ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2019Datensicherheit: Ärzte und Patienten stärken
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Bei der heftigen Diskussion um die Datensicherheit nach TI-Anbindung kommt ein

in der Zukunft liegender Aspekt bisher nicht zur Sprache: „Wie kann es für die Ärzte ausgehen?“

Sensibilisiert wurde ich dafür durch ein Buch von Jaron Lanier „Wem gehört die Zukunft?“, für das er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt und sich nach etwa 30 Jahren profunder Erfahrung mit den Langzeiteffekten von Netzwerken kritisch auseinandersetzt.

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Er ist Computer-Wissenschaftler und IT-Pionier der ersten Stunde im Silicon Valley und wird als einer der 300 bedeutendsten Erfinder der Geschichte eingestuft.

Schon auf Seite 35 (von 473 Seiten) heißt es: „Allgemeinärzte in den USA klagen über eine neue Form von Konkurrenz, weil sie nicht an den Netzwerken partizipieren, die zur Vermittlung von medizinischen Leistungen entstanden sind. Versicherungen und Pharmakonzerne, Klinikketten und verschiedene andere clevere Netzwerkpofiteure waren da klüger. Niemand, nicht einmal ein Herzchirurg, sollte so tun, als ob er völlig immun gegen diese Entwicklung wäre.“ Einige Zeilen weiter: „Wenn wir den derzeitigen Weg fortsetzen (Daten zu sammeln, ohne die Menschen, denen diese Daten eigentlich gehören, angemessen zu honorieren), werden die Vorteile (von Netzwerken) hauptsächlich den Hütern der Computer zukommen, die medizinische Daten kanalisieren und sammeln, indem sie Ärzte und Patienten ausspionieren. Auf Seite 101 fährt er fort: „Mit der Umwandlung der Krankenversicherer in digitale Netzwerke wurden Allgemeinärzte in den USA immer mehr an den Rand des Marktes gedrängt. Mittlerweile fungieren sie nur noch als Knoten in einem Netzwerksystem, das von statistischen Algorithmen beherrscht und von den Versicherern und in geringerem Maße auch von den Pharmakonzernen verwaltet wird.

Ärzte sollten durch vernetzte Informationen gestärkt werden, aber stattdessen werden sie in ihrer Handlungsfreiheit eingeschränkt, weil sie nicht die Kontrolle über die Server besitzen, mit denen sie zu Beginn des Netzwerkzeitalters verbunden wurden. Aber warum hätten sie sich da-rüber Gedanken machen sollen?“

Das System soll mit größtem staatlichen Druck aufgebaut werden, vorbei an den Belangen von Patienten und Ärzten. Es wird nicht transparent gemacht, wem der Server gehört und wer genau darauf Zugriff hat, auf dem sämtliche Daten zusammenlaufen sollen, nämlich die der Patienten und der Ärzte! ...

Alexandra Obermeier, Ärztin, 80804 München

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