ArchivDeutsches Ärzteblatt23-24/2019Alkoholerkrankungen: Kinder schützen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

... Vermehrte Prävention in diesem Bereich würde nicht nur der Gesundheit der Konsumenten selbst dienen, sondern auch der psychischen Gesundheit indirekt vom Alkoholkonsum betroffener Menschen. Dies sind in besonderem Maße Kinder.

Nach aktuellen Schätzungen wachsen in Deutschland ca. 2,6 Millionen Kinder in Familien auf, in denen zumindest ein Elternteil auffällig trinkt bzw. alkoholabhängig ist. Und es ist in den vergangenen Jahren ja erfreulicherweise vermehrt in den Fokus geraten, dass Kinder psychisch kranker Eltern ein deutlich höheres Risiko haben, selbst eine psychiatrische Erkrankung zu entwickeln (s. z. B. Mattejat & Remschmidt schon 2008 im DÄ, oder auch die aktuellen Arbeiten von Prof. Wiegand-Grefe u. a.). Im aktuellen Kinder- und Jugendreport der DAK (2018) werden folgende Zahlen genannt: Für Kinder alkoholkranker Eltern ist das Risiko, selbst eine Suchterkrankung zu entwickeln, um 63 Prozent erhöht. Auch die Prävalenz von Depressionen (+ 43 Prozent) oder hyperkinetischen Störungen (+ 41 Prozent) ist deutlich erhöht. Angststörungen treten ebenfalls gehäuft auf (+ 26 Prozent). Diese Zahlen entsprechen auch meiner klinischen Evidenz – sowohl in meinen eigenen Behandlungen als auch in Supervisionen sind Berichte von alkoholabhängigen oder zumindestmassiv Alkohol konsumierenden Eltern sehr häufig.

Dazu kommt noch die hohe Zahl fetaler Alkoholstörungen (FASD) durch Alkoholkonsum in der Schwangerschaft, die mit geschätzt über 12 000 betroffenen Kindern pro Jahr die häufigste angeborene Behinderung in Deutschland ist.

Anzeige

Insofern kommt den genannten Maßnahmen der Verhältnisprävention des Alkoholkonsums nicht nur für die direkt Betroffenen eine wichtige Rolle zu, um der Entwicklung von Abhängigkeiten zu begegnen. Sondern auch von Alkoholkonsum indirekt betroffene Menschen – potenzielle Verbrechensopfer, Partner/-innen und, wie dargelegt, vor allem Kinder – könnten auf diese Weise besser geschützt und der Entwicklung psychischer Erkrankungen vorgebeugt werden.

Weiterführende Informationen findet man u. a. bei der Interessenvertretung für Kinder aus Suchtfamilien (www.nacoa.de)

Dipl.-Psych. Norbert Tameling, 29221 Celle

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige