ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2019Lasertherapie von Feuermalen bei Kleinkindern: Dynamische Vereisung statt Vollnarkose – effektiv, aber Schmerzen sind ein Problem

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Lasertherapie von Feuermalen bei Kleinkindern: Dynamische Vereisung statt Vollnarkose – effektiv, aber Schmerzen sind ein Problem

Dtsch Arztebl 2019; 116(27-28): A-1332 / B-1098 / C-1082

Leinmüller, Renate

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Foto: Science Photo Library/Dr. P. Marazzi
Foto: Science Photo Library/Dr. P. Marazzi

Die Lasertherapie von Feuermalen kann – je nach Größe der Hautveränderungen – 10 Behandlungen und mehr erfordern. Im Kindesalter erfolgt die Lasertherapie meist in Vollnarkose. Diese birgt bei unter 3-jährigen die Gefahr neurokognitiver Entwicklungsstörungen. US-Autoren haben deshalb anstelle der Allgemeinnarkose bei Kleinkindern eine dynamische Vereisung vor jedem Laserpuls vorgenommen und die Therapieergebnisse in einer retrospektiven Studie ausgewertet.

In die Analyse gingen Daten von 197 Kindern ein, bei denen im Säuglingsalter (< 12 Monate) eine Therapie mit blitzlichtgepulstem Farblaser (595 nm PDL) begonnen worden war. Überwiegend handelte es sich um faziale Naevi (75,6 %), zu 41 % periokulär. In diesen Fällen erfolgte ein Corneaschutz mit Stahlschild.

Im Durchschnitt waren 9,8 Behandlungen notwendig, zu Beginn lag das mediane Alter bei 3,4 Monaten. Das Ergebnis 1 Jahr nach Beginn der Therapie wurde von 4 Dermatologen unabhängig voneinander anhand von Fotos auf einer – für diese Anwendung allerdings nicht validierten – visuellen Analogskala beurteilt.

Bei circa einem Viertel (26 %) ergab sich dabei eine komplette Entfernung, bei 4 von 10 (39,1 %) eine mindestens 76-%ige Clearance. Bei jedem 5. Kleinkind (22 %) lag die Verbesserung zwischen 51 und 75 %. Mit einem medianen Scorewert von 3,65 auf einer Skala von 0 bis 5 (keine Verbesserung bis komplette Entfernung) stuften die begutachtenden Dermatologen das Ergebnis dieses Vorgehens als sehr erfolgreich ein. Bei keinem der Kinder bildeten sich nach Angaben der Autoren Narben oder permanente Pigmentveränderungen.

Fazit: Eine Lasertherapie bei Kleinkindern ist ohne Vollnarkose möglich und erzielt „überraschend gute“ Ergebnisse, so die Autoren.

Die Kommentatorinnen, eine Kinderärztin und eine Dermatologin, sind bei den hohen Clearance-Raten eher skeptisch angesichts des Studiendesigns.

Als wahrscheinlichsten Grund für die hohen Erfolgsraten stufen sie die relativ kurze Studiendauer von 1 Jahr ein (2). Viele laser-behandelte Naevi flammei dunkeln mit der Zeit nach, erfahrungsgemäß kann das Nachdunkeln auch nach Jahren noch auftreten.

Der zweite, aus Sicht der Kommentatorinnen noch wichtigere Kritikpunkt: Konsens sei, dass die Lasertherapie schmerzhaft ist. Nach ihren Erfahrungen wehren sich Kleinkinder ab einem Alter von 12–15 Monaten bei der Lasertherapie, vor allem, wenn sie schon mehrere Sitzungen erlebt haben.

Für die Auffassung, mit einer dynamischen Kühlung lasse sich der Schmerz der Lasertherapie bei Kleinkindern signifikant senken, blieben die Autoren den Beweis auf Basis objektiver Erfassungsmethoden und -kriterien schuldig, heißt es im Kommentar. Selbst wenn der Schmerz erheblich reduziert werden sollte, werde er nicht komplett eliminiert. Im Klein(st)kindalter, in dem sich neuronale Verbindungen noch sehr dynamisch entwickeln, könnte dies kurz- und potenziell auch langfristig Folgen für das Schmerzempfinden haben.

Dr. rer. nat. Renate Leinmüller

  1. Jeon H, Bernstein LJ, Belkinet DA, et al.: Pulsed dye laser treatment of port-wine stains in Infancy without the need for general anesthesia. JAMA Dermatol 2019; http://daebl.de/XS18.
  2. Mathes EF, Frieden IJ: Early use of laser for port-wine stains.Timing, efficacy, and shared decision making. JAMA Dermatol 2019; http://daebl.de/TQ22.

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