ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2019Kritik an Qualität klinischer Entlassbriefe

ÄRZTESTELLEN: Kurz notiert

Kritik an Qualität klinischer Entlassbriefe

Dtsch Arztebl 2019; 116(25): [4]

Glöser, Sabine

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Foto: dpa
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Die Qualität klinischer Entlassbriefe ist stark verbesserungswürdig. Was fehlt, sind strukturelle und inhaltliche Standards. Vor allem vage Formulierungen sowie lange und komplizierte Sätze führen zu Verständnisproblemen. Zumindest ergab das eine Umfrage der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, an der 197 Hausärzte teilnahmen.

Demnach lesen Hausärzte durchschnittlich drei bis zehn Entlassbriefe pro Tag mit einer täglichen Lesedauer bis 60 Minuten. Nahezu alle gaben an, die Briefe in manchen Fällen nicht auf Anhieb zu verstehen. Oft seien sie unstrukturiert, missverständlich oder fehlerhaft, berichten die Linguisten und Projektverantwortlichen Dr. Sascha Bechmann und Julia Riedel vom Lehrstuhl für Germanistische Sprachwissenschaft. Ein großes Problem sind aus Sicht der Hausärzte missverständliche Formulierungen. So böten fachinterne Ausdrücke unerwünschten Spielraum für Interpretationen. Vor allem unbekannte Abkürzungen, mit denen sich 34 Prozent der Befragten häufig oder sehr häufig konfrontiert sehen, bereiten Kopfzerbrechen.

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Darüber hinaus gaben fast alle Befragten (99 Prozent) an, schon einmal einen fehlerhaften Arztbrief erhalten zu haben. In diesen Fällen passten die Informationen in den Briefen offenbar nicht zu den beigefügten Befunden. Vor allem relevante Textteile mit konkreten Handlungsempfehlungen sind den Hausärzten zufolge oft fehlerhaft. Größte Fehlerquellen sind den Ergebnissen nach die Entlassmedikation (77 Prozent), Therapieempfehlungen (74 Prozent) und die Epikrise (64 Prozent). Zudem monierten die Hausärzte, dass viele Arztbriefe einen schlechten Sprachstil hätten und durch Rechtschreib- oder Grammatikfehler auffielen. Auch Floskeln und Wiederholungen sowie logische Fehler und fehlende Informationen bemängelten sie häufig.

„Dass solche Dokumente keinen Spielraum für Interpretationen geben dürfen, liegt auf der Hand“, sagte Bechmann. „Dennoch zeigen die Ergebnisse, dass missverständliche und unvollständige Arztbriefe eher die Regel als die Ausnahme sind.“ sg

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