ArchivDeutsches Ärzteblatt27/1996Pilzerkrankungen: Hanebüchene Aussagen

SPEKTRUM: Leserbriefe

Pilzerkrankungen: Hanebüchene Aussagen

Eis, D.; Geiss, K.; Kappe, R.

Zu der Besprechung des Buches Harold H. Markus, Hans Finck: "Candida, der entfesselte Hefepilz" durch Rita Weiß und Michael Weiß in Heft 16/1996:
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LNSLNS Das Büchlein wurde in den Rang eines "Standardwerkes" erhoben. Dieser Einschätzung möchten wir nachdrücklich widersprechen. Bereits das Titelbild, auf dem zahlreiche Pilzkulturen abgebildet sind, läßt die fachliche Qualifikation der Autoren erahnen: Pilze zwar, aber keine Hefepilze. Im Text werden sodann in bewährter Manier – und für den Laien kaum erkennbar – Unbelegtes, Halbwahres und gelegentlich auch korrekte Aussagen miteinander vermengt. Ein Konglomerat, das vermutlich selbst den Gesündesten "pilzkrank" macht und ihn in die Arme von allerlei "Candidaexperten" treibt. So werden beispielsweise in einer Checkliste 69 Risikofaktoren und teils unspezifische Symptome genannt und damit dem Leser vielfältige Möglichkeiten zur Selbstdiagnose eröffnet: "Wenn Sie in mehr als 20 Fällen ein JaKreuzchen machen, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, daß Sie unter einer Candida-Infektion leiden." Außerdem präsentieren die Autoren über 30 Krankheitsgruppen (mit zum Teil zahlreichen Unterformen), bei denen "Candida oder andere Pilze mit im Spiel" sein können. Die Erörterung reicht von Arteriosklerose über Gicht und Osteoporose bis hin zur Vitiligo. Hierbei schrecken Markus und Finck selbst vor groben Verfälschungen nicht zurück. Nur ein Beispiel: Einerseits wird zwar richtig vermerkt, "daß Pilzgifte die Entstehung von Tumoren auslösen können", aber andererseits verschwiegen, daß sich diese Aussagen auf Mykotoxine (zum Beispiel Aflatoxine) von Schimmelpilzen beziehen und nicht etwa auf bislang eher spekulative Candida-Toxine. Die Aussagen über Umweltgifte sind zum Teil so hanebüchen, daß eine angemessene Replik den hier gegebenen Rahmen vollends sprengen würde . . .
Dr. med. D. Eis, Prof. Dr. med. H. K. Geiss, Priv.-Doz. Dr. med. R. Kappe, Hygiene-Institut der Universität Heidelberg, Im Neuenheimer Feld 324, 69120 Heidelberg
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