ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2000Drogenpolitik Substitutionsgestützte Behandlung: Schlusswort

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Drogenpolitik Substitutionsgestützte Behandlung: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2000; 97(3): A-94 / B-80 / C-80

Nickels, Christa

Zu dem Beitrag von Frau Christa Nickels, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit, in Heft 44/1999
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LNSLNS Zu den wichtigsten Äußerungen zu meinem Beitrag nehme ich wie folgt Stellung:
« Die Befürchtungen substituierender Ärzte hinsichtlich der Durchführung substitutionsgestützter Behandlung im vertragsärztlichen Bereich nehme ich sehr ernst. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat deshalb von den Spitzenverbänden der Ärzte und Krankenkassen die Objektivierung dieser Entwicklung erbeten. Sollten sich die Befürchtungen bestätigen, werde ich bei den Selbstverwaltungsorganen der Ärzte und Krankenkassen auf eine unverzügliche Änderung der für den vertragsärztlichen Bereich geltenden Regelungen drängen. Eine zögerliche Haltung - jedenfalls des BMG - kann ich hier nicht erkennen.
Zu Paragraph 3a der Richtlinien des Bundes­aus­schusses der Ärzte und Krankenkassen zur substitutionsgestützten Behandlung vertritt das BMG folgende Auffassung: Eine substitutionsgestützte Behandlung ist auf der Grundlage des Paragraph 3a der Richtlinien auch bei den opiatabhängigen Patienten zulässig, die gegenwärtig für eine drogenfreie Therapie nicht motiviert werden können, sofern sie für eine Substitution geeignet sind. Die nicht vorhandene Motivation ist ein ausreichender medizinischer Grund nach Paragraph 3a Abs. 1 Nr. 1 dafür, dass eine drogenfreie Therapie nicht durchgeführt werden kann. "Eine wissenschaftlich untermauerte, von Fachleuten mehrheitlich akzeptierte und damit etablierte Differenzialindikation für die Zuordnung opiatabhängiger Patienten zu einer Behandlung mit oder ohne Substitutionsmittel existiert bisher nicht" (Bühringer u. a., Methadonstandards 1995 S. 34). Die Erzwingung einer drogenfreien Therapie bei nicht vorhandener Motivation ist nach allen Erfahrungen auch nicht sinnvoll. Paragraph 3a der Richtlinien ermöglicht deshalb grundsätzlich eine substitutionsgestützte Behandlung auch bei solchen Patienten, bei denen neben der Opiatabhängigkeit keine weitere Begleitindikation vorliegt. Dabei sind jedoch auch die Bedingungen des Paragraphen 3a Abs. 1 Nr. 2 einzuhalten, nach denen Aussichten für eine Erfolg versprechende Behandlung der Opiatabhängigkeit bestehen müssen. Dafür genügt das alleinige Auswechseln des illegal konsumierten Opiats durch ein Substitutionsmittel nicht.
­ Ich teile die Sorge, dass infolge der "Take-home-Regelung" der Betäubungs­mittel­verschreibungs­verordnung (BtMVV) Gefährdungen von abhängigen Patienten oder deren Angehörigen eintreten können. Eine Streichung dieser Regelung halte ich nicht für geeignet, weil eine Vielzahl von Patienten nur auf dieser Grundlage ein integriertes und ein relativ selbstbestimmtes Leben führen kann.
Vielmehr muss die Beseitigung dieser Gefahren durch die Verbesserung der teilweise unzureichenden Qualität ärztlicher Tätigkeit erfolgen. Nach § 5 Abs. 7 BtMVV ist die "Take-home-Verschreibung" eine Ermessensentscheidung des Arztes, die er nur unter bestimmten Bedingungen vornehmen darf. Offensichtlich erfolgen derartige Verschreibungen aber gelegentlich auch leichtfertig und ohne die Einhaltung dieser Bedingungen. Aus meiner Sicht muss daher die Qualität der substitutionsgestützten Behandlung in der Breite spürbar verbessert werden. Hier sieht das BMG in voller Übereinstimmung mit der Bundes­ärzte­kammer folgende Maßnahmen vor:
c Einrichtung eines Zentralen Substitutionsregisters,
c Einführung einer besonderen Qualifikation für substituierende Ärzte und
c Unterstützung der substituierenden Ärzte durch Richtlinien der Bundes­ärzte­kammer zur substitutionsgestützten Behandlung.
Die dafür erforderlichen Maßnahmen des Gesetz- und Verordnungsgebers sind eingeleitet worden. Dazu hat die Bundesregierung mit dem Entwurf eines 3. BtMG-Änderungsgesetzes, dem der Bundesrat noch zustimmen muss, die gesetzlichen Grundlagen gelegt.
Christa Nickels, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit, Am Propsthof 78 a, 53108 Bonn
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