ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2019Das Recht auf Hoffnung im Sterben: Was am Ende zählt

THEMEN DER ZEIT

Das Recht auf Hoffnung im Sterben: Was am Ende zählt

Dtsch Arztebl 2019; 116(26): A-1272 / B-1048 / C-1036

Bondio, Mariacarla Gadebusch

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In der Diskussion um die Sterbebegleitung hat prospektive Autonomie eine hochrangige Position, das für Sterbende ebenso wichtige Prinzip wahrheitsbasierter Hoffnung wird eher vernachlässigt.

Foto: Your Photo Today
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Zu den Merkmalen der postmodernen Arzt-Patienten-Beziehung gehört die transparente Übermittlung der mit einer Krankheit verbundenen Prognose. Auf dieser Basis können Patienten selbstbestimmt entscheiden und ihr Recht auf Autonomie im Angesicht einer möglicherweise lebenslimitierenden Krankheit wahrnehmen (5). Eine Reihe von Untersuchungen zum Verhalten von Patienten, Angehörigen, Ärzten und Pflegepersonal in verschiedenen Ländern und Kulturbereichen konnte aber zeigen, dass der Umgang mit dem Recht auf wahrhaftige Information über lebenslimitierende Prognosen sehr unterschiedlich in Anspruch genommen wird. Vorstellungen von Autonomie am Lebensende sowie vom Recht auf Wissen beziehungsweise Nichtwissen sind kulturell, religiös, generationsabhängig und geschlechtsspezifisch geprägt (18). Auch das Interesse an den Möglichkeiten, Selbstbestimmung im Sterben prospektiv auszuüben, kann stark variieren (10).

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Öffentliches Interesse nimmt zu

Die Zahl wissenschaftlicher Publikationen, die sich mit dem Themenkomplex ‚selbstbestimmtes Sterben‘ befassen, ist in Deutschland deutlich gestiegen. Auch die Empfehlungen der Bundes­ärzte­kammer zum assistierten Suizid aus dem Jahr 2011 (9) und das im Dezember 2015 in Kraft getretene Hospiz- und Palliativgesetz (§ 132 g SGB V: HPG) haben das Interesse von Öffentlichkeit und Wissenschaft an diesen Fragestellungen gesteigert (6). Dementsprechend gehören autonomes Sterben, ärztlich assistierter Suizid, mitunter Sterbefasten sowie auch Formen der Vorausverfügung zu den Themen, die nicht nur den Gegenstand bioethischer, theologischer, philosophischer oder rechtlicher Abhandlungen bilden, sondern auch in Medien, Literatur und Film einen besonderen Platz genießen (2, 14, 17). In der Diskussion um das medikalisierte Sterben, verbunden mit den Implikationen lebensverlängernder Maßnahmen in hochtechnisierten Krankenhäusern, erhält die prospektive Autonomie eine hochrangige Position. Das Thema Hoffnung am Lebensende hingegen hat in der deutschsprachigen Literatur eine eher randständige Position. Dies verblüfft, da in anderen westlichen Ländern das Thema Hoffnung bei terminalen Patienten und deren Angehörigen seit den 1990er-Jahren ununterbrochen diskutiert wird. Untersuchungen aus dem onkologischen, onkopsychologischen und palliativen Sektor zeigen, dass bei terminalen Patienten und ihren Angehörigen Hoffnung eine wertvolle Ressource ist. Auch wenn sie prima facie mit dem Bewusstsein des Schweregrades der Krankheit kaum vereinbar zu sein scheint, wird sie von Betroffenen als bedeutungsvoll empfunden (8, 13, 19, 20, 24, 26). Die sich stellenden Fragen sind existenzieller und normativer Natur. Zum einen geht es um die Definition von Hoffnung am Ende des Lebens, zum anderen um die ethischen Implikationen, die mit der Erhaltung von Hoffnung durch die beteiligten und dafür verantwortlichen Personen in der Sterbenssituation verbunden sind. Auf den Punkt gebracht: Wie kann Hoffnung bei schwindender Lebenserwartung oder im Angesicht des Sterbens aufrechterhalten werden? Was verstehen final kranke, sterbende Menschen unter Hoffnung? Wie lässt sich Hoffnung mit wahrhaftiger Information über Prognose bei einer nicht therapierbaren oder austherapierten Erkrankung vereinbaren? Kann es ein Recht auf Hoffnung im Sterben geben? Mit diesen Fragen befassten sich Untersuchungen zum Thema Lebensqualität im Sterben. Deren Ergebnisse können dabei helfen, die Debatte um den Aspekt der Hoffnung und damit um eine bisher vernachlässigte Dimension zu erweitern. 

Das Prinzip Hoffnung

In einer systematischen Metastudie konnte gezeigt werden, dass Hoffnung im Sterben nicht nur wünschenswert, sondern auch möglich ist (8). Clayton und Co-Autoren untersuchten die Rolle von Hoffnung bei terminalen, zumeist onkologischen Patienten und deren Angehörigen anhand von qualitativen, deskriptiven und interviewbasierten Studien, die in dem Zeitraum zwischen 1985 und 2006 erschienen sind. Diese Studien befassen sich mit Patienten, behandelnden Ärzten, Pflegenden und Angehörigen sowie deren Umgang mit Hoffnung. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Mehrheit der Patienten und der Angehörigen Ehrlichkeit des ärztlichen sowie pflegenden Personals im Gespräch über das Ende des Lebens wünschen, aber zugleich möchten, dass man vermeidet, zu viele Fakten und Details wiederzugeben. Wichtig erscheint, dass Ehrlichkeit und Optimismus miteinander kombiniert werden. Die Quintessenz der zusammengetragenen Ergebnisse zahlreicher Befragungen und offener Interviews lautet: Sowohl Patienten als auch Nahestehende empfinden eine Bündelung von Aufrichtigkeit, Sensibilität, Humor und Empathie als hoffnungsspendend. Sie bestätigen die auf langjähriger klinischer Erfahrung basierenden Überlegungen der Psychoonkologin Antonella Surbone (2325).

In der Patientenaufklärung insbesondere bei der Prognosemitteilung einer nicht therapierbaren Krankheit lassen sich Wahrhaftigkeit und Hoffnung miteinander bündeln, wenn das Gespräch kontextsensibel und individuell gestaltet wird. Hoffnung stellt für Patienten, deren Ziel nicht mehr das Gesundwerden sein kann, eine besondere Ressource dar, betont Surbone. Während der individuellen Krankengeschichte kann sich das Hoffnungskonzept zudem mehrfach ändern. Die Justierung der Hoffnung und ihre situative Anpassung sind komplexe Prozesse für alle Beteiligten. Für die Ärztin oder den Arzt besteht aber von Anfang an eine besondere Verantwortung gegenüber der Hoffnung, die ihnen eine besondere Kompetenz abverlangt: Man darf weder lügen noch Illusionen erzeugen, was eine feinfühlige Leistung in der Kommunikation erwarten lässt. Der Patient soll in die Lage versetzt werden, die Situation realistisch einzuschätzen, ohne daran zu verzweifeln. Auch wenn das Ziel der Therapie nicht mehr die Heilung ist – so Surbone – soll ein Raum für Hoffnung bestehen bleiben (24). In der Ungewissheit, die jede Prognose als Voraussage über die Zukunft kennzeichnet, lässt sich eben dieser Raum finden (22).

Hoffnung kann auch ohne Aussicht auf Heilung bestehen. Ihre Bedeutung ist höchst individuell, relativ und variabel. Für Schwerkranke mit beschränkter Lebenserwartung ist Hoffnung ein hochwertiges Reservoir in der Gestaltung der Zeit, die ihnen bleibt. Ärzte, Ärztinnen und Pflegende tragen diesbezüglich eine Verantwortung, denn mit ihren Worten und ihrem Verhalten können sie dazu beitragen, Hoffnung zu zerstören oder aufrechtzuerhalten (24).

