ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2019Typ-1-Diabetes: Antikörper verzögert Erkrankungsausbruch um 2 Jahre

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Typ-1-Diabetes: Antikörper verzögert Erkrankungsausbruch um 2 Jahre

Dtsch Arztebl 2019; 116(25): A-1236 / B-1017 / C-1005

Eckert, Nadine

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Foto: thekopmylife/stock.adobe.com
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Bei neu mit Typ-1-Diabetes diagnostizierten Patienten kann der monoklonale Antikörper Teplizumab den Verlust der Betazellfunktion reduzieren. Er hindert die T-Lymphozyten an der Zerstörung insulinproduzierender Betazellen, indem er an durch Bindung an den CD3-Rezeptor bindet. Eine randomisierte, placebokontrollierte Phase-II-Studie zeigt, dass er auch bei nicht erkrankten Menschen mit hohem Diabetesrisiko die Progression zu einem manifesten Typ-1-Diabetes hinauszögern kann.

In der Studie wurden 76 minderjährige Verwandte von Patienten mit Typ-1-Diabetes untersucht, die ≥ 2 Autoantikörper und Evidenz einer Dysglykämie aufwiesen. Sie erhielten eine 14-tägige intravenöse Behandlung mit Teplizumab oder Placebo. In der Folge wurden sie alle 6 Monate auf die Entwicklung eines Typ-1-Diabetes hin überprüft. In der Teplizumab-Gruppe erkrankten 19 Teilnehmer (43 %) nach median 48,4 Monaten. In der Placebogruppe waren es 23 Teilnehmer (72 %) mit einer Diagnose nach median 24,4 Monaten (Hazard Ratio: 0,41 (95-%-Konfidenzintervall 0,22; 0,78; p=0,006). Die annualisierten Diagnoseraten betrugen in der Teplizumab-Gruppe 14,9 % und in der Placebogruppe 35,9 %. Die Nebenwirkungen fielen mit Ausschlägen und transienten Lymphopenien wie erwartet aus.

TIGIT+KLRG1+CD8+ T-Zellen waren in der Teplizumab-Gruppe häufiger als in der Placebogruppe. In Subgruppenanalysen war das Vorliegen von HLA-DR4 und die Abwesenheit von HLA-DR3 mit einem robusteren Ansprechen auf Teplizumab assoziiert, ebenso wie das Fehlen von Antikörpern gegen den Zinktransporter ZnT8.

Fazit: Die markante Verzögerung des Ausbruchs eines manifesten Diabetes sei „bemerkenswert“, schreiben Prof. Clifford J. Rosen und Prof. Julie R. Ingelfinger, Maine Medical Center Research Institute, Scarborough, in einem Editorial. Sie warnen aber davor, die Ergebnisse nicht dahingehend zu interpretieren, dass die Immunmodulation ein potenziell kurativer Ansatz sei. Als nächstes müssten präzisere Screeningkriterien entwickelt werden, um die Personen mit dem höchsten Risiko zu identifizieren. Außerdem gelte es herauszufinden, wie lange und wie oft die Behandlung erfolgen müsse, welche langfristigen Nebenwirkungen aufträten und wie sich der Krankheitsverlauf bei Patienten mit initialem Ansprechen darstelle. Nadine Eckert

  1. Herold KC, Bundy BN, Long SA, et al.: An Anti-CD3 Antibody, Teplizumab, in Relatives at Risk for Type 1 Diabetes. N Engl J Med 2019. http://dx.doi.org/10.1056/NEJMoa1902226.
  2. Rosen CJ, Ingelfinger JR:Traveling down the Long Road to Type 1 Diabetes Mellitus Prevention. N Engl J Med 2019. http://dx.doi.org/10.1056/NEJMe1907458.

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