ArchivDeutsches Ärzteblatt23-24/2019Porträt: Familientreffen auf dem Ärztetag

DEUTSCHER ÄRZTETAG

Porträt: Familientreffen auf dem Ärztetag

Dtsch Arztebl 2019; 116(23-24): A-1168 / B-965 / C-953

Osterloh, Falk

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Ernst Lennartz, Hausarzt aus Heinsberg, war schon häufig als Abgeordneter beim Ärztetag dabei. Für seinen Sohn Maximilian, Weiterbildungsassistent in Hamburg, war es in diesem Jahr eine Premiere. Im Gespräch mit dem DÄ erklären sie, was sie berufspolitisch eint – und was sie trennt.

Vater und Sohn: erstmals gemeinsam als Abgeordnete auf dem Deutschen Ärztetag
Vater und Sohn: erstmals gemeinsam als Abgeordnete auf dem Deutschen Ärztetag

Dr. med. Ernst Lennartz wollte sich einbringen. Deshalb war er vor 15 Jahren zum ersten Mal als Abgeordneter der Ärztekammer Nordrhein bei einem Deutschen Ärztetag dabei. Damals wie heute ist eines seiner berufspolitischen Hauptthemen, dass Haus- und Fachärzte mit einer Stimme sprechen und gemeinsam als Ärzteschaft auftreten. Lennartz ist Allgemeinmediziner. Er führt eine Praxis im nordrhein-westfälischen Heinsberg, in der schon sein Vater und sein Großvater praktiziert haben. Es habe ihn deshalb sehr glücklich gemacht, als sich sein Sohn Maximilian ebenfalls dazu entschloss, Medizin zu studieren. „Ganz ohne Zwang“, sagt der 62-Jährige.

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Dr. med. Maximilian Lennartz ging zum Studium nach Hamburg. Eigentlich wollte er Internist werden. Dann bekam er ein Angebot von einem seiner Professoren, eine Doktorarbeit zu schreiben – in der Pathologie. „Die Arbeit im Labor hat mich sehr interessiert“, sagt Maximilian Lennartz. So nahm er das Angebot an. Die Praxis, die seit drei Generationen von seiner Familie geführt wird, wird er deshalb nicht übernehmen. Sein Vater trägt es mit Fassung. „Er darf es selbst entscheiden“, sagt er und lächelt.

Dafür ist Maximilian Lennartz seinem Vater in die Berufspolitik gefolgt. „Mein Vater ist mein berufspolitisches Vorbild“, sagt er. Während seines Studiums hat er ihn mehrfach auf Ärztetagen besucht: in Düsseldorf oder Kiel. „In Kiel habe ich miterlebt, wie Professor Montgomery zum Nachfolger von Professor Hoppe als Präsident der Bundes­ärzte­kammer gewählt wurde. Das war ein eindrücklicher Moment.“

Positive Resonanz

Seither befasst sich der heute 27-jährige Arzt in Weiterbildung mit der Berufspolitik. Er hat sich mit den Zusammenhängen im deutschen Gesundheitswesen beschäftigt, mit den Aufgaben und den Möglichkeiten von Ärztekammern und Kassenärztlichen Vereinigungen. Und er ist zu der Erkenntnis gelangt: „Während der Ausbildung kommen diese Themen zu kurz.“ So ist eines seiner Ziele, das Gesundheitswesen für Medizinstudierende und junge Ärzte transparenter zu machen.

In diesem Jahr war Maximilian Lennartz zum ersten Mal als Abgeordneter der Ärztekammer Hamburg – und als Mitglied der „Jungen Ärzte“ – auf einem Ärztetag dabei. Erstmals nahmen damit Vater und Sohn gemeinsam – wenn auch als Abgeordnete verschiedener Ärztekammern – an einem Ärztetag teil. „Ich glaube, dass die Zahl junger Ärzte, die sich berufspolitisch engagieren wollen, steigt“, sagt er. Und wie haben ihn die anderen, meist älteren Kollegen aufgenommen? „Sehr gut“, sagt er. „Ich habe nur positive Resonanz bekommen.“

Er hatte auch bereits den Mut, sich vor dem Plenum zu Wort zu melden: zum Thema Digitalisierung. „Das ist etwas, das mir sehr am Herzen liegt“, erzählt er. Berufspolitisch sind Ernst und Maximilian Len-nartz meist einer Meinung. Bei der Digitalisierung sehen sie jedoch einen berufspolitischen Generationenkonflikt. „Das ist ein Streitthema“, betonen sie. In jedem Fall ist Maximilian Lennartz nach seinem ersten Ärztetag in seiner Auffassung gestärkt, dass man politisch etwas bewegen kann, wenn – und da ist er sich mit seinem Vater einig – die Ärzteschaft mit einer Stimme spricht.

Bleibt das Problem mit der Praxisübergabe. Er habe noch zwei Töchter, erzählt Ernst Lennartz. Und tatsächlich führen auch diese eine Familientradition fort – allerdings eine andere. Beide sind Lehrerinnen geworden. Wie ihre Mutter. Falk Osterloh

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