Wahrhaftigkeit und Hoffnung

Ein achtsamer Umgang mit dem Hoffnungsbedarf von Patienten und Angehörigen ist vereinbar mit Transparenz und realistischer Kommunikation über prognostische Wahrscheinlichkeitsaussagen. Für Patienten zählen zu den Hoffnungsträgern Faktoren wie Schmerzkontrolle, Bewahrung der Würde, Kontakt mit Menschen, innere Ruhe, Humor und vor allem die Art, wie man mit ihnen über die Prognose spricht (7, 8, 12, 26). So kann festgehalten werden, dass Hoffnung eine wesentliche Komponente der Lebensqualität bei terminalen Patienten und ihren Angehörigen ist und nur durch einen achtsamen Umgang aller in die Sterbesituation Involvierter erhalten bleibt. Besteht für einen Menschen, der dies wünscht, ein Recht auf Hoffnung in jedem Stadium seiner Erkrankung bis hin zur Sterbephase, so erhält der Respekt vor der Hoffnung im medizinischen Kontext einen normativen Charakter. Respekt vor der Hoffnung bedarf der Achtung und des Schutzes.

Die grundlegende Bedeutung von Hoffnung in der Arzt-Patienten-Beziehung hat der Arzt-Philosoph Karl Jaspers (1883–1969) in seinem Werk über die Wahrheit, das 1947 während des Nürnberger Ärzteprozesses erschien, mit eindringlicher argumentativer Tiefe demonstriert. In der Passage, in der er die Tatsache betont, dass alles Wissen in der Medizin und insbesondere bei einer Prognose relativ ist, erläutert er, was der Arzt prüfen soll, bevor er mit dem Patienten „offen“ redet. Ist der Patient ein Mensch, der „sein Schicksal wissend zu finden und zu tragen vermag“, ein Mensch, der in jeder Situation Hoffnung haben kann, „so lange er lebt“, kann er die wahrhaftige Mitteilung verkraften und trotzdem „frei“ bleiben (15). Wie ein Schicksalsgefährte, der zugleich keine autoritäre Rolle übernimmt, darf der Arzt im Bewusstsein seines eingeschränkten Wissens „das Recht frei zu sprechen“ ausüben. Die Gewissheit, dass Gegenstand der ärztlichen Mitteilung keine „Wahrheit“, sondern nur wahrscheinlichkeitsbasierte Vermutungen sein kann, schafft den heilsamen Raum für Hoffnung.

  • Zitierweise dieses Beitrags:
    Dtsch Arztebl 2019; 116(26): A 1272–3

Anschrift der Verfasser:
Prof. Dr. phil. Dr. rer. med. habil. Mariacarla Gadebusch Bondio, Institute for Medical Humanities, Universitätsklinikum Bonn, Sigmund-Freud-Str. 25, 53127 Bonn

Literatur im Internet:
www.aerzteblatt.de/lit2619
oder über QR-Code.

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Mariacarla Gadebusch Bondio
1.Apatire L, et al.: Hope, truth, and preparing for death: perspectives of surrogate decision makers. Ann Intern Med 2008; 149 (12): 861–8 CrossRef MEDLINE
2.Arnold UC: Letzte Hilfe. Ein Plädoyer für das selbstbestimmte Sterben. Reinbek bei Hamburg: Rohwolt 2014.
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maranatha
am Sonntag, 30. Juni 2019, 19:18

Hoffnung im Sterben bezieht sich zuallererst auf die Ergebnisse der Nahtodforschung

Es ist schon erstaunlich, daß in einem Beitrag zum Thema "Hoffnung bei Sterbenden" kein Wort über die wichtigste und in allen Kulturen/Religionen gelehrte Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod verloren wird. Dies gilt um so mehr, weil die inzwischen umfangreichen Ergebnisse der Nahtodforschung auch wissenschaftlich auf die hoe Wahrscheinlichkeit eines Lebens nach dem Tod verweisen. Die Forschungsergebnisse finden sich u.a. auf meiner homepage nahtodforschung.com. Eine meiner vielen dort herunterladbaren Arbeiten sei im folgenden zitiert: Michael Schröter Kunhardt

Nah Todeserfahrung Grundlage neuer Sinnfindung


In:
Hermes A. Kick (Hg): Ethisches Handeln in den Grenzbereichen von Medizin und Psychologie. Mit Beiträgen von Axel W.Bauer, Uwe Bleyl, Dietrich von Engelhardt, Hermes Andreas Kick, Walter von Lucadou, Nossrat Peseschkian, Samuel Pfeiffer, Dietrich Ritschl, Heinz Scheurer, Wolfram Schmitt, Michael Schröter-Kunhardt, Alfred Simon, Reiner Wiehl.
LIT VERLAG, Münster, 2002



Einleitung

Eine ganze Reihe von Studien haben gezeigt, daß das Erleben von Sinnhaftigkeit als zentrales menschliches Bedürfnis eine der wichtigsten Grundlagen seelischer Gesundheit ist:

Wird in einem Bereich Sinn erlebt, zum Beispiel bei der Arbeit, dann steigt das Engagement, Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit verbessern sich. Das Erleben von Sinn führt auch dazu, daß Menschen mit Schicksalsschlägen, Streß und Krankheiten besser fertig werden. Umgekehrt kann man sagen: Wenn Sinn fehlt, dann kommt es zu Depressionen, innerer Kündigung, Aggressivität, Alkoholismus, Drogenkonsum oder sogar zum Suizid (1)

Nietzsche hatte somit Recht: „Wer ein „Warum" zum Leben hat, erträgt beinahe jedes „Wie". Menschen leiden aber auch unter Ungerechtigkeit (und damit ethischer Sinnlosigkeit). Mit dieser geht nämlich die Bedrohung des Glaubens an eine gerechte Welt einher.

Dieser Glaube an eine gerechte Welt ermöglicht es den Menschen, ihrer Umgebung so zu begegnen, als sei sie stabil und geordnet, und er stattet sie mit der Überzeugung aus, auch selbst gerecht behandelt zu werden. Neuere Forschung verweist darauf, daß der Glaube an eine gerechte Welt zu den zentralen Merkmalen einer sozial verantwortlichen Persönlichkeit zu gehören scheint ... Entwicklungspsychologisch ist der Sinn für Gerechtigkeit als ein hochdifferenziertes kognitives Beurteilungskriterium schon bei kleinen Kindern gut ausgeprägt. Insbesonders steigert der Glaube an eine gerechte Welt das Interesse, Ungerechtigkeiten auf ein handhabbares Maß zu reduzieren.

Wohl nicht zuletzt wegen der Tendenz, den eigenen Lebenslauf als im großen und ganzen gerecht zu rekonstruieren, sind Menschen mit einem ausgeprägten Glauben an eine gerechte Welt auch allgemein mit ihrem Leben zufriedener. Dieser Zusammenhang konnte zwischenzeitlich für Studierende, querschnittgelähmte Unfallopfer, Väter und Mütter von Risikokindern, Arbeitslose und Töchter, die ihre pflegebedürftigen Mütter versorgen, belegt werden. Sie alle waren um so zufriedener mit ihrem Leben, je mehr sie an eine gerechte Welt glaubten (2)

Der Sinn für Gerechtigkeit impliziert schließlich die große Bedeutung der Ethik; diese aber wird dem Menschen nicht philosophisch konstruktiv beliebig relevant, sondern zuallererst im Rahmen religiöser Systeme, die sein Bedürfnis nach Sinn und Gerechtigkeit tief ansprechen. Da die Religionen als einzige Erkenntnissysteme dem Leben und dem Leiden nicht vom Schreibtisch des Intellektuellen, sondern fundiert in langer gelebter Tradition Sinn zuschreiben, sind sie vor aller Philosophie und Politik die treibende Kraft der großen menschlichen Leistungen; letztere mögen negativ in Form von politisch oder religiös motivierten Kriegen oder auch in Form von psychischen Deformierungen oder positiv in Form ethisch menschlich und kulturell höchster Leistungen sein. Die anscheinend ebenfalls so bewegende Kraft der Politik zieht ihm Kraft letztlich auch nur aus ihrem religiös weltanschaulichen Charakter.

