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Danke für die Bestimmung der Zahl Opioidabhängiger – und weniger über das „Es werde nicht schlimmer“. Denn nicht die Zahl der Abhängigen ist bestimmt, sondern nur die Zahl derjenigen, die „Suchteinrichtungen“ aufsuchten (1). Damit erfolgt eine Unterschätzung der Zahl.

Denn es fehlt die Zahl derjenigen, bei denen die Sucht per Verordnung unterhalten wird. In einem Editorial in JAMA heißt es: „In 2017 missbrauchten in den USA geschätzte 11 bis 12 Millionen Menschen Opioide (inklusive Heroin); das entspricht 4,2 % der Gesamtbevölkerung. Vielen Ärzten ist nicht bewusst, dass 92 % derer, die Opioide missbrauchen, dazu verschreibungspflichtige Opioide verwenden, und dass 75 % der Heroinkonsumenten berichten, über den Konsum verschreibungspflichtiger Opioide zum Heroin gekommen zu sein.“ (2).

In den USA ist dies offiziell zum „Medizinischen Notstands“-Thema erklärt worden. Eine Fülle von Maßnahmen sind implementiert worden und es erscheinen pro Jahr jeweils ein Dutzend Artikeln selbst in international gelesenen Zeitschriften wie JAMA und NEJM.

In Deutschland haben sich auf Datenbasis nur Schubert et al. (3) und Marschall et al. (4) mit dem Thema beschäftigt. Fazit auf Basis von Krankenkassendaten: 4–5 % der Versicherten bekommen solche Substanzen mit „mindestens mehr als einmaliger Verordnung/Quartal“. Rund 80 % dieser Personen bekommen es wegen „Nicht-tumor-bedingten Schmerzen“ – ganz überwiegend als Dauerverordnung. Seit 2010 bis 2017 ist das verordnete Maß für die Tagesdosis (DDD-Dosis) um 21 % gestiegen.

Dass es sich auch bei uns – ausgenommen sind die wenigen Tumorpatienten – um Süchtige handelt, erlebt der niedergelassene Arzt: Denn erstens brauchen die Süchtigen, über die Zeit sich steigernd, hohe Dosen; und zweitens lassen sie sich praktisch nie von der Droge herunterbringen – auch nicht kleinschrittig über Monate hinweg.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0459a

emer. Prof. Dr. med. Heinz-Harald Abholz

Institut für Allgemeinmedizin (ifam),

Universitätsklinikum Düsseldorf und

Praxis Elsdorf

abholz@med.uni-duesseldorf.de

1.
Kraus L, Seitz NN, Schulte B, et al.: Estimation of the number of people with opioid addiction in Germany. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 137–43 VOLLTEXT
2.
Ashburn MA, Fleisher LA. Editorial: Increasing evidence for the limited role of opioids to treat chronic noncancer pain. JAMA 2018; 320: 2427–8 CrossRef MEDLINE
3.
Schubert I, Ihle P, Sabatowski R: Increase in opiate prescription in Germany between 2000 and 2010—a study based on insurance data. Dtsch Arztebl Int 2013; 110: 45–51 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.
Marschall U, L’hoest H: Opioidtherapie in der Versorgungsrealität. Ein Beitrag zur Diskussion um ein weitverbreitetes Arzneimittel. BARMER GEK Gesundheitswesen aktuell 2011: 242–69.
1.Kraus L, Seitz NN, Schulte B, et al.: Estimation of the number of people with opioid addiction in Germany. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 137–43 VOLLTEXT
2.Ashburn MA, Fleisher LA. Editorial: Increasing evidence for the limited role of opioids to treat chronic noncancer pain. JAMA 2018; 320: 2427–8 CrossRef MEDLINE
3.Schubert I, Ihle P, Sabatowski R: Increase in opiate prescription in Germany between 2000 and 2010—a study based on insurance data. Dtsch Arztebl Int 2013; 110: 45–51 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.Marschall U, L’hoest H: Opioidtherapie in der Versorgungsrealität. Ein Beitrag zur Diskussion um ein weitverbreitetes Arzneimittel. BARMER GEK Gesundheitswesen aktuell 2011: 242–69.

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