ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2019Biomechanisch-funktionelle Überlegungen
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von PD Dr. med. Natalia Gutteck, Sebastian Schilde, Prof. Dr. med. Karl-Stefan Delank in Heft 6/2019

Der Mensch wird durch Vertikalisierung ab dem 2. Lebensjahr zum Sohlengänger, der primär das Gewicht auf der vorangehenden Ferse aufsetzt und abrollt und sich mit den Zehen- und Vorfußbeugern der lastfreien Gegenseite nach hinten abdrückt (aufrechter Gang des Pharao und der Nomaden). Mit Einführung des üblichen Kulturschuhwerks, Einschulung und Förderung der Vorfußbelastung durch gewohnheitsmäßiges Gehen „Kopf vor Ferse“, durch Absätze, Abrollen auf dem Vorfußballen und reduzierte Zehenmotorik durch enge Schuhe, Stehen und Sitzen mit Vorfußbelastung, kommt es zur habituellen Überlastung der passiven Plantarfaszie ursprungsnah per Dauerzug und Impuls-Mikrotraumata sowie der Metatarsalia durch repetitive Biegebelastung im Sinne von Stressfrakturen (1).

Die Körpergewichtsverteilung auf die plantare Fläche verursacht den Spurabdruck des Läufers, nicht umgekehrt. Bei motorisch Gesunden entscheidet die Verteilung des Körpergewichts über das Zeitintegral vorrangig über die Belastung und Entwicklung des Fußes und erst dann die Fußmotorik.

Durch habituelle Inklinationshaltung, betonte Vorfußbelastung und reduzierte Zehenmotorik, insbesondere der langen Beuger, kommt es zur Wadenverkürzung, Achillodynie und zur Überlastung der Plantarfaszie und der Metatarsalia im Sinne eines Kettensyndroms (2). Das jeweils schwächste Glied wird symptomatisch und „schützt“ damit die anderen Glieder der Kette. Die schmerzhafte Seite wird spontan entlastet und die deshalb mehr belastete Gegenseite kann schmerzhaft werden.

Sonografisch kann der ursprungsnahe Querschnitt der Plantarfaszie im Seitenvergleich und Behandlungsverlauf als Maß für die Akuität und Schmerzhaftigkeit der plantaren Insertionstendinose gemessen werden (3). Der knöcherne Fersensporn ist als Reparatur der Insertionstendinose zu sehen; die rupturgefährdete Stelle wird kalzifiziert überbaut. Diese biomechanisch-funktionellen Überlegungen erlauben kausale Therapieansätze, die sich bei betroffenen Patienten bestens bewähren (3).

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0431a

Dr. med. Norbert M. Hien

Arzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

München

PraxisDrHien@t-online.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Hien NM: Einlagen- und Schuhversorgung bei Fußdeformitäten. Orthopäde 2003, 32: 119–32 CrossRef MEDLINE
2.
Hien NM: Die (schmerzhafte) Insertionstendinose der Plantarfaszie, funktionelle Ursache, Diagnostik und Therapie. Orthopädische Praxis 2010; 10: 487–94.
3.
Hien NM: Die Bedeutung der hypoechogenen Zone am plantaren Fersensporn für die klinische Relevanz des Ultraschallbefundes. Ultraschall in Med 2001; 22: 98.
4.
Gutteck N, Schilde S, Delank KS: Pain on the plantar surface of the foot. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 83–8 VOLLTEXT
1.Hien NM: Einlagen- und Schuhversorgung bei Fußdeformitäten. Orthopäde 2003, 32: 119–32 CrossRef MEDLINE
2.Hien NM: Die (schmerzhafte) Insertionstendinose der Plantarfaszie, funktionelle Ursache, Diagnostik und Therapie. Orthopädische Praxis 2010; 10: 487–94.
3.Hien NM: Die Bedeutung der hypoechogenen Zone am plantaren Fersensporn für die klinische Relevanz des Ultraschallbefundes. Ultraschall in Med 2001; 22: 98.
4.Gutteck N, Schilde S, Delank KS: Pain on the plantar surface of the foot. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 83–8 VOLLTEXT

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Der klinische Schnappschuss

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