Nun machen Menschen in Todesnähe in der gesamten Menschheitsgeschichte und in allen Kulturen spontan genuin religiöse Erfahrungen, die sog. Nah Todeserfahrungen oder near death experiences (NDEs), die in allen Kulturen und zu allen Zeiten religionsgründend oder verstärkend wirk(t)en. Diese Erlebnisse entsprechen formal den Oneiroiden (z.B. in komatösen Zuständen), unterscheiden sich aber inhaltlich von diesen in folgenden Punkten: Transkulturell gleiche Grundelemente in individueller Ausgestaltung, überwiegend positive mystisch religiöse Bilder und Gefühle, fotographisch genaue, distanzierte Wahrnehmung des Körpers und der Umwelt von oben, Welt und Krankheitstranszendenz, offensichtliche Sinnhaftigkeit und deutliche (zumeist positive) Auswirkungen auf das weitere Leben (6; 11; 16; 20; 22; 42; 44; 45; 46; 47).

Nach einer repräsentativen Befragung von 2000 Deutschen haben knapp 5% aller Menschen in Deutschland solche NDEs erlebt (55); ihre Häufigkeit in Todesnähe beträgt je nach Studie zwischen 0,5 und 100 Prozent (4). Während die Oneiroide in der deutschen Neurologie/Psychiatrie inzwischen rezipiert worden sind (52), gibt es dagegen nur wenige deutsche Untersuchungen von Nah Todeserfahrungen (53; 54; 55). Aus diesem Grund sollen die Zwischenergebnisse einer ersten deutschen Fallsammlung aus 100 Nah Todeserfahrungen im folgenden vorgestellt werden.

Ergebnisse

Die zumeist deutschen NDEr waren zum Zeitpunkt des NDEs in 10% d.F. noch Kinder im Alter von 5 13 Jahren, 18% waren Jugendliche (14 20 Jahre alt), 69% erwachsen (21 61 Jahre) und 3% über 62 Jahre alt. 65% waren Frauen, knapp die Hälfte der Probanden war verheiratet. 41 % hatten die Grundschule, 16% die Realschule, 7% das Gymnasium und 12% die Universität besucht.

45% der NDEr waren evangelisch, 31% katholisch; nur 25% beschrieb sich jedoch als religiös; die Mehrzahl (29%) schätzte sich als wenig bzw. durchschnittlich religiös ein, 17% hielten sich für gar nicht religiös. Die Tatsache, daß die meisten (63%) NDEr kein Vorwissen bezüglich diese Erlebnisse hatte, bestätigt die Aussage vieler Untersuchungen, daß die relative Einheitlichkeit der NDEs nicht durch entsprechende Vorinformation der NDEr erklärbar ist (38; 49; 50; 58).

Die Untersuchung der Erkrankungen, die zum NDE führten dabei wurden die entsprechenden Angaben der NDEr benutzt, die zuweilen durch ärztliche Unterlagen ergänzt waren ergab folgende Auslöse Situationen in abnehmender Häufigkeit (s. Tab 1). Die meisten NDEs (90%) traten danach i.R. von lebensbedrohlichen Erkrankungen auf; in zwei Fällen waren die Betroffenen sogar schon für tot erklärt worden. Dabei dominierten NDEs im Rahmen von intraoperativen Zwischenfällen (19%) und bei von Verkehrsunfällen (14%) Situationen also, in denen die NDEr immer (durch Narkotika) oder aber zum Teil (traumatisch) äußerlich scheinbar bewußtlos gewesen sind. Dasselbe gilt zumindest für kurze Zeit für die nächsthäufigen Auslöser (Beinahe )Ertranken, Komata und mittelschwere bis schwere Schädel Hirntraumata, die zusammengenommen weitere 21 % der NDEs auslösten. Die Vielzahl der möglichen Auslöser bestätigt die Ergebnisse anderer Untersuchungen, daß das Auftreten von NDEs unabhängig von dem jeweiligen Auslöser (und damit der medizinischen Umstände) ist.

Tab.2: Auslöser der Nah Todeserfahrungen (NDE)

Intraoperative Zwischenfälle 19%
Verkehrsunfälle 14%
Ertrinken 8%
Komata (unterschiedlicher Genese) 7%
Schädel Hirn Traumata (mittelschwer bis schwer) 6%
Kardiale Notfälle (Infarkt, Rhythmusstörung) 6%
Pulmonale Notfälle (Embolie, Pneumonie, Ersticken) 6%
Blutverluste 4%
Suizidversuch (Medikamente, Heroin, Kopfschuß) 3%
Gastrointestinale Notfälle (Peritonitis, Perforation) 3%
Verbrennungen 2%
Hohes Fieber 2%
Hochgradiges Guillain Barré Syndrom 1%
Hirnmassenblutung (links temporal) 1%
Schwere Erkrankung unklarer Genese 1%
Medikamentennebenwirkung 1%
Komplizierte Totgeburt 1%
Anaphylaktischer Schock 1%
Bauchschuß 1%
Verhungern 1%
Stromschlag 1%
Tetanus 1%


Bezüglich der Auslöser wurde wegen z.T. fehlender Angaben der NDEr keine 100% erreicht.

Affektiv dominieren sehr angenehme Gefühle von Ruhe, Friede, Wohlbefinden. Freude oder Glück; drei Viertel der Betroffenen berichten über eine gesteigerte Lebendigkeit der Wahrnehmung, die alle NDE typischen Elemente betreffen kann. Weitere wichtige formale Kennzeichen sind eine Beschleunigung mentaler Prozesse wie der Zeitwahrnehmung und der Gedanken bis hin zum schnellen Ablauf von Bildern aus dem eigenen Leben. Alle typischen transkulturell ähnlichen NDE Elemente traten in der von ihnen bekannten Häufigkeit auf:

Tab.2: Häufigkeit verschiedener NDE Elemente (Mehrfachnennungen), n =100

Gefühl von Ruhe, Friede oder Wohlbefinden 89%
Gefühl von Freude oder Glück 80%
Lichtwahrnehmung 77%
Gesteigerte Lebendigkeit der Wahrnehmung 75%
Eintritt in eine überirdische, jenseitige Welt 63%
Außerkörperliche Erfahrung (OBE) 61%
Beschleunigter Zeitablauf/Zeitlosigkeit 59%
Wahrnehmung der Realität 48%
Beschleunigung der Gedanken 47%
Tunnelphänomen 47%
Einheitserleben 38%
Allverstehen/Allwissenheit 33%
Begegnung mit mystischen Wesen 32%
Ablauf von Ereignissen der eigenen Vergangenheit 30%
Erreichen einer Grenzzone 29%
Begegnung mit Verstorbenen/religiösen Figuren 27%
Wahrnehmung von Musik 24%
Präkognition 3%

NDE untypische, traumhaft oneiroidale Komponenten 27%

Oneiroidale, also idiosynkratische individuelle Bilder beinhaltende Traumsequenzen fanden sich bei diesen Erlebnissen nur in 27% d.F. auf, was den Status der NDEs als Sonderform der Oneiroide bestätigt.

