ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2019Ethikkommissionen: Mut sich zu wehren
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(...) Offenbar diente eine larmoyant abgefasste E-Mail eines gekränkten analytischen Kollegen als willkommene Plattform, um einen gemeinsamen Rachefeldzug gegen die ethischen Werte, denen sich die psychoanalytischen Ausbildungsinstitute durch ihre Ethikkommissionen verpflichtet fühlen, um ihre Schutzbefohlenen vor möglichen erotischen oder narzisstischen Übergriffen von Kollegen und Kolleginnen abzuschirmen, loszutreten. Wie die Vergangenheit schmerzlich zeitigt, ist hier viel an Ungutem und Missbräuchlichem vertuscht worden, wie auch der jüngst in der Zeit veröffentlichte Fall F. dramatisch verdeutlicht hat.

Nun wird auf einmal der Spieß umgedreht und das Opfer zum Täter gemacht, wenn es sich gegen körperliche Berührungen durch einen offenbar bedürftigen Lehranalytiker zur Wehr setzt und sich zur Klärung der behandlungstechnischen Rechtmäßigkeit an übergeordnete Ethikkommissionen wendet. Offensichtlich soll hier ein markantes Zeichen gesetzt werden, wer in der Ausbildungshierarchie die Macht und damit das Monopol innehat, mutige Ausbildungsteilnehmerinnen zu verunglimpfen und sie zu verängstigen, wenn sie zum Beispiel – wie von Moser angeführt – Umarmungen vor „langen Wochenenden“ (es dürfte sich um Trennungen von zwei bis drei Tagen gehandelt haben) verwirrend und irritierend empfinden sollten. Nicht jede junge Frau fühlt sich durch körperliche Berührungen durch ihren Lehranalytiker, die ja oftmals nicht zu den Jüngsten ihrer Zunft gehören, angenehm „berührt“. (...)

Möge David die Kraft zuwachsen, sich von den Drohgebärden eines Goliaths nicht einschüchtern zu lassen. Es gehört Mut dazu, sich zu wehren und die von Herrn Moser und dem angeführten Kollegen als infam und ehrverletzend kritisierte Haltung stellt meines Erachtens ein Vorbild dar für die jungen Menschen, die sich in Aus- und Weiterbildung befinden. Eine Vorreiterrolle dahingehend, sich gegen starre und verkrustete psychoanalytische Strukturen und ihre Repräsentanten zu wehren, sofern sie ihren Absolventen unbedingten Gehorsam und Loyalitätstreue bis hin zur Selbstverleugnung abverlangen. Die Zeiten haben sich verändert.

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Dipl.-Psych. Irene Roski, 14052 Berlin

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