ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2019Ethikkommissionen: Erschreckend unreflektiert
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Zurecht erkennt Herr Moser die zunehmende Sensibilisierung für ethische Fragen und ethische Verfehlungen in Psychotherapie und Psychoanalyse an. Doch scheint er es mit dieser Anerkennung nicht ganz ernst zu meinen. Zu sehr hat ihn offenbar der „zornige Blitzstrahl“ Thea Bauriedls getroffen. Ehe wir uns versehen, ist von Ermahnungen, Verdächtigungen und Verleumdungen die Rede. Der dann ins Feld geführte Fall eines Kollegen soll als Beleg herhalten für die Verfolgung unschuldiger Kolleginnen und Kollegen durch „Sittenwächter der fanatischen Art“. In der Tat muss man beunruhigt sein, aber nicht im von Herrn Moser gemeinten Sinne. Leichthin setzen sich Herr Moser und der besagte Kollege darüber hinweg, dass das agierende Beantworten der unbewussten Wünsche der Analysandinnen und Analysanden wie auch das Agieren der Gegenübertragung in eine Beschädigung des analytischen Prozesses und letztlich der Analysandin führen können. Die Begründung für den Bruch des analytischen Rahmens ist, zumal für einen erfahrenen Lehranalytiker, erschreckend unreflektiert. Ob die dem Rahmenbruch zugrunde liegende intra- und interpersonelle unbewusste Dynamik und dessen Folgen einer Reflexion zugänglich gemacht wurden, erfährt man leider nicht. Mit keinem Wort wird erwogen, dass die Lehranalysandin den emotional hoch belastenden Weg einer Beschwerde aus der inneren Not einer Beschädigung durch einen beschädigten analytischen Prozess auf sich genommen haben könnte. Ohne diesen Fragen weiter nachzugehen, ergeht sich Herr Moser in Larmoyanz. Einmal mehr werden Täter- und Opferrelationen verdreht. (...)

Dipl.-Psych. Jutta von Steimker, 50321 Brühl

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