Fallbeispiele

Zur besseren Verständlichkeit der NDE Auslöser und der NDE Phänomenologie sollen im folgenden drei vollständige Nah Todeserfahrungen in den Worten der NDEr selbst wiedergegeben werden:

Fall 1 NDE eines polnischen katholischen Mädchens im Alter von 7 Jahren (im Jahr 1984), die in Polen beim Schwimmen beinahe ertrank und kein Vorwissen über NDEs hatte:

Meine Eltern und ich waren in Polen schwimmen. Ich verlor plötzlich den Grund unter den Füßen. Plötzlich stehe ich auf der Wiese und sehe, wie mein Vater zu meinem Körper schwimmt. Ich sah, wie mein Vater meinen Körper herausholt. Ich hatte ein wunderbares Gefühl und werde es nie vergessen. Es war etwas Ruhiges. Als wäre ich neu geboren. Ich hatte keine Probleme mehr. Ich sah, wie mein Vater mich raus zog. Jemand hat zu mir gesagt: Du mußt wieder zurück. Ich sah, wie mein Vater vor meinem Körper kniete und wie meine Mutter weinte. Ich weiß nicht, wie ich in meinen Körper zurückgekommen bin

Fall 2 NDE eines ostdeutschen Mannes LA. von 19 Jahren (im Jahr 1973) bei einer Bauchschußverletzung an der DDR Grenze (mit Perforation des Magens, Duodenums, Colons, multiplen Leberrupturen, kotiger Peritonitis etc.):

Als ich getroffen war, habe ich keinerlei Schmerzen verspürt. Ich sah nur noch Bilder (wichtige Stationen meines Lebens) an mir in schneller Folge vorüberziehen, bis zurück zu meiner Kindheit. Dann habe ich die ganze Situation von oben gesehen und bin über das Gelände geschwebt. Ich habe 4 Soldaten gesehen, die sich an mir zu schaffen machten. Sie haben mich getreten und weggetragen. Dann sah ich nur mich und alles andere war weg. Es erschien ein grelles Licht und ich schwebte langsam darauf zu ... während der ganzen Zeit verspürte ich keinerlei Schmerzen, im Gegenteil, ich dachte, das geht dich nichts mehr an

Fall 3 NDE eines evangelischen technischen Angestellten LA. von 44 Jahren (im Jahr 1983) im Rahmen einer Reanimation zehn Tage nach einem Herzinfarkt, der schon für tot gehalten wurde:

... Mein Zustand verschlechterte sich derart, das man mich auf gegeben hatte und ich durch den anwesenden Chefarzt für tot erklärt wurde... Anschließend sollte sie mich in die Leichenhalle fahren ...

Da man mich mit einem Tuch abgedeckt hatte, stellte die Schülerin fest, das sich dieses im Bereich meiner Nase bewege. Hierauf erfolgte eine erneute Reanimation, und während dieser Phase hatte ich das, was man als NDE bezeichnet... Ich befand mich wie auf einer Ebene, die wie eine Bühne aussah und in der hinteren rechten Ecke eröffnete sich ein Tunnel oder eine Röhre aus welcher ein Licht in einer Dimension erstrahlte, wie man es nicht oder schlecht beschreiben kann.

Dabei bewegte ich mich tiefer in diesen Tunnel, wobei ich nicht sagen kann, ob ich gegangen bin oder der Tunnel auf mich zukam. Am Ende des Tunnels kam ich wie auf eine Wiese, wobei ich ein Farbenspiel sah oder erlebte, wie man nicht beschreiben kann. Pastell Töne von einer Zartheit das man sich daran nicht hätte sattsehen können.

Wie aus einem Bodennebel erschienen mir drei Personen, von denen ich die beiden vorderen als meine Großeltern erkannte. Meine Großmutter hob beide Arme in Brusthöhe und streckte mir die Handflächen entgegen, wie in einer Abwehrbewegung, komm bitte nicht näher. Von diesem Moment begann sich das Bild von mir weg zu bewegen, ich sah wieder den Tunnel mit dem hellen Licht und dann verschwand alles.

NDE Auswirkungen: Nah Todeserfahrungen als Grundlage neuer Sinnfindung

Bezüglich der NDE Auswirkungen sind (bei 66% der Untersuchten) eine deutliche Abnahme der Angst vor dem Tod (als Ende) bei gleichzeitig deutlicher Zunahme des Glaubens an ein Leben nach dem Tod (bei 73% der NDEr) am auffälligsten. Diese Zunahme einer primär religiösen Überzeugung geht gleichzeitig mit einer Zunahme im weitesten Sinne religiöser Werte einher; zu letzteren zählen eine Zunahme des Wunsches, anderen zu helfen (in 61% d.F.), eine Zunahme spiritueller Interessen (in 47% d.F.) und religiöser Gefühle (in 67% d.F.), eine Zunahme der Wertschätzung des Lebens (in 51 % d.F.) und der Sinnhaftigkeit des Lebens (in 68% d.F.) sowie eine Zunahme des Glaubens an eine höhere Macht (in 67% d.F.). Diese Ergebnisse bestätigen die vieler anderer Untersuchungen (49).

So zählt die Zunahme des Glaubens an ein Leben nach dem Tod zu den durchgängigsten und stärksten Veränderungen nach den NDEs überhaupt (27; 49; 51; 55; 57; 58) und scheint mit der Tiefe des NDEs zu korrelieren (3). Sie zeigt sich besonders deutlich im Vergleich mit Menschen, die auch dem Tod nahe waren, jedoch kein NDE erlebt hatten (50): Alleinige Todesnähe ohne NDE führt dabei nicht zur Zunahme des Glaubens an ein Leben nach dem Tod (9).

Der Kardiologe Sabom fand zum Beispiel beim Vergleich von 61 NDErn mit 45 Non NDErn beide Gruppen hatten eine vergleichbare lebensbedrohende, nicht operationsbedingte Krise hinter sich , daß es bei 47 NDErn, aber bei keinem Non NDEr zu einer Zunahme des Glaubens an ein Leben nach dem Tod kam. Parallel kam es bei 50 NDErn zu einer Abnahme, bei keinem zu einer Zunahme der Todesfurcht, während 5 Non NDEr eine Zunahme, 39 keine Veränderung und nur einer eine Abnahme der Todesfurcht beschrieben. Giese Unterschiede waren größtenteils statistisch signifikant (51).

Aufgrund dieser Datenlage und aus religionsgeschichtlicher sowie religionspsychologischer Sicht ist somit davon auszugehen, daß der Jenseitsglaube aller Völker dieser Erde auf Nah Todeserfahrungen beruht; dies würde zumindest die Ähnlichkeit des Jenseitsglaubens aller Völker erklären (9)! Tatsächlich beruhen gar einige (große) Religionen direkt und vollständig auf Nah Todes und ähnlichen religiösen Erfahrungen, so wie praktisch alte Religionen ihren Ursprung in religiösen Erfahrungen im weitesten Sinne haben; ein wichtiges Beispiel dafür ist der chinesische Pure Land Buddhismus, eine der größten buddhistischen Richtungen überhaupt (4).

