ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2019Diabetesprävention: Vitamin-D-Einnahme ohne Mangelzustand bietet keinen Schutz

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Diabetesprävention: Vitamin-D-Einnahme ohne Mangelzustand bietet keinen Schutz

Dtsch Arztebl 2019; 116(25): A-1236 / B-1017 / C-1005

Eckert, Nadine

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Foto: gotvideo/stock.adobe.com
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Welche gesundheitlichen Effekte Vitamin D über die Skelettgesundheit hinaus aufweist, ist umstritten. Beobachtungsstudien lassen einen Zusammenhang zwischen einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel und dem Risiko für Typ-2-Diabetes vermuten. In der randomisierten, placebokontrollierten D2d-Studie wurde untersucht, ob die Einnahme von Vitamin D3 das Erkrankungsrisiko von Menschen mit hohem Diabetesrisiko senkt. Insgesamt 2 423 Probanden, die mindestens 2 von 3 diagnostischen Kriterien für Prädiabetes (Nüchternglukose 100–125 mg/dl, 2-Stunden-Glukose nach OGT 140–199 mg/dl, HbA1c 5,7–6,4 %) erfüllten, erhielten entweder 4 000 IU Vitamin D3 am Tag oder ein Placebo – und dies unabhängig von ihrem anfänglichen 25-Hydroxy-Vitamin-D-Spiegel.

Nach 24 Monaten hatten die Teilnehmer in der Interventionsgruppe einen Vitamin-D-Spiegel von 54,3 ng/ml (ausgehend von 27,7 ng/ml ). In der Placebogruppe lag er bei 28,8 ng/ml (ausgehend von 28,2 ng/ml). Nach einem Follow-up von median 2,5 Jahren hatten in der Vitamin-D-Gruppe 293 und in der Placebogruppe 323 Teilnehmer einen Typ-2-Diabetes entwickelt. Die Ereignisraten von 9,93 bzw. 10,66 pro 100 Personenjahren waren vergleichbar (Hazard Ratio: 0,88; 95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI]: 0,75; 1,04; p=0,12).

In einer Post-hoc-Analyse von 103 Teilnehmern mit einem Ausgangs-Vitamin-D-Spiegel unter 12 ng/ml betrug die Hazard Ratio in der mit Vitamin D supplementierten Gruppe 0,38 (0,18; 0,80). Bei Teilnehmern mit anfänglich höheren Vitamin-D-Spiegeln (2 319 Teilnehmer) lag sie dagegen bei 0,92 (0,78; 1,08), wenn sie Vitamin-D-Supplemente einnahmen.

Fazit: „Die Studie hat sich einer wichtigen Frage der Diabetesprävention angenommen“, schreibt Dr. Deborah J. Wexler vom Massachusetts General Hospital Diabetes Center in Boston in einem Editorial. Sollte sich ein Nutzen der Einnahme von Vitamin D bestätigen, sei aber davon auszugehen, dass dieser von bescheidener Natur sein und sich nicht in einer ausreichend mit Vitamin D versorgten Population zeigen werde. „Ob eine Supplementation bei Menschen mit Vitamin-D-Spiegeln unter 12 ng/ml einen Effekt auf die Betazellfunktion und die Progression zum Typ-2-Diabetes hat, bleibt ungeklärt.“ Nadine Eckert

  1. Pittas AG, Dawson-Hughes B, Sheehan P, et al.: Vitamin D Supplementation and Prevention of Type 2 Diabetes. N Engl J Med 2019; http://dx.doi.org/10.1056/NEJMoa1900906.
  2. Wexler DJ: D2d – No Defense against Diabetes. N Engl J Med. 2019. http://dx.doi.org/10.1056/NEJMe1906815.

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