ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2019Randnotiz: Shitstorm längst überfällig

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Randnotiz: Shitstorm längst überfällig

Dtsch Arztebl 2019; 116(25): A-1203 / B-995 / C-983

Gießelmann, Kathrin

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Es gab mehr als nur eine Steilvorlage für einen Shitstorm, der Anfang Juni über Julia Klöckner (CDU) aufgrund ihrer industriefreundlichen Lebensmittelstrategie hereinbrach. Spätestens als die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ihre Teilnahme am Begleitgremium der Landwirtschaftsministerin zur Nationalen Reduktionsstrategie für Zucker, Fett und Salz absagte, wäre zumindest in der Fachwelt die Zeit reif gewesen für einen Aufschrei. Der deutsche Sonderweg, eine Reduktion nur freiwillig und im Konsens mit der Industrie zu erreichen, müsse bereits jetzt als gescheitert angesehen werden, erklärte DDG-Präsident Prof. Dr. med. Dirk Müller-Wieland im Februar die Absage an Klöckner. Zuvor hatte unter anderem Foodwatch versucht, die Verflechtungen zwischen Politikern und Lebensmittelindustrie aufzudecken. Erst das Video, das Klöckner und den Deutschland-Chef von Nestlé in trauter Zweisamkeit zeigte, brachte das Fass zum Überlaufen. Nicht Nestlé, sondern das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) soll den PR-Coup initiiert haben, informierte Greenpeace. Zwei Tage nach dem Videodebakel sorgte sich die Ministerin schon um den nächsten potenziellen Shitstorm. Bei einer Veranstaltung zur grünen Gentechnik im BMEL äußerte sie die Befürchtung, dass allein die Frage nach dem landwirtschaftlichen Nutzen des Genom-Editings „Shitstorm geeignet“ sein könnte. Eine solche Reaktion der Gesellschaft sei „hochgefährlich“ und Stimmungsmache. Ein weiteres Medienfiasko könnte sicher verhindert werden, wenn wissenschaftlicher Sachverstand künftig im Vordergrund stehen würde.

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