Der Glaube an ein Leben nach dem Tod wirkt nun nachgewiesenermaßen auch suizidpräventiv. Dementsprechend wundert es nicht, daß NDEs ebenfalls zumeist suizidverhütend wirken, da sie diesen Glauben so deutlich verstärken (27; 50;58). Das gilt selbst für die, die in verzweifeltem Zustand einen Suizidversuch gemacht hatten und dabei ein positives NDE erlebten, das sie zu einem erneuten Suizidversuch zur Wiederholung dieser Erfahrung anregen könnte (9). Sogar das bloße Lesen von NDEs hat in einer Untersuchung an suizidalen Menschen einen Suizid weniger attraktiv und das Leben sinnvoller erscheinen lassen (56).

Dabei sind es u.a. das Gefühl, mit einem Ganzen zu verschmelzen, eine "Dekathexis“ der Probleme, der Glaube, daß das Leben wertvoll und bedeutungsvoll sei, ein ausgeprägteres Realitätsgefühl, erhöhte Selbstachtung (weil der Tod nicht das Ende ist oder weil man es wert war, gerettet zu werden) (58,366), die einen erneuten Selbstmordversuch verhindern. Grund für die suizidpräventive Wirkung der NDEs ist aber auch die zuweilen ganz offensichtliche Warnung innerhalb der NDEs selbst, daß ein Selbstmordversuch immer falsch sei (27).

Für einen Zusammenhang zwischen den suizidpräventiven und den anderen Auswirkungen der NDEs spricht dabei die Tatsache, daß die im NDE - z.B. in der Lebensrevision immer wieder einmal gemachte Erfahrung, daß alles im Leben auch das größte, scheinbar ungerechte Leid einen Sinn hat, sowohl für die suizidpräventive Wirkung wie auch für die Zunahme der Religiösität bzw. der ethischen Orientierung eine Rolle spielt (9; 50; 58). Damit bestätigen sich die schon in der Einleitung beschriebenen Zusammenhänge.

Für diese Bedeutung der Lebensrevision im NDE gibt es nicht nur anekdotische Hinweise; bestätigt werden diese Angaben z.B. durch die bisher vorliegenden Untersuchungen zur therapeutischen Wirkung von Lebens Reminiszenzen bzw. einer Lebens Revue. Letztere sollen bei älteren Menschen zu gesteigerter Lebenszufriedenheit mit einer Reduktion von Depressivität und einer Verbesserung von sozialer Integration und Gesundheit führen. Insbesondere soll ein Lebensrückblick bei Älteren mit Ego Integrität, sozialer Aktivität, einem verbesserten Selbstkonzept, weniger Angstzuständen, verbesserten kognitiven Funktionen bei Frauen, einer Lösung an stehender Lebensaufgaben und mit einer geringeren Verdrängung des Todes korrelieren (48).

Weiterhin sind sich die meisten NDEr gegen alle (wissenschaftlichen) Zweifel sicher, daß es Gott gibt (21; 27; 37), egal ob sie vorher an ihn geglaubt haben oder nicht (5; 49). In einer neuere Untersuchung von 51 NDErn nahm der Anteil derjenigen NDEr, die mit absoluter Sicherheit an Gott glaubten, z.B. von 24 auf 82 Prozent zu (6). Überhaupt kommt es zu einer deutlichen Zunahme der Religiosität im weitesten Sinne (49).

In Einzelfällen wird von einer größeren Mitleidsfähigkeit, größerer Dankbarkeit (18), mehr (bedingungsloser) Liebe (anderer, ja aller Menschen), mehr Geduld mit anderen (27; 49), von mehr innerem Frieden (7), mehr Verantwortlichkeit, einer größeren Bereitschaft zum Dienen (27), aber auch von einer z.T. statistisch signifikanten Zunahme der Gebets und Meditationspraxis berichtet; letztere wird auch tiefer, intensiver und wichtiger für den NDEr. Auch das größere Interesse an sozialer Gerechtigkeit kann als im weitesten Sinne religiöse Veränderung gesehen werden.

In diesem Zusammenhang ist auch als z.T. signifikante NDE Folge die Abkehr von einer materialistischen zugunsten einer dem Nächsten dienenden Lebensweise zu erwähnen, die oft wohl auf einem größer werdendem Mitgefühl und mehr Liebe zum Nächsten beruht (5; 6; 27; 49; 50; 51). Tatsächlich kann es nach einem NDE auch zur Berufsaufgabe kommen, wenn dieser zu materialistisch orientiert war (49).

NDEs könnten somit aufgrund ihrer religionsfördernden Effekte die Erkenntnisse vieler Studien zur Auswirkung eines (gesunden) religiösen Glaubens bestätigen:

Wer an einen gütigen Gott oder eine andere positive transzendente Kraft oder auch "nur" an einen tieferen Sinn im Leben glaubt,
bewältigt Lebenskrisen, Stress und psychosoziale Konflikte leichter: Glauben begünstigt effektive "Coping" Strategien
ist deshalb weniger anfällig für stressbedingte und psychosomatische Krankheiten: Glauben wirkt präventiv,
bringt, falls er dennoch einmal erkrankt, mehr Vertrauen auf den Heilungsprozeß auf und fördert ihn so: Glauben begünstigt die Genesung
konsumiert weniger Alkohol, Zigaretten und andere Drogen als Nicht Gläubige und ist entsprechend weniger durch Sucht oder andere negative Folgen dieses Konsums gefährdet: Glauben beeinflußt den Lebensstil im Sinne von gesünderen Gewohnheiten
kann das Sterben leichter akzeptieren und erlebt die letzte Lebensphase weniger angstvoll und verzweifelt (8; s.a.10; 11).


All dies gilt besonders für alte Menschen, die durch ihre Religiosität vor Sinn und Wertverlust geschützt sind und eine deutlich höhere (soziale) Lebensqualität aufweisen: Je religiöser ältere Menschen ... desto intensiver nehmen sie am Gemeinschaftsleben teil, pflegen ihre zwischenmenschlichen Beziehungen in Ehe, Freundschaft, Nachbarschaft oder Gemeinde und kümmern sich um hilfsbedürftige Mitbürger oder Heimbewohner ... Der Glaube hilft den Alten... , den Gedanken an den Tod zu bewältigen oder mit Verlusten und Kummer im Dasein besser umgehen zu können. Der Glaube schafft gerade im Alter eine so umfassende existentielle Integration, daß er für viele Senioren eine Art leibseelischer Jungbrunnen zu sein scheint: So fanden die Gerontologen, daß religiöse Alte im Vergleich mit ungläubigen Altersgenossen hoffnungsvoller und optimistischer eingestellt sind, einen größeren Selbstwert besitzen, das Leben besser kontrollieren, sich nicht so einsam oder unglücklich fühlen, sehr viel weniger unter depressiven Erkrankungen leiden und Stress besser bewältigen. Kurz: Wer im Alter an Gott und die göttliche Liebe im Menschen glauben kann, lebt insgesamt sehr viel gesünder und glücklicher.

Die Daten sind so deutlich Religiosität hat auch einen stärkeren Einfluß als Einkommen, Bildung oder die Anzahl der Lebensjahre , daß Psychologen und Soziologen Religiosität nicht mehr länger als Realitätsflucht interpretieren oder in unmittelbare Nähe zu neurotischen Verhaltensdispositionen rücken können (11).

Dementsprechend scheint regelmäßiger Gottesdienstbesuch mit größerer Lebenszufriedenheit einherzugehen (10). Andererseits neigen Menschen, die in der Furcht leben, für ihre Sünden von einem strengen Gott bestraft zu werden und die diese Strenge auch in ihrer Glaubensgemeinschaft als "emotionales Klima" erleben, ... sogar stärker zu Depressionen, Ängsten und psychosomatischen Störungen als NichtReligiöse. Umgekehrt fördert der Glaube an einen wohlwollenden, freundlichen Gott, der menschliche Schwächen nachsichtig beurteilt, in Verbindung mit emotionaler Geborgenheit in einer (Glaubens ) gemeinschaft das psychische und körperliche Wohlbefinden deutlich ... Nur wer "Ioslassen" und sein Schicksal vertrauensvoll in die Hand Gottes (oder einer anderen höheren Macht) legen kann, profitiert von der gesundheitsfördernden Kraft des Glaubens. Typisch für diese Haltung sind Gebete des Typs "Dein Wille geschehe". Dagegen zeitigt ein "berechnender", extrinsisch motivierter und auf Wirkung kalkulierter Glaube keine positiven Gesundheits Effekte (8; s.a. 10; 11).

