ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2019Andreas Schießl: Hilfe für die Helfer

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Andreas Schießl: Hilfe für die Helfer

Dtsch Arztebl 2019; 116(26): A-1289 / B-1059 / C-1047

Korzilius, Heike

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Andreas Schießl, Foto: Schön-Klinik
Andreas Schießl, Foto: Schön-Klinik

Ein Mensch hat sich vor die U-Bahn geworfen. Dr. med. Andreas Schießl, der sich zu dem Opfer vorarbeitet, ist schnell klar, dass er nicht mehr helfen kann. Er beschließt, sich um den Lokführer zu kümmern. Der Vorfall liegt Jahre zurück. Schießl bezeichnet ihn als Schlüsselerlebnis. Denn er hat damals erfahren, dass Lokführern, Polizisten oder Feuerwehrleuten nach einem traumatischen Ereignis regelmäßig ein strukturiertes kollegiales Gespräch angeboten wird. Für Ärzte gab es ein solches Angebot nicht. „Ich war zwar nicht traumatisiert, aber es wäre gut und sinnvoll gewesen, über das Erlebte zu reden“, sagt der heute 51-Jährige. Behandlungsfehler, erfolglose Reanimationen – traumatisierende Erfahrungen müssten aufgearbeitet werden, meint der Notarzt. „Wir haben es über Jahrzehnte verschlafen, hier professionelle Hilfsangebote zu schaffen.“ Er habe im Laufe der Zeit viele fähige Kollegen verloren, weil diese mit den zahlreichen belastenden Erlebnissen nicht mehr fertig geworden seien.

Schießl ergriff die Initiative und baute in der Schön-Klinik in München, in der er seit 2007 als Oberarzt am Fachzentrum Anästhesie und Intensivmedizin tätig ist, eine Hilfestruktur auf. Nach zögerlichem Beginn wird sie inzwischen sehr gut angenommen. Der eigens dafür gegründete Verein PSU-Akut (psu-akut.de) bildet die Ansprechpartner aus, die in der Klinik bereitstehen, wenn ein Kollege Hilfe braucht. Bedingung für erfolgreiche Hilfe sei, dass die Kollegen dem System vertrauten, sagt Schießl: „Niemand darf am Pranger stehen. Es geht darum, den Kollegen dabei zu helfen, gesund zu bleiben.“ Heike Korzilius

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