ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2019Lokal begrenztes malignes Melanom: Bei Primarius mit hohem Risiko hilft Sentinel Node Biopsie, Rückfälle zu verhindern

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Lokal begrenztes malignes Melanom: Bei Primarius mit hohem Risiko hilft Sentinel Node Biopsie, Rückfälle zu verhindern

Dtsch Arztebl 2019; 116(27-28): A-1331 / B-1096 / C-1081

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: picture alliance
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Beim malignen Melanom nehmen die altersstandardisierten Erkrankungsraten zu. Für 2018 werden in Deutschland circa 22 000 Neuerkrankungen erwartet (1).

Die optimale Anwendung auch neuer systemischer Therapien mit zielgerichteten Substanzen oder Checkpoint-Inhibitoren setzt das frühe Erkennen von Rezidiven und eine risikoadaptierte Behandlung voraus. In einer großen prospektiven Kohortenstudie haben australische Forscher die Rezidivraten bei operierten Patienten mit lokaler Ausbreitung, aber einem Hoch-Risiko-Primarius untersucht (2). Und eine Frage war, ob die Klassifizierung des Tumors nach der 8. Version des AJCC Cancer Staging Manual im Vergleich zur 7. Version die Schätzung der Prognose verändert.

In der 8. Version des Handbuchs ist die Mitroserate kein Staging-Parameter mehr. Als Kriterium für invasive Tumoren ist die Dicke von 1,0 mm in der 7. Version auf 0,8 mm reduziert worden. Für die Einschätzung des Überlebens soll das Ergebnis einer Sentinel Node Biopsie (SLNB) vorliegen (zit. n. [2]) .

In der aktuellen Studie wurden Patienten mit histologisch gesicherten, lokal begrenzten kutanen Melanomen in den Stadien 1b–4b alle 6 Monate nach Befunden gefragt, die durch Bildgebung und/oder histologische Untersuchung bestätigt waren. Für 700 Patienten mit Hoch-Risiko-Primarius waren die Dokumentationen vollständig, ihre Daten gingen in die Endanalyse ein. Bei 83 % war der Primärherd bei Diagnose > 1 mm (70 %: > 1–4 mm; 12,7 %: > 4 mm; 12,3 %: ≤ 1 mm).

13,4 % der Teilnehmer erlitten in 2 Jahren ein Rezidiv: 66 Patienten (70,2 %) lokoregionär und 28 (29,8 %) fernmetastasiert. Risikofaktoren für Rezidive waren Ulzerationen, Lokalisation im Kopf-Hals-Bereich und erhöhter Mitose-Index. Nach Operation der lokoregionären Rezidive blieben 57,8 % der Behandelten für 2 Jahre krankheitsfrei, 10,9 % entwickelten ein weiteres lokales Rezidiv und 31,3 % Fernmetastasen. Das krankheitsfreie Überleben (DFS) für 2 Jahre wurde nach AJCC7 und AJCC8 vergleichbar eingeschätzt: Im Stadium 1b lag es bei 93,3 % nach AJCC7 und bei 93,0 % nach AJCC8, im Tumorstadium 4b betrug das 2-Jahres-DFS nach beiden AJCC-Versionen 68,0 %. Patienten ohne Sentinel Node Dissektion (SLND) hatten eine etwas schlechtere Prognose als jene mit negativem Untersuchungsergebnis: Nach 2 Jahren waren 91,1 % ohne SLND krankheitsfrei vs. 96 % mit negativem Befund.

Fazit: „Die Studie unterstreicht, dass die SLND, die in der Klassifikation AJCC8 empfohlen wird, eine herausragende Bedeutung hat, um ein genaues pathologisches Staging und Patienten mit metastatischem Befall des SLN eine adjuvante Therapie zu ermöglichen“, kommentiert Prof. Dr. med. Cornelia Mauch, Leiterin des Hauttumorzentrums der Uniklinik Köln. Denn die Kernaussage dieser prospektiven Studie mit Melanompatienten in den Stadien T2–T4 sei die deutlich erhöhte Rezidivrate der Kohorte, die keine SLND erhielt (63,1 % der eingeschlossenen Patienten) im Vergleich zu den Patienten mit SLND (36,9 %). „Nach 2-jähriger Nachbeobachtungszeit lag die Rezidivrate bei 15 % vs. 11,6 %. Unter den Patienten, die ein Rezidiv entwickelten, wurde der Primärtumor bei 69,1 % ohne SLND nachexzidiert, während nur 31,9 % der Patienten mit SLND operiert und im Falle eines mikroskopischen Nachweises von Mikrometastasen dem klinischen Stadium 3 zugeordnet wurden“, so Mauch. „Eine weiterführende Analyse der Untergruppen ist aufgrund der zu geringen Zahl an Patienten und der kurzen Nachbeobachtungszeit nicht sinnvoll.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Krebs in Deutschland. Robert Koch-Institut Berlin 2017.
  2. von Schuckmann LA, et al.: Risk of melanoma recurrence after diagnosis of a high-risk primary tumor. JAMA Dermatology 2019; http://daebl.de/RB16.

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