ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2000Börsebius zur Klöckner AG: Kein Schmuddelkind mehr

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zur Klöckner AG: Kein Schmuddelkind mehr

Dtsch Arztebl 2000; 97(3): [124]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Eine mehr als 25-jährige Leidensgeschichte scheint doch tatsächlich ihrem Ende entgegenzugehen. Einem guten überdies, so steht es wenigstens zu hoffen. Denn über der Klöckner-Aktie hing mehr als ein Vierteljahrhundert lang der Geruch eines Schmuddelkindes.
Es ist wohl wahr, dass die Aktionäre in der Vergangenheit mit den Klöckner-Werken nicht gerade gut gefahren sind. Mehr als einmal stand das Stahlwerk vor der Pleite, und in zwei Kapitalschnitten mussten die geplagten Aktionäre ziemlich bluten, insgesamt fütterten sie das schwarze Loch Klöckner mit frischem Geld in einer Gesamtsumme von 1,26 Milliarden Mark.
Dennoch floss kaum eine müde Mark an die Investoren zurück. Seit 1973 wurde lediglich zweimal eine Dividende gezahlt, und zwar für 1972/1973, dann war 17 Jahre lang Pause, und für das Geschäftsjahr 1989/1990 gab es letztmals fünf Mark je Aktie. Danach war wieder ein Ausschüttungssatz von Null angesagt. Dass neue Besen in der Tat gut kehren können, wenn man sie nur lässt, beweist die gelungene Leistung des Klöckner-Vorstandschefs. Am 1. Dezember 1995 übernahm Heinz-Ludwig Schmitz das Ruder bei dem Duisburger Stahlkocher.
Zu diesem Zeitpunkt gab kaum ein Banker noch einen Pfifferling auf das marode Unternehmen. Die Eigenkapitalquote war auf beängstigende 7,9 Prozent der Bilanzsumme geschrumpft und die Zinsbelastung auf die Finanzschulden horrend.
Doch Schmitz krempelte die Arme hoch und den gesamten Klöckner-Konzern völlig um. Mit radikalen Schnitten trennte sich der neue Boss von Verlust bringenden Aktivitäten. Der jüngste Verkauf der Tochter Peguform brachte mit einem Erlös von 850 Millionen Mark endlich wieder richtig Geld in die Kasse. Die Liquiditätskrise war abgewendet. Heute verdienen die Klöckner-Werke wieder richtig gutes Geld. Mit der Folienproduktion wurde im letzten Geschäftsjahr bei einem Umsatz von 1,2 Milliarden Mark ein gutes Ergebnis von 202 Millionen Mark erwirtschaftet. Sichtbarer Ausweis des Erfolgspflänzchens ist die Tatsache, dass den Anteilseignern am 17. März 2000 vorgeschlagen wird, eine Dividende von 2,50 Mark je Aktie auszuschütten. Aber auch der Blick nach den zwei Großaktionären (Roland Oetker und die WCM AG) lässt vermuten, dass sich andere Investoren dem Wert vermehrt zuwenden könnten. Klöckner ist zwar noch kein Blue Chip des Deutschen Aktienmarktes, aber auf dem besten Weg, in ein gut sortiertes Depot als Beimischung aufgenommen zu werden. Börsebius
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