ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2019GOÄ-Ratgeber: Zur Abrechnung der Nr. 706 GOÄ für eine Blutstillung

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GOÄ-Ratgeber: Zur Abrechnung der Nr. 706 GOÄ für eine Blutstillung

Dtsch Arztebl 2019; 116(25): A-1248 / B-1024 / C-1012

Gorlas, Stefan

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Von einem Patienten wird der Ansatz der Nr. 706 GOÄ im Rahmen einer medikamentösen Sklerosierung von Hämorrhoiden hinterfragt.

Mit dieser Gebührenposition wird eine „Licht- oder Laserkoagulation(en) zur Beseitigung von Stenosen oder zur Blutstillung bei endoskopischen Eingriffen, je Sitzung“ abgerechnet.

Laut Angaben des Arztes wurde diese Gebührenposition im vorliegenden Fall für eine Blutstillung mittels Laser im Anschluss an eine medikamentöse Sklerosierung von Hämorrhoiden II. Grades berechnet.

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Die Blutstillung im Rahmen einer operativen oder interventionellen Leistung ist im Regelfall gemäß § 4 Abs. 2 a GOÄ Bestandteil der jeweiligen Hauptleistung und insofern nicht gesondert berechnungsfähig.

Einen Ausnahmefall bildet die mit 46 Punkten bewertete Nr. 746 GOÄ („Elektrolyse oder Kauterisation, als selbstständige Leistung“), deren Berechnung jedoch ausdrücklich an die Erbringung der Kauterisation als selbstständige Leistung geknüpft ist.

Einen weiteren Ausnahmefall stellt die Nr. 706 GOÄ dar. Diese Gebührenposition kann allerdings gemäß den Vorgaben des Verordnungsgebers nur unter zwei Bedingungen in Ansatz gebracht werden:

Zum einen ist sie nur für eine Blutstillung mittels Licht- oder Laserkoagulation berechnungsfähig und nicht für eine solche durch ein strombasiertes Verfahren; zum anderen ist Voraussetzung der Berechnungsfähigkeit, dass die Licht- oder Laserkoagulation via Endoskop erfolgt.

Die beiden letztgenannten Abrechnungsvoraussetzungen spiegeln sich auch in der Bewertung der Nr. 706 GOÄ mit 600 Punkten wider, woraus beispielsweise bei einer Berechnung mit dem 2,3-fachen Steigerungssatz ein Betrag von 80,44 Euro resultiert.

Die Höhe dieser Bewertung ergibt sich einerseits aus den Kosten für das Lasergerät beziehungsweise das Lichtgerät (beispielsweise einer Hochdrucklampe) und andererseits durch die erheblich höhere Schwierigkeit und den erheblich höheren Zeitaufwand einer Blutstillung unter meist indirekter Sicht bei endoskopischem Vorgehen gegenüber einer Blutstillung unter direkter Sicht bei offenen Verfahren.

Bei einer Blutstillung unter Einsatz eines Wundspreizers oder Analspreizers sind demnach die gebührenrechtlichen Voraussetzungen für einen Ansatz der Nr. 706 GOÄ nicht erfüllt. Dr. med. Stefan Gorlas

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