Weit über 200 Studien haben dann auch gezeigt, daß intrinsische, also überzeugungsgeleitete Religiosität bessere Psychohygiene Werte erzielt als eine extrinsische, mitläuferische und nutzenorientierte Religiosität (10). Der Klinische Psychologe David Larson kam dementsprechend in einer Auswertung aller zwischen 1978 und 1989 erschienenen Studien der zwei wichtigsten amerikanischen psychiatrischen Fachzeitschriften zum Zusammenhangs zwischen Glauben und psychischer Gesundheit zu folgendem Ergebnis: Religiosität wirkt sich in 84 Prozent der Fälle positiv aus, in 13 Prozent neutral, und nur bei 3 Prozent erwies sich Gläubigkeit als gesundheits abträglich (8).

All diese Ergebnisse erklären auch die Tatsache, daß die Auswirkungen der NDEs sehr den im weitesten Sinne religiösen Konzepten mancher Suchtgruppen (z.B. dem Zwölf Punkte Programm der Anonymen Alkoholiker) ähneln (14). Die bekannte NDE Forscherin Barbara Harns betrachtet das 12 Punkte Programm gar als beste Ausdrucksform für die Konsequenzen der NDEs, womit sie besonders auch die negativen NDEs miteinbezieht (14). Insofern wäre in dem Zwölf Punkte Programm der Suchtgruppen eine erste konkrete und wegweisende Umsetzung der Mechanismen der NDE Effekte in psychotherapeutische Strategien zu sehen.

Dieser Zusammenhang deutet an, daß auch die Suchtkranken eigentlich auf der Suche nach mystisch religiösen Erfahrungen und damit nach der Auffüllung wichtiger emotionaler Defizite sind. Suchtkrankheiten lassen sich somit auch als über das jeweilige Suchtmittel zumindest in Ansätzen realisierte Bewußtseinserweiterung verstehen, deren Erfüllung bzw. Vervollständigung durch die spontane oder therapeutisch induzierte mystische Erfahrung alle Defizite auffüllen und so die Sucht in ihrem Kern heilen kann, wie das z.B. von spontanen (NDEs) oder künstlich induzierten religiösen Erfahrungen berichtet wird (43).

So nehmen nach Ansicht des Göttinger Pharmakologen Prof.Dr.Poser wie des Religionswissenschaftlers W. James viele Menschen nur Drogen, weil sie den Zugang zur Religion nicht gefunden haben; zumindest würden einige Drogen zu begrenzten mystischen und damit den religiösen Erfahrungen führen, nach denen jeder Mensch sich sehnt. Die Kur der dipsiomania ist religiomania, sagte William James) (36), was in der Behandlung Suchtkranker immer wieder gesehen wird.

Tatsächlich sind Hoffnung (auf Besserung bzw. Heilung), Glaube (an die diesbezüglichen eigenen Möglichkeiten und die des Therapeuten) und schließlich die Erfahrung der Liebe bzw. der eigenen Liebesfähigkeit die wichtigsten Elemente jeder Psychotherapie (36; 43). Gleichzeitig sind Glauben, Hoffnung und Liebe aber auch die wichigsten religiöse Werte von Hochreligionen wie dem Christentum, deren Erleben im positiven NDE viele entsprechende (emotionale) Defizite bei psychisch Kranken füllt, was besonders zur Heilung von Suchtkrankheiten führen kann (8; 10; 36; 43).

Diese Erkenntnisse korrelieren mit denen von über 200 Studien, die eindeutig gezeigt haben: Je mehr die Befragten Religion für wichtig halten und je regelmäßiger sie den Gottesdienst besuchen, desto weniger wahrscheinlich sind sie von Alkohol, Drogen oder Medikamenten abhängig (10).


Nun klingt dieser Überblick über mögliche NDE Auswirkungen geradezu sensationell. Doch muß vor einer Überschätzung der NDE Auswirkungen gewarnt werden, da nur wenig qualitativ ausreichende Untersuchungen zu diesen Wirkungen gibt und diese zumeist nur auf retrospektiven Selbsteinschätzungen beruhen. Will man die ethische Entwicklung von Menschen sicher beurteilen, so muß man z.B. die Kohlberg und Fowler Skalen verwenden, die bisher nur einmal auf NDEr angewandt wurden.

Kohlberg unterscheidet 7 Stadien und 4 verschiedene Entwicklungsgrade moralischer Reife, wobei sich die meisten Erwachsenen im dritten und vierten Stadium befinden sollen. Stadium 3 ist dabei durch eine verwandtschafts und gemeinschaftsbezogene Wertorientierung geprägt, die dem Reziprozitäts Gesetz gehorcht. Im Stadium 4 stehen die zugrunde liegenden Gesetze und damit ein über das Gewissen geregelter größerer Bezug auf das System im Vordergrund. Im Stadium 5 verlagert sich die moralische Autorität mehr in das Innere des Betreffenden und ist weniger von äußeren, konventionellen Werten bestimmt. Gleichzeitig ist diese moralische Position weniger ich zentriert, umfaßt noch weitere Bereiche.

Stadium 6 wird nach Kohlberg nur von sehr wenig Menschen erreicht; es beinhaltet ein universelles, klares moralisches Prinzip der Gerechtigkeit und des Respekts für andere, das eine religiöse Orientierung beinhaltet und vom Betroffenen diszipliniert eingehalten, ja für ihn über allen Werten steht. Nach Kohlberg haben nur Menschen wie Jesus, Mohammed oder Martin Luther King dieses Niveau erreicht. Stadium 7 schließlich ist ein moralischer Entwicklungsgrad, bei dem der Betroffene selbst das kosmische Prinzip der Agape Orientierung ganz und gar verinnerlicht hat und so repräsentiert (15).

Im höchstem Stadium des Fowler Inventars des Glaubens (und der moralischen Entwicklung) wiederum dient der Betreffende der Transformierung aller, indem er absolute Liebe und Gerechtigkeit unabhängig von allen persönlichen Nachteilen diszipliniert zu realisieren versucht. Demnach soll in diesem Stadium das im Stadium 5 nur Erkannte auch realisiert werden. Nach Fowler wird dieses Stadium jedoch nur von wenigen Menschen wie z.B. Ghandi, Dietrich Bonhoeffer oder Martin Luther King in seinen späten Jahren erreicht. (15).

Das Erstaunliche an der bisher einzigen, wenn auch nur an drei NDErn nach den oben genannten Skalen durchgeführten Untersuchung der Psychotherapeutin Newsome ist nun, daß keiner der Untersuchten ein wirklich herausragendes Ergebnis auf diesen Skalen erzielte. Im Kohlberg Inventar lagen zwei nur im Normbereich (Stufe 3 bzw. 3/4), nur der dritte von Kindheit an schon religiös engagierte methodistische NDEr erreichte die Stufe 4/5. Die Bewertung der Glaubens Entwicklung waren bei den beiden im Kohlberg Inventar niedrig scorenden NDErn ebenfalls relativ niedrig, nämlich im Bereich 2,25 und 3,25, d.h. nach Fowler noch nicht bzw. gerade erst im Bereich der erwachsen werdenden Glaubensformen. Wiederum erreichte nur der methodistische NDEr einen relativ hohen Wert von 5. Auf der Levinger Skala schließ lich lagen die genannten zwei NDEr im durchschnittlichen Erwachsenenstadium 3/4, nur der Methodist erreichte Stadium 4 (15).

