ArchivDeutsches Ärzteblatt23-24/2019Haushalt und Finanzen: Jahr des soliden Wirtschaftens

DEUTSCHER ÄRZTETAG

Haushalt und Finanzen: Jahr des soliden Wirtschaftens

Dtsch Arztebl 2019; 116(23-24): A-1166 / B-963 / C-951

Osterloh, Falk

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Bundes­ärzte­kammer hat im vergangenen Geschäftsjahr knapp eine halbe Million Euro weniger ausgegeben als im Vorjahr veranschlagt worden war. Für das kommende Geschäftsjahr wird mit steigenden Ausgaben für Personal und Gebäudesanierungen gerechnet.

Einstimmig entlasteten die Delegierten den Vorstand der Bundesärztekammer.
Einstimmig entlasteten die Delegierten den Vorstand der Bundes­ärzte­kammer.

Die Delegierten des 122. Deutschen Ärztetags in Münster haben den Jahresabschluss der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) für 2017/2018 gebilligt und den Vorstand der BÄK für das Geschäftsjahr entlastet.

Anzeige

Wie der Vorsitzende der Finanzkommission der Bundes­ärzte­kammer, Dr. med. Franz Bernhard Ensink, auf dem Ärztetag erklärte, hat die BÄK das Geschäftsjahr 2017/2018 mit einem Überschuss von rund 402 000 Euro abgeschlossen. Die Summe wird in den Haushalt für das kommende Geschäftsjahr überführt. Die Bilanz, die das Vermögen und das Kapital der BÄK ausweist, belief sich am Ende des Geschäftsjahres, dem 30. Juni 2018, auf 52,136 Millionen Euro. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 51,513 Millionen Euro.

Die Gewinn- und Verlustrechnung ist Teil der Bilanz. Sie gliedert sich in Aufwendungen und Erträge. Den größten Anteil der Aufwendungen machten im Geschäftsjahr 2017/2018 die Personalaufwendungen in einer Höhe von 11,440 Millionen Euro aus. Im Vorjahr waren es 11,014 Millionen Euro.

Franz Bernhard Ensink: Geringe Drittmittel sind ein Ausdruck der Unabhängigkeit der ärztlichen Selbstverwaltung.
Franz Bernhard Ensink: Geringe Drittmittel sind ein Ausdruck der Unabhängigkeit der ärztlichen Selbstverwaltung.

Hohe Sanierungskosten

Die sogenannten satzungsbedingten Aufwendungen, zu denen Ausgaben für berufspolitische Aktivitäten oder Projekte zählen, lagen bei 5,796 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es 5,557 Millionen Euro. Zu außerplanmäßigen Aufwendungen sei es zum Beispiel im Rahmen der Einrichtung eines Transplantationsregisters sowie eines elektronischen Logbuchs für die Weiterbildung gekommen, erklärte Ensink. Die Aufwendungen für das Transplantationsregister seien jedoch unter anderem von der Deutschen Stiftung Organtransplantation und der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung wieder erstattet worden.

Die allgemeinen Verwaltungskosten lagen bei 1,868 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es 1,794 Millionen Euro. Knapp 200 000 Euro höher als im Vorjahr veranschlagt, fielen die Raumkosten aus. Grund dafür seien Ausgaben für Sanierungsarbeiten, sagte BÄK-Hauptgeschäftsführer Tobias Nowoczyn.

Ensink erklärte, dass der Deutsche Ärzteverlag im Jahr 2017 einen Gewinn von 5,832 Millionen Euro erwirtschaftet habe. Er dankte dem Geschäftsführer des Ärzteverlags, Jürgen Führer, der nachweislich in schwierigem Umfeld erfolgreich gearbeitet habe. Zudem betonte er, dass Lan­des­ärz­te­kam­mern und BÄK keinen Anteil an der Finanzierung des Deutschen Ärzteblatts haben, da es sich komplett selbst durch Anzeigen trage. Umgekehrt flössen Gewinne des Deutschen Ärzteverlags in Teilen an dessen Gesellschafter: die BÄK und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Im vergangenen Geschäftsjahr habe es jedoch keine Gewinnausschüttung gegeben, weil keine Gesellschafterversammlung einberufen worden sei. Dies stehe im Zusammenhang mit Auflagen, die die KBV von ihrer Aufsichtsbehörde, dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, erhalten habe, wie Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery erklärte, der auf dem Ärztetag als BÄK-Präsident von Dr. med. Klaus Reinhardt abgelöst wurde.

Ebenfalls in Zusammenhang mit diesen Auflagen stehe, dass die KBV der BÄK ihre Anteile am Deutschen Ärzteverlag zur Übernahme angeboten habe. BÄK und KBV halten die Anteile je zur Hälfte. Derzeit berate der BÄK-Vorstand über dieses Angebot, so Montgomery.

