ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2019Mikrovaskuläre Komplikationen des Typ-2-Diabetes: Eine Behandlung mit Statinen senkt das Risiko für die diabetische Retinopathie

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Mikrovaskuläre Komplikationen des Typ-2-Diabetes: Eine Behandlung mit Statinen senkt das Risiko für die diabetische Retinopathie

Dtsch Arztebl 2019; 116(25): A-1235 / B-1016 / C-1004

Gerste, Ronald D.

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Die diabetische Retinopathie ist eine mikrovaskuläre Komplikation und die Hauptursache für Erblindungen im Alter der Berufstätigkeit. Seit vor fast 30 Jahren eine Assoziation von harten Exsudaten, einer frühen Manifestationen der diabetischen Retinopathie, mit Serumcholesterin beschrieben worden ist, sind zahlreiche Studien mit dem Ziel durchgeführt worden, eine mögliche Rolle einer lipidsenkenden Therapie in der Prävention oder der Verlangsamung der Prävention der Netzhautbeteiligung zu eruieren – neben bekannten Präventionsstrategien wie der Kontrolle des Blutzuckerspiegels, des arteriellen Blutdrucks und des Körpergewichts.

Eine der größten Untersuchungen zu dieser Thematik haben jetzt Ophthalmologen aus Taiwan publiziert. Aus einer landesweiten Datenbank mit 1 648 305 Typ-2-Diabetikern wurden 18 947 Patienten unter einer Statintherapie erfasst und mit der gleichen Anzahl von Typ-2-Diabetikern verglichen, die keine Statine bekamen. Das Durchschnittsalter lag bei 61 Jahren, die mittlere Diabetesdauer zu Beginn bei 2,8 Jahren. Bei einer durchschnittlichen Beobachtungszeit von 7,6 Jahren für die Statingruppe und 7,3 Jahren für die Kontrollen ergab sich für die Statingruppe eine signifikant niedrigere Inzidenz der diabetischen Retinopathie als in der Kontrollgruppe (10,6 vs. 12,0 %).

Die Autoren errechneten für die Diabetiker unter Statinen signifikant niedrigere Risikoraten für die diabetische Retinopathie insgesamt (Hazard Ratio [HR]: 0,86; 95-%- Konfidenzintervall [95-%-KI] [0,81; 0,91]), für nicht-proliferative Retinopathie (HR: 0,92 [0,86; 0,99]), proliferative Retinopathie (HR: 0,64 [0,58; 0,70]), Glaskörperblutung (HR: 0,62 [0,54; 0,71]), Traktionsamotio (HR: 0,61; [0,47; 0,79]) und diabetisches Makulaödem (HR: 0,60 [0,46; 0,79]). Die Statintherapie hatte indes nicht nur aus ophthalmologischer Sicht einen präventiven Benefit. Im Vergleich zur Kontrollgruppe hatten die Typ-2-Diabetiker unter Statingabe ein deutlich geringeres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse (HR 0,81; [0,77; 0,85]), sich neu manifestierende diabetische Neuropathie (HR: 0,85 [0,82; 0,89]) und für das Auftreten eines diabetischen Fußes (HR: 0,73 [0,68; 0,78]).

Fazit: „Methodisch bemängeln muss man leider, dass eine retrospektive Match-Analyse auf Basis der ICD-9-Daten nie die Aussagekraft einer prospektiven randomisierten Studie mit Untersuchung der Netzhaut erreicht. Blutdruck und Stoffwechsel-Kontrolle kommt die größere Bedeutung zu“, erklärt Prof. Dr. med. Focke Ziemssen von der Universitätsaugenklinik Tübingen. „Die Daten erinnern daran, wie wichtig die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist. Wenn das im Sinne der NVL erfolgt, kann jeder Hausarzt und Diabetologe einen wichtigen Beitrag zur Verhinderung des vermeidbaren Sehverlusts leisten.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Kang EYC, Chen TH, Garg SJ, et al.: Association of statin therapy with prevention of vision-threatening diabetic retinopathy. JAMA Ophthalmol 2019; 137: 363–71.

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