Im Gegensatz zu dem methodistischen, hoch scorenden sind die beiden niedrig scorenden NDEr weder vor noch nach ihrem NDE einen engagierten religiösen Weg gegangen (15). Genau das aber zeigt sich in den gemessenen Scores: Die hohen Werte des religiös engagierten Methodisten spiegeln also die Auswirkungen seiner allgemeinen Religiosität wieder, in die sein NDE nur eingebettet ist und allenfalls unterstützend gewirkt hat!

Gerade die deutlich besseren Ergebnisse des religiöser erzogenen methodistischen NDErs deuten also darauf hin, daß die bei ihm gemessenen Werte nicht Folge des NDEs, sondern Folgen eben dieser religiösen Orientierung sind, die vom NDE allenfalls noch verstärkt wurde. Das nur normale Abschneiden der anderen beiden NDEr würde dann bedeuten, daß die Auswirkungen von NDEs zumindest bei diesen beiden die einer religiösen Orientierung niemals erreichen!

Diese Interpretation wird auch durch die Aussagen des methodistischen NDErs selbst gestützt; dieser hält sein NDE nur für einen Teil seines Lebens und lehnte es ab, ihm eine besondere Bedeutung für etwaige Veränderungen seines Selbst zuzuschreiben (15)! Damit sind frühere erste Annahmen, daß NDEr sich (automatisch) moralisch i.S. des Kohlberg Index entwickeln, vorerst kritisch zu betrachten, zumindest angesichts dieser, wenn auch, was die Zahl der Untersuchten betrifft, nur kleinen Studie.

Wenn also wie in der Untersuchung Newsome's keine konkreten, sichtbaren Auswirkungen erkennbar sind und ein religiös engagierter Mensch die NDEr in seinem ethischen Entwicklungsgrad deutlich übertrifft, so handelt es sich bei anderslautenden Postulaten (Rings beispielsweise) zumindest teilweise um unzureichend begründete bzw. nur von den NDErn selbst bzw. Autor aufgestellte überzogene Behauptungen! Ring ist dementsprechend gerade dabei, seine bisherigen überzogenen Behauptungen über den neuen (Omega )Menschen mit Nah Todeserfahrung zurückzunehmen!

Wenn es sich auch nur um eine kleine Untersuchung handelt, so bestätigt sie auch meine Einschätzung der von mir bisher untersuchten 100 Fälle in ihren konkreten und langfristigen Auswirkungen. Die Gründe für eine solche Diskrepanz zwischen vielen euphorisch berichteten außergewöhnlichen Einzelfall Auswirkungen und den konkret gemessenen Werten bei den drei NDErn Newsome's deuten sich in der Aussage an, daß die bei dem methodistischen NDEr gemessenen Werte nicht Folge des NDEs, sondern Folge seiner religiösen Orientierung sind, in die er sein NDE hineinbringt und die damit unterstützt wird.

Es ist also die im Gegensatz zu den NDE Elementen und den generellen religiösen Auswirkungen außerordentlich variante Interpretation des NDEs im Rahmen der unterschiedlichen Weltanschauungen, die deren mittel und langfristige Auswirkungen bestimmt. Und diese sind in der Tat sehr unterschiedlich abhängig von der mentalen, kulturellen und religiösen Position (und Reife) des NDErs (3; 17; 55). Die NDE Interpretationen der NDEr selbst sind also grundsätzlich abhängig von seiner Religion, Kultur und seinen spezifischen bewußten oder unbewußten Erwartungen und damit seiner Persönlichkeit (16; 24; 38; 55).

Christlich orientierte Menschen halten z.B. das Licht bzw. die mit ihm verbundene Stimme dementsprechend für Gott oder aber auch für Jesus, andere sehen in ihm Engel oder einfach ein göttliches Wesen (3; 18; 19; 38; 51; 58). Tibetanische Buddhisten wiederum interpretieren das helle klare Licht dagegen nur als eine Widerspiegelung des allerhöchsten Bewußtseinszustandes des Menschen (25); für Zen-Buddhisten ist es das Satori (43).

Eine willkürliche, in sich widersprüchliche Auffassung vertreten auch viele inzwischen sehr populär (und esoterisch) gewordenen NDE Forscher wie zum Beispiel K. Ring. Nach dessen Auffassung sind nur die positiven NDEs nicht auf rein psychologische sowie neurophysiologische Prozesse zu reduzieren und verweisen damit auf etwas transzendent Reales, während er die negativen NDEs in typisch reduktionistischer Manier auf rein psychologische und neurophysiologische Ursachen zurückführt und ihnen jeden Hinweis auf eine transzendente Realität abspricht. NDEr stellen für ihn gar einen neuen (Omega )Menschentyp dar (49).

Gleichermaßen kurzschlüssig sind die Behauptungen Rings (und von Jankovic's), daß im Rahmen des Lebensfilms eine Vergebung der Sünden erfolge. Auch E.Kübler Ross vertritt eine gefährlich simplifizierende Theorie der Realität der NDEs. Für sie verläßt die Seele im OBE den Körper, um dann in eine ätherische Welt einzutreten, von der aus die physikalische Realität noch wahrgenommen, aber nicht mehr mit dieser Kontakt aufgenommen werden kann. Auch die zumeist danach auftauchenden Geistwesen interpretiert Frau Kübler Ross als reale Wesen (und pflegt dementsprechend schon in diesem Leben den Kontakt mit 'Geistern'). Nach der Begegnung mit dem Licht und der Lebensbewertung kommt es ihrer Meinung nach dann zumeist zur Wiedergeburt auf Erden (19; 26; 28). Aufgrund der zumeist positiven NDEs verspricht E.Kübler Ross dann auch (fälschlicherweise) allen Menschen nach ihrem Tod das Paradies und damit eine Heimkehr ins Licht (26; 28).

Esoterisch oberflächlich und falsch sind auch die Behauptungen von Frau Kübler-Ross, daß alle Menschen im Moment des Todes das gleiche erleben, unabhängig von Religion und Kultur. Daß die den NDEr empfangenden religiösen Figuren trotz der ihnen von den NDErn zugeschriebenen gleichen Identität ('Jesus', 'Maria') unterschiedlich aussehen, daß die erscheinenden Verstorbenen äußerlich unseren Vorstellungen entsprechen und kulturspezifisch völlig unterschiedliche 'Jenseitslandschaften' erlebt werden, scheint Frau Kübler Ross nicht zu wissen oder einfach nicht zu berücksichtigen (26). Dementsprechend handelt es sich bei den Erscheinungen Verstorbener für Kübler Ross immer ohne weiteres um reale Erscheinungen (26); sie scheint auch leichtfertig von der Existenz von Geistführern oder Schutzengeln auszugehen. Negative NDEs scheint Frau Kübler Ross gar nicht zu kennen, so wie sie auch kritiklos annimmt, daß der OBEr nicht mehr mit dem Gehirn verbunden, sein Körper ein ätherischer (29) und das Licht ein jenseitiges und kein physisches oder psychisches Phänomen sei (29). Wen wundert es, daß sie dann auch an die Reinkarnationslehre glaubt (29).

