ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2019Eine seltene Ursache für eine Hörminderung
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Eine 54-jährige Patientin stellte sich mit seit drei Wochen bestehender Hörminderung und Tinnitus links vor. Die Ohrmikroskopie zeigte einen polypösen Tumor im Gehörgang rechts und einen ebensolchen obliterierenden Tumor links. Zudem berichtete die Patientin von Rückenschmerzen und Hyperhidrose. Die histologische Aufarbeitung der gewonnenen Biopsien aus den Gehörgängen wies auf Infiltrate eines kleinzelligen neuroendokrinen Karzinoms. Die FDG-PET-Ganzkörper-Computertomografie (FDG, Fluordesoxyglucose; PET, Positronenemissionstomografie) zeigte einen malignomtypischen Stoffwechsel an multiplen Lokalisationen des gesamten Körpers ohne Nachweis eines Primarius. Daher wurde die Diagnose disseminierter unbekannter Primärtumor (CUP, „cancer of unknown primary“) eines kleinzelligen neuroendokrinen Karzinoms gestellt. Es wurde rasch eine Chemotherapie nach Platin-Etoposid-Schema eingeleitet. Sieben Monate nach Diagnosestellung verstarb die Patientin an Leberversagen bei progredienter Metastasierung. Diese Kasuistik verdeutlicht, dass bei unklaren Tumoren im Bereich des Gehörgangs zum Ausschluss von Malignomen stets eine histologische Sicherung zu empfehlen ist. Differenzialdiagnostisch kommen neben gutartigen Tumoren und Cholesteatomen unter anderem Plattenepithelkarzinome und Basalzellkarzinome in Betracht. Auch einer vermeintlich simplen Hörminderung kann eine komplexe Ursache wie ein neurodendokriner CUP zugrunde liegen.

Dr. med. Thea C. Reuter, Prof. Dr. med. Susan Arndt, Dr. med. Till F. Jakob, Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Universitätsklinikum Freiburg,
Medizinische Fakultät, Albert- Ludwigs-Universität Freiburg, thea.charlott.reuter@uniklinik-freiburg.de

Interessenkonflikt: Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Zitierweise: Reuter TC, Arndt S, Jakob TF: A rare cause of hearing impairment. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 486. DOI: 10.3238/arztebl.2019.0486a

►Vergrößerte Abbildung und englische Übersetzung unter: www.aerzteblatt.de

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