ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2019Kaiserschnitt: Sectio sollte Regel werden
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Der Medizinreport zur Sectiorate verweist auf „das Ende der englischen Kampagne für die normale Geburt“. Das ist bei uns anzunehmen aufgrund von aktuellen Studienergebnisses aus Schweden mit Daten von 1,55 Millionen Neugeborenen.

Das Risiko für neonatale Mortalität und Morbidität war bei Apgar 7 – 9 deutlich höher als bei Apgar 10. Letzteren erreichten nach einer Minute 11 %.

Im Vergleich zu Apgar 10 war die Mortalität bei Apgar 9 nach 10 Minuten höher (RR 4,80) und bei Apgar 7 noch deutlicher (RR 29,8). Neonatale Infektionen gab es bei Apgar 9 nach 1 Minute häufiger als bei Apgar 10 (RR 1, 5) und ausgeprägter bei 5- und 10-Minuten-Werten (RR 2,1 und 3,3). Ein Atemnotsyndrom war bei Apgar 9 nach 5 und 10 Minuten häufiger als bei Apgar 10 (RR 5,2 und 12,4). Die schwedischen Autoren folgern daraus, dass bei Apgar 7–9 nach 5 und 10 Minuten ein Monitoring erfolgen sollte, um geburtsbelastete Kinder klinisch rechtzeitig zu betreuen. Damit wäre Apgar 10 der Qualitätsmaßstab für Kreißsäle auf wissenschaftlicher Basis und nicht mehr die Sectiofrequenz.

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Fazit: Bei erwarteten niedrigen Apgarwerten, ist rechtzeitig über Sectio aufzuklären. Dazu passt ein BGH-Urteil von 2018: Eine Jugendliche mit Geburtsbehinderungen klagte erfolgreich wegen zu spät durchgeführter Sectio. Führen die schwedischen Daten zu Klagen wegen vermeidbarer niedriger Apgarwerte? Zu ausgeprägter Inkontinenz infolge vaginaler Geburt, assoziiert mit Lebenserwartungsminderung (soziale Isolation/Depressionen), kommen BGH-Urteile.

Sectiodurchführung – nur wenige Tage um den Geburtstermin, mit vorausgehender Wehentätigkeit für optimale Surfactant-Produktion im Lungeninteresse – sollte die Regel werden.

Prof. Dr. med. Dipl. Psych. J. M. Wenderlein, 80975 Ulm

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