Tatsächlich werden auch in westlichen Ländern bei der NDE Interpretation immer wieder einmal solche empirisch, psychologisch und psychiatrisch unhaltbaren (59) Reinkarnations Ideen vertreten (30). Manche NDEr behaupten zum Beispiel, man könne nach dem physischen Tod auf der Erde wiedergeboren werden (5; 31). In einer Untersuchung an 33 NDErn nahm der Glaube an Reinkarnation z.B. von 39 auf 79 Prozent zu (32); zwei andere Untersuchungen bestätigten diese Zunahme des Glaubens an die Möglichkeit der Reinkarnation (33). Besonders die Psychiaterin E.Kübler Ross hat sich im Rahmen ihrer thanatologischen Arbeit mehrfach zum Reinkamationsglauben bekannt (26). Auch der Psychiater Moody hat inzwischen Nah Todeserfahrungen mit Reinkarnationserfahrungen gleichgesetzt (35), und K.Ring führt die Reinkarnationsideen gar direkt auf NDEs zurück (34), obwohl Reinkarnationserfahrungen in psychiatrischer Sicht zu den dissoziativen Störungen zählen (33; 59).

Die NDErin Atwater erlebte z.B. in ihrem dritten NDE zwei Zyklone, in denen viele ihrer Bekannten herumwirbelten. Fremde Menschen in diesen Zyklonen deutet sie dabei als ihre früheren und späteren Leben, ohne dafür irgendeinen Anhalt zu haben. Dabei hatte sie in der Woche nach ihrem zweiten NDE unter Medikamenteneinfluß die Vision einer Regenbogen Brücke, über die viele dünne Menschen schritten, die sie damals schon willkürlich als ihre früheren Leben deutete, zu denen ihrer Meinung nach auch ein Eidechsen Leben auf einem Wasser Stern zählte (5). Gerade in der reinkarnationistischen Deutung der NDEs zeigt sich die Subjektivität oder Willkürlichkeit der NDE Deutung durch die Erlebenden (und manche Interpreten); es gibt nämlich in keinem NDE, egal in welchem Land oder zu welcher Zeit es sich ereignete, irgendeine Art von echter Reinkarnations Erfahrung i.S. eines (nachweislich richtigen, nur über paranormale Leistungen zu erklärenden) Ablaufs eines anderen eigenen früheren Lebens im Rahmen des Lebensfilms! Das gilt auch für reinkarnationsgläubigen Kulturen. Allenfalls werden ganz selten Kontakte mit fremden Menschen im NDE als frühere Leben fehlinterpretiert oder aber das eigene Reinkarnationskonzept traumhaft in das NDE (als Teil seiner oneiroidalen Elemente) eingearbeitet!

Im Gegensatz zu diesen esoterisch heilsversprechenden NDE Interpretationen der NDEs sind z.B. für die Autoren des Tibetanischen Totenbuchs die NDE Bilder rein mentale Produkte bzw. Projektionen des sterbenden Geistes, womit sie den wissenschaftlichen Erkenntnissen schon viel mehr entsprechen (39; 40). Manche asiatische Traditionen warnen dann auch vor einer falschen Erleuchtung in Form von schrecklichen oder angenehmen Visionen (eines Lichtes) (41).

Auch manche Christen sehen in dem Licht/Lichtwesen den als Engel des Lichtes verkleideten Satan (3; 19; 58) und halten NDEs und/oder die Interpretation des Lichtes als Gott dann auch für Teufelswerk, für einen Trick Satans, dessen Plan es sei, uns in falscher Sicherheit über das Leben nach dem Tod zu wiegen, uns zu okkulten Praktiken wie Astralreisen zu verleiten und uns zu verführen, den Vormarsch von Dämonen in Gestalt Verstorbener zu akzeptieren und uns eine säkulare (aber fundamental diabolische) Version der Errettung ohne Christus zu verkaufen (58,283). Sie begründen diese Auffassung dann auch aus christlicher Sicht berechtigt mit der Tatsache, daß die von dem Lichtwesen) gemachten Aussagen nicht mit der Lehre Jesu übereinstimmen oder daß die NDEr nach ihrem Erlebnis nicht mehr an die Bibel glauben oder aber dieser gegenüber indifferent sind (3).

Insgesamt deuten jedoch auch gläubige Christen Nah Todeserfahrungen äußerst unterschiedlich: Während die einen in diesen Erlebnissen die ebengenannte teuflische Verführung sehen, fühlen andere sich in ihrer seelsorgerischen Arbeit und auch in ihrem Glauben an die traditionelle Lehre der Kirche bestärkt. Andere wiederum halten das Leben nach dem Tod mit Recht grundsätzlich nicht für beweisbar, sondern letztlich für eine Sache, die man glauben muß (3). Die willkürliche, unwissenschaftliche Subjektivität der NDE Deutung durch die NDEr selbst zeigt sich auch darin, daß einige NDEr nach ihren Erfahrungen zu so genannten Medien oder gar Gründern einer neuen Religion zu werden versuchen. So predigt der Schweizer Architekt und NDEr Jankovich auf vielen esoterischen Seminaren seine NDE Interpretation als neue Religion, und Frau Kübler Ross verspricht allen Menschen den NDE Himmel!

Die englische Neurophysiologin Susan Blackmore ist schließlich die renommierteste Vertreterin eher rein reduktionistischen Position. Sie davon aus, daß Religionen auf der Verleugnung des Todes basieren. Außerhalb der sichtbaren Welt, die sich im Rahmen einer ziellose Evolution ohne (Lebens)sinn entwickle, gibt es ihrer Meinung nach nichts, auch keinen Gott. Der Mensch bestehe nur aus einem Körper und einem informationsverarbeitenden Gehirn, das als modellbildendes System ohne individuelle Seele angesehen wird.

Das Ich sei ebenfalls nur eines dieser mentalen Modelle, wenn auch sehr komplex und mit dem subjektiven Aspekt des Selbstbewußtseins ausgestattet. In Wirklichkeit gebe es nicht einmal dieses Ich, das die Welt beobachtet, keine vom Ich getroffenen bewußten Entscheidungen und dementsprechend auch keine Verantwortung. Selbst mystische Erfahrungen sind für sie nur weitere Modellentwürfe des Gehirns und NDEs reine Halluzinationen. Jeder Mensch sei demnach beliebig ersetzbar, das Leben des einzelnen de facto zwecklos (9).

Fassen wir zusammen: NDEs können also bestenfalls wie auch unter anderen Bedingungen auftretende mystische Erfahrungen eine Umkehr induzieren und damit die Möglichkeit zu vermehrtem Wachstum eröffnen; dieses erfordert jedoch wie alle religiösen Wege harte Arbeit und Disziplin und darin kann selbstverständlich auch der NDEr versagen! (5; 36). Wie künstlich induzierte mystische Erfahrungen sind NDEs somit allenfalls Katalysatoren für einen weiteren mühsamen Entwicklungsprozeß. Sie sind nur Wegweiser bzw. kurze Einblicke in bzw. Informationen über ein lohnenswertes Ziel. Der Weg dorthin muß weiterhin in spiritueller/religiöser Disziplin einer anthropologisch gesunden Religion gegangen werden (36); eine esoterisch wahnhafte Religiosität als Interpretationsrahmen der NDEs macht die potentiell positiven Effekte der NDEs wieder zunichte.

Nah Todeserfahrungen sind also nur das Wasser für den Samen, den die religiösen, philosophischen oder gar politischen Weltanschauungen gelegt haben. Das Wasser des Nah Todeserlebnisses läßt deswegen dann auch ganz unterschiedliche Pflanzen wachsen mit guten oder schlechten Früchten. Damit erfüllt sich wieder ein altes Wort: „An ihren Früchten“ und nicht an ihren Nah Todeserfahrungen – „sollt Ihr sie erkennen" (Matt 7,16).



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