ArchivDeutsches Ärzteblatt23-24/2019Cannabis: Medizinischer Nutzen sollte belegt werden

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Cannabis: Medizinischer Nutzen sollte belegt werden

Krüger-Brand, Heike E.

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Die Begleiterhebung zu Cannabisverordnungen wird aus Sicht der Abgeordneten keine ausreichenden Erkenntnisse bringen. Foto: Jürgen Gebhardt
Die Begleiterhebung zu Cannabisverordnungen wird aus Sicht der Abgeordneten keine ausreichenden Erkenntnisse bringen. Foto: Jürgen Gebhardt

Die Bundesregierung soll ein Forschungsprogramm auflegen, um den medizinischen Nutzen von Cannabisarzneimitteln und -blüten zu untersuchen. Das hat der 122. Deutsche Ärztetag angemahnt. Seit März 2017 dürfen Ärzte Patienten mit einer schwerwiegenden Erkrankung Cannabis in Form getrockneter Blüten oder Extrakten zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnen. Einer Studie zufolge sei der Kenntnisstand zu Wirkungen und Nebenwirkungen der in der Cannabispflanze enthaltenen Cannaboide jedoch weiterhin unzureichend. Ein Indikationskatalog für die Verordnung konnte bislang nicht festgelegt werden. Die bestehende Rechtslage wecke Begehrlichkeiten bei Patienten und Industrie, heißt es in einem Beschluss. Der breite Einsatz in der medizinischen Versorgung müsse auf wissenschaftlich gesicherter Grundlage erfolgen. Es sei nicht zu erwarten, dass mit der gesetzlich verankerten Begleiterhebung bis zum 31. März 2022 durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte das bestehende Forschungsdefizit hinreichend kompensiert werden könne. Darüber hinaus beauftragten die Abgeordneten den Vorstand der Bundesärztekammer (BÄK), sich verstärkt für die Förderung der substitutionsgestützten Suchttherapie bei Drogenabhängigen einzusetzen und diese für die Zukunft sicherzustellen. Aufgrund der kritischen Versorgungslage insbesondere im ländlichen Raum sei hierfür eine konzertierte Aktion von BÄK, Kassenärztlicher Bundesvereinigung, dem Gesetzgeber und den Landessozialministerien dringend erforderlich. Mehrere Anträge befassten sich zudem mit einer Verbesserung der Situation drogenabhängiger Menschen in Haft. So riefen die Delegierten den Gesetzgeber unter anderem auf, eine Grundlage zu schaffen, dass die Ausgabe von Substitutionsmitteln in Justizvollzugsanstalten auch an Justizvollzugsbeamte delegiert werden kann. KBr

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