ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2019Typ-2-Diabetes mit erhöhtem Risiko: SGLT2-Inhibitoren schützen vor dem Progress einer Niereninsuffizienz

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Typ-2-Diabetes mit erhöhtem Risiko: SGLT2-Inhibitoren schützen vor dem Progress einer Niereninsuffizienz

Dtsch Arztebl 2019; 116(25): A-1234 / B-1015 / C-1003

Eckert, Nadine

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Foto: Robert Kneschke/stock.adobe.com
Foto: Robert Kneschke/stock.adobe.com

SGLT2-Inhibitoren schützen moderat vor atherosklerotisch bedingten kardiovaskulären Ereignissen, offenbar aber nur Patienten, die schon eine kardiovaskuläre Erkrankung haben. Robuster und unabhängig von kardiovaskulären Vorerkrankungen ist der Nutzen der SGLT2-Inhibitoren aber, wenn der Bedarf zur stationären Therapie wegen Herzinsuffizienz und das Fortschreiten von Nierenerkrankungen als Endpunkte untersucht werden. Das ist das Ergebnis eines systematischen Reviews mit Metaanalyse von 3 randomisierten, placebokontrollierten Studien mit 34 322 Typ-2-Diabetikern. 60,2 % von ihnen hatten bereits eine kardiovaskuläre Erkrankung.

Im Follow-up traten 3 342 schwere kardiovaskuläre Ereignisse (Herzinfarkt, Schlaganfall, kardiovaskulärer Tod) und 766 renale Endpunktereignisse auf (eGFR-Abnahme, Nierenerkrankung im Endstadium und renal bedingter Tod). Die Behandlung mit SGLT2-Inhibitoren reduzierte schwere kardiovaskuläre Ereignisse um 11 % (Hazard Ratio [HR]: 0,89; 95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI][0,83; 0,96]; p = 0,0014). Einen Nutzen gab es allerdings nur bei Patienten mit bestehender atherosklerotischer Herzerkrankung (HR: 0,86 [0,80; 0,93]) und nicht bei Teilnehmern ohne Vorerkrankung (HR: 1,00 [0,87; 1,16]; p für Interaktion = 0,0501).

SGLT2-Inhibitoren reduzierten außerdem das Risiko für kardiovaskulären Tod oder Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz um 23 % (HR: 0,77 [0,71; 0,84]; p < 0,0001). In diesen Endpunkten war der Nutzen bei Patienten mit oder ohne kardiovaskuläre Vorerkrankung inklusive Herzinsuffizienz gleich. Auch das Risiko für einen Progress von Nierenerkrankungen sank unter SGLT2-Inhibitoren, und zwar um 45 % (HR: 0,55 [0,48; 0,64]; p < 0,0001). Und auch hier war der Benefit bei Patienten mit und ohne Vorerkrankung vergleichbar. Der Nutzen der SGLT2-Inhibitoren variierte in Abhängigkeit von der Ausgangsnierenfunktion: Bei schwerer Störung reduzierte sich die Rate der Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz stärker (p für Interaktion 0,0073), aber der protektive Effekt für die Nieren war geringer (p für Interaktion = 0,0258).

Fazit: „Aufgrund der Potenz der SGLT2-Inhibitoren, neben der Blutzuckerreduzierung auch andere Endpunkte zu senken, wird diese Substanzgruppe intensiv diskutiert“, erläutert Prof. Dr. med. Wilhelm Krone, Leiter der Poliklinik für Endokrinologie, Diabetologie und Präventivmedizin am Universitätsklinikum Köln. So werde kritisch hinterfragt, ob dieser Zusatznutzen nur bei Diabetikern mit etablierter kardiovaskulärer Erkrankung bestehe. „Mit dieser Metaanalyse sollte nun die wichtige Frage beantwortet werden, ob Diabetiker nicht nur mit, sondern auch ohne kardiovaskuläre Vorerkrankung, jedoch mit multiplen Risikofaktoren wie höheres Lebensalter, lange Diabetesdauer, erhöhter Blutdruck und Nikotinabusus gleichermaßen von SGLT2-Inhibitoren profitieren.“

Ein solcher Nutzen habe bei Hospitalisierungen aufgrund einer Herzinsuffizienz und in Bezug auf das Fortschreiten einer Nierenerkrankung belegt werden können. Eine Senkung kardiovaskulärer Ereignisse mit SGTL2-Inhibitoren sei dagegen nur dann nachweisbar gewesen, wenn die Diabetiker auch kardiovaskulär vorerkrankt waren.

Die klinischen Konsequenzen aus diesen Ergebnissen: „Diabetiker mit bekannter atherosklerotisch vaskulärer Erkrankung, mit Herzinsuffizienz oder Nierenerkrankung, aber auch Diabetiker mit multiplen Risikofaktoren, jedoch ohne kardiovaskuläre Vorerkrankung, sollten frühzeitig mit SGLT2-Inhibitoren behandelt werden“, empfiehlt Krone. „Ob auch Diabetiker mit weniger Risikofaktoren von einer SGLT2-Inhibition profitieren, muss durch zukünftige Studien an diesen Kollektiven geklärt werden.“ Nadine Eckert

Zelniker TA, Wiviott SD, Raz I, et al.: SGLT2 inhibitors for primary and secondary prevention of cardiovascular and renal outcomes in type 2 diabetes: a systematic review and meta-analysis of cardiovascular outcome trials. Lancet 2019; 393: 31–9.

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