ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2019Ethikkommissionen: Therapie endete im Desaster
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Bei der Lektüre des Artikels drängt sich mir die Frage auf, in welchem Umfang es in analytischen Kreisen eine Verfolgermentalität gibt.

2005 endete eine lange Psychotherapie mit einer sehr destruktiven Patientin in einem Desaster, für sie und für mich. Meine damalige Diagnose war „Paranoide Persönlichkeitsstörung“, da jede Beziehung von ihr mit Argwohn bedacht und bei entstehender Nähe aufgrund von sehr eigenen Schlussfolgerungen über die Absichten des anderen zerstört wurde. Sie führte all ihre Schwierigkeiten auf einen sexuellen Missbrauch in ihrer Kindheit durch einen um acht Jahre älteren Bruder zurück. Im Lauf der Therapie gewann sie die Überzeugung, dass auch ihr Vater sie missbraucht habe, später kam dann noch der Großvater hinzu. Meine Versuche, die Dynamik der therapeutischen Beziehung zu bearbeiten, wurden mit Suiziddrohungen und Beleidigungen beantwortet. Dreimal brach sie die Behandlung ab, dreimal ließ ich mich erweichen, sie wieder aufzunehmen, obgleich meine aus weiteren sieben Analytikern und Analytikerinnen bestehende Intervisionsgruppe die Übertragung als „sadistisch-pervers“ bezeichnete und die Beendigung empfahl. Nach circa vier Jahren ging sie auf meinen Rat in eine Traumaklinik mit analytischem Konzept.

Von dort erhielt ich bis zwei Tage vor ihrer Entlassung Bittbriefe, ich möge doch die Behandlung mit ihr fortsetzen. Unmittelbar nach ihrer Rückkehr verlangte sie die Herausgabe der Behandlungsunterlagen von mir, weil sie mich wegen Schadensersatz verklagen wolle.

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Nahezu drei Jahre später kam ein umfangreicher Schriftsatz von einem Anwalt aus Worms, der auf einem fast ebenso umfangreichen Gutachten des „Ethikvereins“ aus München basierte. Meine Patientin hatte dort fünf Zeitstunden mit Dr. H. gesprochen, die daraus über mich Schlussfolgerungen über massiv sexuelle Übergriffe ableitete, die sicherlich darauf gegründet seien, dass ich als Kind selbst von meiner Mutter missbraucht worden sei. Dieses Schreiben ging, als Versuch meiner beruflichen Vernichtung, an die Psychotherapeutenkammer (PTK) und die Kassenärztliche Vereinigung. Ich war sehr an Klärung interessiert, leider erschien meine Patientin nicht zum Termin einer Anhörung bei der PTK. Der Vorwurf sexueller Übergriffe wurde fallen gelassen, da aus dem umfangreichen Studium zahlreicher Unterlagen sich hierauf keinerlei Hinweise ergaben. Auch das Bemühen einer Zivilklage zwei Jahre später scheiterte, da das Gericht die Klage wegen offenkundiger Unwahrheiten in der Klageschrift abwies.

Dipl.-Psych. Klaus Semmler, 22085 Hamburg

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