Tobias Nowoczyn: Die Bundesärztekammer ist von der Wechselbereitschaft jüngerer Beschäftigter unterdurchschnittlich betroffen.
Tobias Nowoczyn: Die Bundes­ärzte­kammer ist von der Wechselbereitschaft jüngerer Beschäftigter unterdurchschnittlich betroffen.

Personalkosten steigen

„Im Geschäftsjahr waren aufgrund üblicher Fluktuation mehrere Stellen temporär vakant“, heißt es im Finanzbericht der Bundes­ärzte­kammer. „Aufgrund der Arbeitsmarktsituation gestaltet sich die Nachbesetzung, insbesondere von Stellen für Ärztinnen und Ärzte und anderen Fachberufen zunehmend schwierig.“ Dieses Phänomen schlägt sich auch im Haushaltsvoranschlag für das Geschäftsjahr 2019/2020 nieder, der im Vergleich zum Vorjahresentwurf um 9,21 Prozent auf 24,809 Millionen Euro anstieg und den die Abgeordneten des Deutschen Ärztetages billigten. Auf dem Arbeitsmarkt sei zu sehen, dass die Wechselbereitschaft insbesondere von jüngeren Beschäftigten zunehmend steige, sagte Nowoczyn. Dabei komme es zu immer kürzeren Zeiten der Betriebszugehörigkeit und zu einem Abfluss von Wissen, das nur schwer wieder aufgebaut werden könne. „Erfreulicherweise ist die Bundes­ärzte­kammer von diesem Phänomen nur unterdurchschnittlich betroffen“, so der BÄK-Hauptgeschäftsführer. Eine Mitarbeiterbefragung habe eine hohe Zufriedenheit der Beschäftigten mit ihren Arbeitsbedingungen ergeben. Nowoczyn kündigte weitere Anstrengungen in diesem Bereich an. „Wir brauchen auch im Hauptamt ärztlichen Sachverstand, um berufspolitische Positionen erarbeiten zu können“, sagte er. „Um qualifizierte Ärzte gewinnen zu können, werden wir neue Konzepte erarbeiten.“ Dazu zähle unter anderem die gezielte Förderung von Talenten durch Fort- und Weiterbildung.

Zur Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trügen auch eine angemessene Bezahlung sowie Zuschüsse zum Betriebsrestaurant bei. „Der Haushaltsvoranschlag bildet die gestiegenen Löhne ab, die deutlich steigenden Einstiegsgehälter und die Kosten für die Rekrutierung von Zeitarbeitsfirmen“, erklärte Nowoczyn. Die geplanten Personalaufwendungen steigen insofern gegenüber dem Haushalt 2018/2019 um 4,73 Prozent und liegen nun bei 12,740 Millionen Euro. Dabei steigt der Voranschlag für die Gehälter um 6,12 Prozent, während der Voranschlag für die Pensionen um 19,18 Prozent zurückgeht.

Zudem steigen im Haushaltsvoranschlag die satzungsbedingten Aufwendungen um 7,44 Prozent. Grund dafür sind unter anderem Projekte wie das elektronische Logbuch. Die allgemeinen Verwaltungskosten steigen um 61,15 Prozent. Ursache dafür sind die veranschlagten Raumkosten, die um 84,77 Prozent von 1,635 Millionen Euro im vergangenen Haushaltsvorschlag auf 3,021 Millionen Euro im aktuellen Voranschlag steigen – insbesondere wegen der Instandhaltungs- und Sanierungsaufwendungen am Gebäude. Die Umlage für die Lan­des­ärz­te­kam­mern wächst infolge der im BÄK-Haushalt vorgesehenen Rückstellungen geringer als das Haushaltsvolumen: Sie steigt um 7,48 Prozent.

Kaum Drittmittel

Ensink betonte, dass Drittmittel im Haushalt der Bundes­ärzte­kammer nur eine untergeordnete Rolle spielten. „Auch das ist Ausdruck der Unabhängigkeit der ärztlichen Selbstverwaltung“, sagte der Vorsitzende der Finanzkommission. „Darauf können wir zu Recht ein bisschen stolz sein.“ Falk Osterloh

Fazit

TOP V bis VII – Haushalt und Finanzen

  • Der Ärztetag billigt den Jahresabschluss 2017/2018 und entlastet den Vorstand der BÄK.
  • Der Ärztetag billigt den Haushaltsvoranschlag für das Geschäftsjahr 2019/2020.
  • Das Haushaltsvolumen steigt um 9,2 Prozent, die Umlage für die Ärztekammern um 7,48 Prozent.
  • Gebäudesanierungskosten und höhere Personalausgaben führen zum Anstieg des Haushaltsvolumens.

Die Entschließungen zu den TOP V, VI und VII im Internet: www.aerzteblatt.de/2019top5; /2019top6; /2019top7
Das gesamte Beschlussprotokoll im Internet: http://daebl.de/KN85

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema