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Bei der Frage, ob es sich bei der aktuellen Schätzung von Personen mit einer Opioidabhängigkeit um eine Unterschätzung handelt, ist zu berücksichtigen, dass es sich hier um die Schätzung von Abhängigkeit im Zuge der „Einnahme illegaler opioidhaltiger Substanzen“ handelt (1). Dies schließt nicht aus, dass eine Gruppe von Personen existiert, die beispielsweise im Rahmen einer Schmerztherapie eine Abhängigkeit entwickelt hat. Unsere Schlussfolgerung, der Umfang der ersten Gruppe habe nicht zugenommen und die Lage habe sich nicht „verschlimmert“, muss daher im Kontext dieser Zielgruppe betrachtet werden.

Die Prävalenz der Gruppe von Personen, die im Zuge einer Verschreibung von Opioid-Analgetika eine Abhängigkeit entwickelt hat, lässt sich in der Bevölkerung auf etwa 1 % schätzen (2). Eine Schätzung unter Nicht-Tumorschmerz-Patienten auf Basis von Krankenkassendaten ermittelte einen Anteil von 0,56 % für Missbrauch/Abhängigkeit (3). Ob die Größe dieser Gruppe vor dem Hintergrund eines Anstiegs von Opioid-Analgetika-Verschreibungen zugenommen hat, ist nicht bekannt.

Veränderungen des Umfangs der ersten Gruppe sind unter zwei Umständen denkbar: die Anzahl der Personen mit einer Opioidabhängigkeit induziert durch den Konsum illegaler opioidhaltiger Stoffe nimmt zu, oder sie steigt aufgrund eines Wechsels von Personen mit einer iatrogen verursachten Opioidabhängigkeit in den illegalen Markt. Unsere Schätzung, der Vergleich mit früheren Daten sowie Trendanalysen opioidbedingter Drogentodesfälle (4) lassen eine solche Entwicklung nicht erkennen.

In den USA ist ein Großteil der Personen mit einer iatrogen verursachten Opioidabhängigkeit auf den Schwarzmarkt ausgewichen (5). Diese Entwicklung ist in Deutschland bis dato nicht zu beobachten. Dennoch sind vor dem Hintergrund der Zunahme der Behandlung mit opioidhaltigen Analgetika Indikation und Dauer kritisch zu hinterfragen.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0459b

Für die Autoren

Prof. Dr. phil. Ludwig Kraus

IFT Institut für Therapieforschung, München, kraus@ift.de

Interessenkonflikt

Die Autoren beider Beiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Kraus L, Seitz NN, Schulte B, et al.: Estimation of the number of people with opioid addiction in Germany. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 137–43 VOLLTEXT
2.
Aydin D: Konsumstörungen im Zusammenhang mit opioidhaltigen und nicht opioidhaltigen Schmerzmitteln – Prävalenz in der Bevölkerung und prädiktive Effekte. Bacheloarbeit. Fernuniversität in Hagen 2018.
3.
Marschall U, L’hoest H, Radbruch L, Häuser W: Long-term opioid therapy for chronic non-cancer pain in Germany. Eur J Pain 2016; 20: 767–76 CrossRef MEDLINE
4.
Kraus L, Pfeiffer-Gerschel T, Seitz N-N, Kurz A: Analyse drogeninduzierter Todesfälle. Berlin 2018.
5.
Pergolizzi JVJ, LeQuang JAT, R.Jr., Raffa RB, Group NR: Going beyond prescription pain relievers to understand the opioid epidemic: the role of illicit fentanyl, new psychoactive substances, and street heroin. Postgraduate Med 2018; 130: 1–8 CrossRef MEDLINE
1.Kraus L, Seitz NN, Schulte B, et al.: Estimation of the number of people with opioid addiction in Germany. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 137–43 VOLLTEXT
2.Aydin D: Konsumstörungen im Zusammenhang mit opioidhaltigen und nicht opioidhaltigen Schmerzmitteln – Prävalenz in der Bevölkerung und prädiktive Effekte. Bacheloarbeit. Fernuniversität in Hagen 2018.
3.Marschall U, L’hoest H, Radbruch L, Häuser W: Long-term opioid therapy for chronic non-cancer pain in Germany. Eur J Pain 2016; 20: 767–76 CrossRef MEDLINE
4.Kraus L, Pfeiffer-Gerschel T, Seitz N-N, Kurz A: Analyse drogeninduzierter Todesfälle. Berlin 2018.
5.Pergolizzi JVJ, LeQuang JAT, R.Jr., Raffa RB, Group NR: Going beyond prescription pain relievers to understand the opioid epidemic: the role of illicit fentanyl, new psychoactive substances, and street heroin. Postgraduate Med 2018; 130: 1–8 CrossRef MEDLINE

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