ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2019Typ-1-Diabetes: Inzidenz von Typ-1-Diabetes im Kindesalter nimmt weiter zu, auch in Deutschland

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Typ-1-Diabetes: Inzidenz von Typ-1-Diabetes im Kindesalter nimmt weiter zu, auch in Deutschland

Dtsch Arztebl 2019; 116(25): A-1234 / B-1015 / C-1003

Gerste, Ronald D.

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Foto: picture alliance
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Die Inzidenz des Typ-1-Diabetes im Kindesalter steigt seit Längerem in Europa an. Für den Zeitraum von 1989 bis 1993 wird eine jährliche Zunahme um 3,9 % berichtet. Weltweit wurde für die 1990er-Jahre ein Anstieg der Inzidenz um jährlich 2,8 % dokumentiert. Registeranalysen deuten darauf hin, dass die Zuwachsraten in westlichen Ländern nicht mehr so hoch sind wie in der Vergangenheit. So verzeichnen zum Beispiel die USA im Zeitraum 2002–2012 eine jährliche Zunahme von 1,8 % und die kanadische Provinz British Columbia für 2002–2013 eine jährliche Erhöhung um 1,3 % .

Eine solche Tendenz ergibt sich aus der jetzt vorgelegten Analyse der EURODIAB-Datenbank nur in wenigen Regionen mit besonders hoher Inzidenz. Die 26 Zentren in 22 europäischen Ländern erfassen für das Vierteljahrhundert von 1989–2013 insgesamt 84 000 Kinder mit einer Diabetes-Typ-1-Diagnose. Die Zentren repräsentieren entweder ganze Länder wie Österreich, die Schweiz und Irland oder einzelne Regionen: die drei deutschen Zentren sammeln die Daten für Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Sachsen.

Die gepoolte Analyse aller Länder ergibt eine jährliche Zuwachsrate von 3,4 % (95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [2,8; 3,9]), bedeutet also keine Verlangsamung.

Die höchste Steigerung der Inzidenz wies die Region um das polnische Kattowitz mit jährlich 6,6 % (6,0; 7,2) auf. Einen Rückgang der Inzidenz gab es in Ländern oder Regionen, die bekanntermaßen eine überdurchschnittlich hohe Häufigkeit des kindlichen Typ-1-Diabetes haben wie Norwegen mit 2,1 % (1,7; 2,4) per annum und Dänemark mit jährlich 1,6 % (0,8; 2,3).

Die geringste Steigerung der Inzidenz wies Katalonien mit jährlich 0,5 % auf (0,0; 0,9). Für die 3 in dem Register vertretenen deutschen Bundesländer lag der jährliche Anstieg bei 4,4 % (3,2; 5,5) in Sachsen, bei 4,1 % (3,8; 4,5) in Baden-Württemberg und bei 2,6 % (2,1; 3,0) in Nordrhein-Westfalen.

Ein in der Vergangenheit immer wieder beschriebener 4-Jahres-Zyklus der Inzidenz wurde nur in 4 der 26 Zentren beobachtet. Eine Erklärung, warum das Auftreten der Stoffwechselerkrankung bei Kindern einer Periodizität unterliegen könnte, gibt es bislang nicht.

Auch Einflüsse von Umweltfaktoren auf die Typ-1-Diabetes-Erkrankungsrate wie Klimaveränderungen oder Virusinfektionen sind nicht belegt.

Fazit: Der Anstieg der Zahl von Kindern, die mit Typ-1-Diabetes leben müssen mit möglichen Organmanifestationen wie Retino- und Neuropathie, ist offenbar ungebremst. „Diese europaweite Studie aus exzellent geführten Registern bedeutet, dass die Frühererkennung von Typ-1-Diabetes im Kindesalter weiterhin ein wichtiges Ziel bleiben muss,“ erläutert Prof. Dr. med. Michael Roden, Direktor des Deutschen Diabeteszentrums in Düsseldorf. „Wenngleich keine eindeutigen Ursachen für die Steigerung der Inzidenz gefunden wurden, so bleibt doch die höhere Typ-1-Diabetes-Inzidenz in den östlichen im Vergleich mit den südwestlichen europäischen Ländern bemerkenswert!“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Patterson CC, Harjutsalo V, Rosenbauer J, et al.: Trends and cyclical variation in the incidence of childhood type 1 diabetes in 26 European centres in the 25 year period 1989–2013: a multicentre prospective registration study. Diabetologia 2019; 2: 408–17.

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