ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2000Hörschädigungen: Pegelbegrenzung gefordert

SPEKTRUM: Akut

Hörschädigungen: Pegelbegrenzung gefordert

Dtsch Arztebl 2000; 97(3): A-68 / B-56 / C-56

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Die Millenniumsnacht begann rekordverdächtig: Selten wurden so viele Feuerwerkskörper unterschiedlicher Art gezündet, die den Jahrtausendwechsel optisch und akustisch gebührend einleiten sollten. Für mehr als 3 000 Menschen - vor allem Jugendliche - hatte das Spektakel in der Silvesternacht allerdings eine unangenehme Folge: Sie erlitten gravierende Hörschädigungen. Zu diesem Ergebnis gelangt eine Umfrage der HNO-Universitätsklinik in Tübingen, die in den nächsten Wochen veröffentlicht wird. Wie Prof. Hans-Peter Zenner auf dem 24. Interdisziplinären Forum der Bundes­ärzte­kammer in Köln berichtete, werden noch in acht Metern Entfernung eines Silvesterböllers 120 Dezibel gemessen - eine Lautstärke die ausreicht, um ein Knalltrauma (Tinnitus oder Vertäubung) auszulösen.

Die Silvesternacht mache aber nur deutlich, was HNO-Ärzte schon seit längerer Zeit beobachten: Eine erhebliche Zunahme von Hörschädigungen bei Kindern und Jugendlichen, die auf ein verändertes Freizeitverhalten zurückzuführen sei. "Immer mehr Jugendliche hören über ihren Walkman täglich bis zu sechs Stunden Musik in großen Lautstärken", so Zenner. Auch die Dauer der Diskothekenbesuche sei in dieser Altersklasse deutlich länger als Anfang der 80er-Jahre. "Die Lärmpegel, denen die Jugendlichen dabei ausgesetzt sind, liegen mit bis zu 110 Dezibel weit im gehörschädi-genden Bereich, der bereits bei 85 Dezibel einsetzt",
erklärte Zenner. Bei den gegebenen Musikhörgewohnheiten der 15-Jährigen müsse damit gerechnet werden, dass bei jedem Zehnten ein mittlerer Hörverlust von zehn Dezibel eintrete.


Zenner wies in Köln darauf hin, dass ein Hörverlust von 20 bis 30 Dezibel bei Jugendlichen eine Einschränkung der beruflichen Möglichkeiten zur Folge hat: "Die Einstellung als Kfz-Mechaniker, Polizist oder Beamter ist dann ausgeschlossen." Um irreversible Hörschäden bei Kindern und Jugendlichen zu vermeiden, fordern HNOÄrzte, Bundes­ärzte­kammer und Umweltbundesamt, Lautstärkebegrenzungen gesetzlich zu verankern; und zwar für Kopfhörer tragbarer Musikabspielgeräte auf 90 Dezibel sowie für Diskotheken auf 95 Dezibel. Eine Pegelbegrenzung auf 80 Dezibel sollte aber auch für lärmerzeugendes Kinderspielzeug eingeführt werden. Denn Spielzeugpistolen und die bei Kindern beliebten Knallfrösche erreichen mit 135 Dezibel eine Lautstärke, die dem eines Düsenjets entspricht. Dr. med. Vera Zylka-Menhorn

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