ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2019Kontrastmittel besser als gedacht
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Die Autoren empfehlen in ihrer Übersichtsarbeit (Grafik 1) zum Vorgehen bei akutem Nierenversagen (AKI) die Kontrastmittelgabe zu vermeiden, womit wohl Röntgenkontrastmittel gemeint sein sollen (1). Die Rolle der jodhaltigen Kontrastmittel für die Nierenfunktion unterliegt jedoch in der neueren Literatur einer Neubewertung. So kamen McDonald et al. (2) in ihrer Metaanalyse zu dem Ergebnis, dass Kreatininanstiege bei stationären Patienten wohl eher auf andere Ursachen zurückzuführen sind als auf die Kontrastmittelgabe. Auch in der Leitlinie der European Society of Urogenital Radiology (ESUR) von 2018 (3) wird dem Rechnung getragen. Der aktuelle Wissensstand zur kontrastmittelinduzierten Nephropathie wird vom wissenschaftlichen Fachausschuss der deutschen Ärzteschaft aktuell dahingehend zusammengefasst, dass das Risiko einer Contrast Induced Nephropathy (CIN) – so sie denn wirklich existiert – deutlich kleiner ist als bisher angenommen, in der Niedrig-Risikogruppe mit einer eGFR > 30 mL/min/1,73 m2 möglicherweise sogar null ist (4). Bei Hoch-Patienten mit einer eGFR < 30 mL/min/1,73 m2 sollten vorsichtshalber Nutzen und Risiko abgewogen werden, selbst wenn keine Mortalitätsunterschiede nachweisbar waren zwischen AKI und CIN. Die pauschale Ablehnung von Röntgenkontrastmitteluntersuchungen kann also nicht unkommentiert akzeptiert werden. Bei entsprechender Indikation dürften Patienten eher vom diagnostischen Ergebnis einer Untersuchung mit Kontrastmittel profitieren als von deren Unterlassung unter nephroprotektiven Erwägungen.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0434a

Dr. med. Hubertus Klaus

Leipzig, hubertus-klaus@t-online.de

1.
Alscher MD, Erley C, Kuhlmann MK: Acute renal failure of nosocomial origin. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 149–58 VOLLTEXT
2.
McDonald JS, McDonald RJ, Comin J, et al.: Frequency of acute kidney injury following intravenous contrast medium administration: a systematic review and meta-analysis. Radiology 2013; 267: 119–28 CrossRef MEDLINE
3.
van der Molen AJ, Reimer P, Dekkers IA, et al.: Post-contrast acute kidney injury—Part 1: Definition, clinical features, incidence, role of contrast medium and risk factors : Recommendations for updated ESUR Contrast Medium Safety Committee guidelines. Eur Radiol 2018; 28: 2845–55 CrossRef CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.
Michaely H: Wertung des aktuellen Wissensstands zur CIN. Fortschr Röntgenstr 2018; 190: 74–5 CrossRef MEDLINE
1.Alscher MD, Erley C, Kuhlmann MK: Acute renal failure of nosocomial origin. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 149–58 VOLLTEXT
2.McDonald JS, McDonald RJ, Comin J, et al.: Frequency of acute kidney injury following intravenous contrast medium administration: a systematic review and meta-analysis. Radiology 2013; 267: 119–28 CrossRef MEDLINE
3.van der Molen AJ, Reimer P, Dekkers IA, et al.: Post-contrast acute kidney injury—Part 1: Definition, clinical features, incidence, role of contrast medium and risk factors : Recommendations for updated ESUR Contrast Medium Safety Committee guidelines. Eur Radiol 2018; 28: 2845–55 CrossRef CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.Michaely H: Wertung des aktuellen Wissensstands zur CIN. Fortschr Röntgenstr 2018; 190: 74–5 CrossRef MEDLINE

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