ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2000Drogenpolitik Substitutionsgestützte Behandlung: Euphemismus

THEMEN DER ZEIT: Forum

Drogenpolitik Substitutionsgestützte Behandlung: Euphemismus

Dtsch Arztebl 2000; 97(3): A-93 / B-77 / C-75

Waldmann, Helmut

Zu dem Beitrag von Frau Christa Nickels, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit, in Heft 44/1999
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Christa Nickels propagiert die opiatgestützte Behandlung Drogenabhängiger als eine der Entwöhnungsbehandlung ebenbürtige Maßnahme und nicht als Ultima Ratio. Dieser unkritischen Haltung entspricht ihre euphemistische Tautologie: "Substitutionsgestützte Behandlung". Substitution bedeutet als medizinischer Terminus: Ersatz eines natürlicherweise im Körper gebildeten Stoffes. Dies ist bei Methadon, Codein, Heroin nicht der Fall, da die Endorphine in Menge und Zerfallszeit wesentlich ungleich sind. Insofern ist schon die Verwendung des Begriffes Substitution ein Euphemismus. Bei Nickels kommt noch "gestützt" hinzu. Es passt nur zur Substanz: "Opiatgestützte Behandlung" wäre ein korrekter Begriff (und neutraler als Substitution oder Intoxikation).
Der Tendenz des Artikels entsprechen die Auslassungen: Es fehlt die notwendige Stellungnahme zur Prohibition. Die Opiatvergabe an Süchtige kann die Prohibition sowohl durch Minderung unerwünschter Folgen unterstützen als auch durch Stoffvermehrung unterlaufen. Aus einer klaren Antwort auf diese Frage würden auch Kriterien für die Opiatvergabe resultieren.
Kritisch erwähnt werden der Handel unter Drogenabhängigen mit Methadon aus ärztlicher Verschreibung und der steigende Anteil, den Methadon an den Drogentodesfällen hat. Unerwähnt bleibt die Tatsache, dass die verschriebenen Opiate bei den lebenden Drogenabhängigen ihre Jahreskonsummenge vervielfachen. Der Ausstieg aus der opiatgestützten Behandlung und die erschwerte Entgiftungs- und Entwöhnungsbehandlung dieser Patienten sind heute ein Hauptproblem der abstinenzorientierten Suchtkrankenhilfe. Sie leidet gleichzeitig unter den Einsparungen im Gesundheitswesen, während Frau Nickels neue Programme und Lockerungen für die opiatgestützte Behandlung fordert. Mit welchem Ziel?
Dr. med. Helmut Waldmann, Therapiezentrum Bischofsried, 86911 Diessen
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema