könnten unter intrakranieller Hypertension leiden und sollten auch ohne klinisch manifeste Stauungspapillen eine Liquordruckmessung erhalten“, schreiben die Leitlinienautorinnen und -autoren um den Koordinator Prof. Dr. med. Ullrich Wüllner, stellvertretender Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie des Universitätsklinikums Bonn. Die Leitliniengruppe empfiehlt eine individualisierte Therapie, eskalierend entsprechend dem Schweregrad der Sehverschlechterung und der Ausprägung eines Papillenödems. Kopfschmerzen könnten eine Indikation zur internen Liquorableitung oder zur interventionellen Therapie sein.

Neu in die Leitlinie aufgenommen wurde unter anderem, dass Gewichtsreduktion plus Acetazolamid der alleinigen Gewichtsreduktion überlegen ist. Gesichtsfeld, Papillenödem, Lebensqualität und Liquordruck waren in der mit Acetazolamid behandelten Gruppe signifikant verbessert. Bei starkem Übergewicht sollten Ärzte und Patienten laut Leitlinienautoren auch die Adipositaschirurgie erwägen. hil

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