ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2019Abrechnungsprüfungen: Enormer Zeitaufwand
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Die Abrechnungsprüfungen befinden sich in der Tat in einer Eskalationsspirale. Bei jeder Abrechnungsprüfung durch die Krankenkassen oder den Medizinischen Dienst (MDK) wird ein entsprechend negatives Gutachten an die Klinik geschickt, das dann durch einen Arzt geprüft werden muss. Nach Sichtung der Unterlagen und Prüfung des Einwandes des MDK wird ggf. Widerspruch eingelegt, der letztendlich, falls keine Einigung erzielt wird, in ein juristisches Verfahren mündet. Der Zeitaufwand für eine Fallprüfung kann, je nach Patientenfall, schnell 30 Minuten und mehr in Anspruch nehmen. Zeit, die dem Arzt, der in der Regel in einer Führungsposition tätig ist, später in der Patientenversorgung, bei Angehörigengesprächen und in der Weiterbildung junger Kollegen fehlt.

Das DRG-System ist insbesondere bei komplexen Fällen kompliziert und die Abbildung der Versorgung des Patienten ebenso komplex. Die Behandlung muss dabei in der Abrechnung so korrekt dargestellt werden, dass Ressourcenverbrauch und Aufwand, die für die Versorgung des Patienten notwendig waren, am Ende zumindest angemessen finanziell abgegolten werden sollten. „Anreize für erlösorientiertes Abrechnen“, wie aus dem Artikel zitiert, implizieren unterschwellig, dass das DRG-System die Möglichkeit des Betruges zulässt und dieser von den Krankenhäusern konsequent erfolgt.

Dies mag in Anbetracht der 2,2 Milliarden Euro, die die Kassen 2016 als Rückforderungen erhalten haben, teilweise auch so geschehen. Wenn ich allerdings aus meiner eigenen Erfahrung mit Gutachten des MDK berichten soll, dann stelle ich fest, dass ich eigentlich nur medizinische Fakten klarstellen und Kodierrichtlinien erklären muss, um die Korrektheit der abgerechneten Fälle darzustellen. Die Gutachter sind häufig fachlich nicht in der Lage, einen komplexen medizinischen Fall zu verstehen. Darüber hinaus ist die Auslegung der deutschen Kodierrichtlinien gerne mal abhängig von der Gemütsverfassung des MDK-Mitarbeiters.

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Sollten die Krankenhäuser also für jeden Fall, der eine Erlösminderung nach sich zieht, zusätzlich noch bestraft werden, so müssen die Krankenkassen, respektive der MDK, ebenso in Regress genommen werden, wenn unberechtigte oder schlichtweg falsche und teilweise fachlich dilettantische Gutachten erstellt werden, die dann einen erheblichen Ressourcenbedarf im Krankenhaus in Anspruch nehmen, der nicht mehr der Patientenversorgung zur Verfügung steht.

Dr. med. Matthias Richl, 84453 Mühldorf am Inn

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