ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2019Reform der Psychotherapeutenausbildung: Mehr Zeit für Korrekturen

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Reform der Psychotherapeutenausbildung: Mehr Zeit für Korrekturen

Bühring, Petra

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Der Zeitplan, den Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für die Verabschiedung des Psychotherapeutenausbildungsreformgesetzes vorgelegt hatte, war zwar ambitioniert, doch schien bis kurz vor Schluss alles im Plan. Das Gesetz sollte noch vor der parlamentarischen Sommerpause verabschiedet werden, so hatte es der Minister angekündigt, damit die Hochschulen im Wintersemester 2020 die neuen Studiengänge Psychotherapie anbieten können. Dafür wird es nun tatsächlich ein wenig knapp. Sehr kurzfristig wurde nämlich die 2./3. Lesung im Bundestag, also die letzte Debatte eines Gesetzentwurfs, von der Tagesordnung der letzen Bundestagswoche vor der großen Pause genommen. Es gebe noch Abstimmungsbedarf zwischen den Fraktionen, war als Begründung aus der Politik zu vernehmen; in vielen Punkten sei noch keine Einigung erfolgt. SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach kündigte an, zusammen mit Spahn auch in der Sommerpause an dem Gesetz weiterarbeiten zu wollen. Es wird mit einer Verschiebung der abschließenden Debatte auf den Herbst gerechnet.

Die Psychotherapeuten sehen die Verschiebung überwiegend gelassen. Wichtig ist, dass das Gesetz zeitnah verabschiedet wird – ein paar Monate mehr geben Zeit für überlegte Korrekturen. So war zumindest der Tenor bei einer Fachtagung von 36 psychotherapeutischen Verbänden, die vier Tage vor besagter Absetzung der letzten Lesung stattfand. Dabei wurden natürlich auch die Punkte angesprochen, die im Gesetzentwurf noch nicht geregelt sind. Hierzu gehören die Finanzierung der ambulanten Weiterbildung, die Sicherstellung der Verfahrensvielfalt, Übergangsregelungen für nach altem Recht Studierende und Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA). Dass vom Bundesgesundheitsministerium noch keine Approbationsordnung vorgelegt wurde, macht Überlegungen nicht einfacher.

Will man Psychotherapeuten in Weiterbildung (PiW) künftig eine tarifrechtliche Vergütung gewähren und den Betrieb der Weiterbildungsambulanzen sicherstellen, reicht die Finanzierung der Versorgungsleistungen durch die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) – wie im Entwurf vorgesehen – nicht aus. Der Mehrbedarf in der ambulanten Weiterbildung sollte entsprechend der Förderung der hausärztlichen Weiterbildung (§ 75 b, SGB V) abgedeckt werden, so der Vorschlag aus der Psychotherapeutenschaft. Zahlen müssten dann die GKV und womöglich die Kassenärztlichen Vereinigungen.

Bei der Fachtagung wurde auch deutlich, dass die grundständige Vermittlung der Breite des Faches Psychotherapie mit der Vielfalt der wissenschaftlich anerkannten Verfahren noch nicht in trockenen Tüchern ist. Gefordert wurde, die verfahrensbezogene Lehre ebenso wie die Fachkunde der Dozenten verpflichtend festzulegen. Sie werde insbesondere von der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in- frage gestellt, die ein integratives Therapieverfahren beziehungsweise „evidenzbasierten Pluralismus“ in der Lehre herbeiführen wolle.

Am selben Tag wie die Fachtagung wurde auch die Petition von Psychologiestudierenden im Petitionsausschuss des Bundestages diskutiert. Darin wird gefordert, die Übergangsregelungen so zu gestalten, dass derzeitige Studierende in das neue Ausbildungssystem wechseln können. Zudem sollten PiA ausreichend Zeit haben, ihre Ausbildung nach altem Recht zu beenden. Die im Entwurf vorgegebene Übergangszeit von zwölf Jahren sei zu knapp. Außerdem fehlten Härtefallregelungen.

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