ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2019Erdnussallergie bei Kindern: Immuntherapien haben Desensibilisierungseffekte, aber der Gesamtnutzen ist unklar

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Erdnussallergie bei Kindern: Immuntherapien haben Desensibilisierungseffekte, aber der Gesamtnutzen ist unklar

Dtsch Arztebl 2019; 116(26): A-1281 / B-1055 / C-1043

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: Jiri Hera/stock.adobe.com
Foto: Jiri Hera/stock.adobe.com

Circa 0,5–1 % der Minderjährigen haben eine Erdnussallergie, auch in Deutschland. Prospektiv randomisierte Studien mit Beteiligung deutscher Zentren hatten ergeben, dass orale Immuntherapien die Allergenverträglichkeit verbessern können.

Nun sollte in einer Metaanalyse von 12 prospektiv randomisierten Studien der klinische Gesamtnutzen oraler Immuntherapien bewertet werden. Die Gesamtzahl der Probanden betrug 1 041, das durchschnittliche Alter 8,7 Jahre.

Die Studiengruppen erhielten Verum, Placebo oder sie sollten das Allergen vermeiden. Gängige Therapien der Desensibilisierung sind allmähliche Eskalationen der Allergendosis gefolgt von einer Erhaltung. Beobachtet wurde ≥ 1 Jahr.

Die Gesamtbewertung: Orale Immuntherapien bei Erdnussallergie können größere Allergenmengen verträglich machen. Allerdings nimmt auch das Risiko für anaphylaktische Reaktionen im Vergleich mit Placebo oder Allergenvermeidung durchschnittlich um den Faktor 3,12 zu (22,2 % mit Immuntherapie vs. 7,1 % ohne Immuntherapie). Der Bedarf an epinephrinhaltigen Medikamenten stieg von durchschnittlich 3,7 % in den Vergleichsgruppen auf 8,2 % mit Immuntherapie (Faktor: 2,21) und die Rate schwerer unerwünschter Ereignisse von 6,2 % ohne Immuntherapie auf 11,9 % mit Therapie (Faktor: 1,92). Die Lebensqualität unterschied sich zwischen Verum- und Vergleichsgruppen nicht signifikant.

Fazit: Orale Immuntherapien gegen Erdnussallergie können die gewünschten Desensibilisierungseffekte haben, haben aber im Vergleich zu Allergenvermeidung oder Placebo auch deutlich höhere Risiken, ohne die Lebensqualität zu verbessern. Ob die Nutzen-Risiko-Relation insgesamt günstig ist, sei derzeit unklar, so die Autoren. Dennoch sei die Erforschung dieser Strategien sinnvoll. Der Schwerpunkt sollte nun auf mehr Sicherheit der Allergenpräparationen liegen und bei der klinischen Prüfung auf prospektiv randomisierten Studien. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Chu DK, Wood RA, et al.: Oral immunotherapy for peanut allergy (PACE): a systematic review and meta-analysis of efficacy and safety. Lancet 2019. http://daebl.de/FH93.

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