ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2019Aktinische Keratose: Von vier lokalen Vergleichstherapien ist Fluorouracil-Creme die wirksamste

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Aktinische Keratose: Von vier lokalen Vergleichstherapien ist Fluorouracil-Creme die wirksamste

Dtsch Arztebl 2019; 116(27-28): A-1331 / B-1096 / C-1081

Heinzl, Susanne

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Foto: Science Photo Library/Gwen Shocke
Foto: Science Photo Library/Gwen Shocke

Die aktinische Keratose ist die häufigste prämaligne Hauterkrankung der weißen Bevölkerung, die durch UV-Strahlen ausgelöst wird. In den aktuellen Behandlungsleitlinien gibt es bislang keine Bevorzugung einzelner Therapieverfahren. Deshalb wurden nun in einer niederländischen Studie 4 Verfahren direkt verglichen. Weil sich aus einer aktinischen Keratose Plattenepithelkarzinome entwickeln können, raten Dermatologen zur Behandlung, und zwar nicht nur bei störenden oder symptomatischen Läsionen. Einzelne Läsionen können zum Beispiel exzidiert, kürettiert oder mit Kälte behandelt werden. Bei multiplen oder flächigen Keratosen sind lokal Fluorouracil, Imiquimod, Ingenolmebutat oder eine photodynamische Behandlung angezeigt.

In einer einfachblinden, multizentrischen Studie wurden diese lokalen Therapien bei 624 Patienten mit klinischer Keratose am Kopf direkt miteinander verglichen. Auch Patienten mit aktinischer Keratose vom Schweregrad 3 waren eingeschlossen.

Die Teilnehmer wurden in 4 Gruppen randomisiert. Sie erhielten entweder 5 % Fluorouracil-Creme über 4 Wochen, 5 % Imiquimod-Creme über 4 Wochen, Methylaminolaevulinat (MAL)-PDT-Phototherapie (1 Zyklus) oder 0,015 % Ingenolmebutat-Gel über 3 Tage. Primärer Endpunkt der Studie war der Anteil der Patienten, bei dem 12 Monate nach der letzten Behandlung 75 % der Läsionen abgeheilt waren.

Diesen Endpunkt erreichten in einer modifizierten Intention-to-Treat-Analyse 74,7 % der Patienten mit Fluorouracil (95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [66,8; 81]). Bei einer Therapie mit Imiquimod betrug die Rate 53,9 % [45,4; 61,6], bei MAL-PDT lag der Anteil bei 37,7 % [30,0; 45,3] und bei einer Behandlung mit Ingenolmebutat bei 28,9 % [21,8; 36,3].

Bezogen auf Fluorouracil ergaben sich für ein Therapieversagen folgende Hazard-Ratios bei den anderen 3 Behandlungsformen: 2,03 für Imiquimod ([1,36; 3,04]; p = 0,001), 2,73 für MAL-PDT ([1,87; 3,99]; p < 0,001) und für Ingenolmebutat 3,33 ([2,29; 4,85]; p < 0,001). Das Ergebnis war in der Per-Protokoll-Analyse ähnlich. In den 4 Gruppen wurden keine bislang nicht bekannten Nebenwirkungen beobachtet.

Fazit: 12 Monate nach Therapieende war bei Patienten mit multiplen Läsionen einer aktinischen Keratose in einer prospektiv randomisierten Vergleichsstudie Fluorouracil-Creme (5 %) die wirksamste Behandlung unter den 4 untersuchten lokalen Therapien. Fluorouracil-Creme sei zugleich auch die kostengünstigste Behandlungsvariante, so die Autoren. Sie sind der Ansicht, dass ihre Ergebnisse die Therapieauswahl in der dermatologischen Praxis und in der Primärversorgung beeinflussen könnten.

Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Jansen MHE, Kessels JPHM, Nelemans PJ, et al.: Randomized trial of four treatment approaches for actinic keratosis. N Engl J Med 2019; 380: 935–46.

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