ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2019Suchterkrankungen: Abstinenz muss nicht im Vordergrund stehen

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Suchterkrankungen: Abstinenz muss nicht im Vordergrund stehen

PP 18, Ausgabe Juli 2019, Seite 293

Gießelmann, Kathrin

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Die psychotherapeutische Behandlung und Prävention von Suchterkrankungen sollten nach Ansicht der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) mehr in den Blick genommen und ergänzt werden. Dabei müsse nicht immer die Abstinenz im Vordergrund der Therapie stehen, forderte die Bundesvorsitzende Barbara Lubisch: „Auch geringerer Konsum ist ein lohnendes Therapieziel.“ Die in der Psychotherapie-Richtlinie festgelegte Begrenzung einer Psychotherapie auf zehn Sitzungen hält Lubisch für unzureichend, um eine Abstinenz zu erreichen – auch nicht als Nachbehandlung einer Entgiftung. „Wie viele Sitzungen notwendig sind, sollte im Ermessen des Therapeuten liegen“, forderte sie.

Die Versorgung von Abhängigkeiten legaler Drogen wie Alkohol und Tabak ist nach Ansicht der DPtV weit schlechter als die von illegalen Drogen wie Cannabis und Opioiden. „Die Kosten einer Behandlung der Nikotinabhängigkeit wird zurzeit nicht von Krankenkassen übernommen“, kritisierte die Bundesvorsitzende.

Die schlechte Versorgung Nikotin- und Alkoholabhängiger verdeutlichte Tim Pfeiffer-Gerschel, Institut für Therapieforschung München: Schätzungen zufolge seien mindestens 80 Prozent der Heroinabhängigen an Beratungsstellen oder Substitutionspraxen angebunden. Von einem Alkoholmissbrauch seien bis zu vier Millionen Menschen betroffen. „Alle Suchtbehandlungen der Rentenversicherung kommen aber nur auf ein paar 100 000 Behandlungen im Jahr. Eine systematische Behandlung erhalten die wenigsten“, schlussfolgerte Pfeiffer-Gerschel. gie

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